Institutionelle Investoren setzen in volatilen Zeiten verstärkt auf Immobilien

Immobilien werden für institutionelle Investoren angesichts des unsicheren Umfelds immer attraktiver. Das zeigt eine Umfrage des Research Centers for Financial Services der Steinbeis-Hochschule Berlin in Zusammenarbeit mit dem Fondsanbieter Commerz Real. 

Erich Seeger, Commerz Real
Erich Seeger, Commerz Real

Demnach rechnen Profianleger einer Umfrage zufolge mit einem Anstieg des durchschnittlichen Immobilienanteils um rund ein Fünftel auf insgesamt 8,4 Prozent innerhalb der kommenden drei Jahre. Derzeit beträgt der durchschnittliche Anteil am Gesamtportfolio 7,1 Prozent. Vor allem Versicherungen, Pensionskassen und Stiftungen wollen der Studie zufolge verstärkt auf Immobilien setzen. Damit ist die Attraktivität von Immobilien als Investment laut den Studienautoren ungebrochen. Inzwischen setzen rund 95 Prozent aller Profianleger auf Immobilien in ihren Portfolios. In drei Jahren, so die Interpretation von Commerz Real, dürfte sogar praktisch jede Versicherung, Stiftung oder kirchliche Einrichtung hierzulande in der Anlageklasse engagiert sein.

Sicherheit ist für Investoren dabei das beherrschende Thema: So gaben die Befragten als wesentliche Anlagemotive Sicherheit (37,5 Prozent), die Hochwertigkeit der Objekte (29,2 Prozent) und Nachhaltigkeit an (25 Prozent).

„Das allgemeine Sicherheitsbedürfnis spiegelt sich auch bei Immobilienanlagen wider. Immobilien gelten als krisenresistent und bieten Inflationsschutz. Vor allem hochwertige Objekte versprechen Wertstabilität, daher sind diese bei institutionellen Investoren derzeit besonders gefragt“, sagt Erich Seeger, als Vorstandsmitglied der Commerz Real zuständig für das Geschäft mit institutionellen Kunden. „Zusätzlich diversifizieren viele Profiinvestoren ihre Portfolios mehr denn je nach Ländern und Sektoren. Das hohe Sicherheitsbedürfnis schlägt sich sogar im regionalen Engagement nieder. Speziell Immobilien in Westeuropa stehen hoch im Kurs, Deutschland weist dabei mit im Schnitt 57 Prozent als Einzelland den höchsten Anteil am Gesamtportfolio auf. Anlagen in Emerging Markets werden hingegen in aller Regel nur als Beimischung genutzt.“

Nach wie vor bevorzugen Profianleger der Untersuchung zufolge Spezialfonds und Direktanlagen für ein Investment in Immobilien. Offene Immobilienfonds, die im Zuge der Neuregulierung eine konsequentere Ausrichtung auf Privatanleger erfahren, haben hingegen an Relevanz eher verloren.

Eine wichtige Erkenntnis der Studie ist das wachsende Interesse an Investitionen außerhalb der klassischen Nutzungssegmente Büro, Handel und Logistik. Besonders viel Potenzial versprechen sich institutionelle Investoren von Wohn- und Sozialimmobilien. Gewerbeimmobilien dominieren zwar nach wie vor die Portfolios mit einem Anteil von im Schnitt 80 Prozent – das jedoch mit leicht rückläufiger Tendenz. Während ihr Anteil im vergangenen Jahr um zwei Prozentpunkte sank, stieg die Quote bei Wohnimmobilien parallel von 16 auf nunmehr 18 Prozent. Auf Sicht von drei Jahren schätzen rund 46 Prozent der Befragten die Attraktivität von Gewerbeimmobilien als hoch oder sehr hoch ein.

Vor einem Jahr waren es noch rund 64 Prozent. Über 50 Prozent hingegen werten Wohnimmobilien als vielversprechendes Investment. Allerdings trifft die steigende Nachfrage auf ein begrenztes Investmentangebot.

Für die Studie befragte das Research Center for Financial Services der Steinbeis-Hochschule Berlin Entscheider aus Versicherungen, Unternehmen, Pensionskassen, Versorgungswerken, kirchlichen Einrichtungen, Stiftungen und Banken. Insgesamt wurden 114 Breiteninterviews und neun Tiefeninterviews geführt. (te)

Foto: Commerz Real

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