Immobilienkäufer werden kompromissbereiter

Die hohe Nachfrage nach Wohnimmobilien lässt Immobilienkäufer in Deutschland zunehmend kompromissbereiter werden, so eine Studie des Immobilienanbieters Euro Grundinvest. Dies sei jedoch oft mit Risiken verbunden.

Wohnimmobilien stehen bei den Bundesbürgern derzeit hoch im Kurs, was vielerorts die Preise deutlich steigen lässt. Um sich den Wunsch nach einem Immobilienkauf trotzdem zu erfüllen, seien viele potenzielle Käufer daher bereit, ihre Anforderungen zu senken, so Euro Grundinvest.

Jeder Zweite würde inzwischen sogar Abstriche beim wichtigsten Kaufkriterium – der Lage – machen, so die Untersuchung. Dabei sei allerdings Vorsicht geboten, warnt der Projektentwickler.

„Investoren, die allzu großzügig Zugeständnisse eingehen, setzen ihre Rendite aufs Spiel oder erhöhen ihr Investitionsrisiko“, sagt Martin Greppmair, Chefprojektentwickler der Euro Grundinvest. Für den Grundinvest Report hatte der Münchner Bauträger deutschlandweit insgesamt 1.000 Privatanleger befragt.

Die Nachfrage nach Immobilien ist hoch. Jeder fünfte Privatanleger will den Angaben zufolge noch in den kommenden Monaten eine Immobilie kaufen. Dementsprechend entwickeln sich die Preise in den begehrten Lagen. Um die historisch niedrigen Baufinanzierungszinsen dennoch für eine Investition zu nutzen, würden viele Interessenten prüfen, an welcher Stelle sie sparen können.

Zugeständnisse bei der Ausstattung

„Der überwiegende Teil der Befragten würde auf Luxus verzichten. Sowohl die Ausstattungsqualität der Inneneinrichtung als auch die des Gebäudes selbst ist den Privatanlegern weniger wichtig – wenn dafür der Preis stimmt“, erklärt Greppmair. 65,3 Prozent wären zu Kompromissen bei Bodenbelag, Badarmaturen und ähnlichen Ausstattungsmerkmalen bereit. 56,9 Prozent würden laut Euro Grundinvest Zugeständnisse bei Tiefgarage, Fahrstuhl, Gegensprechanlage oder der Treppenhausgestaltung eingehen.

Auch die Architektur ist für die meisten nur von nachgeordneter Bedeutung. Über die Hälfte (58,8 Prozent) kann sich vorstellen, an dieser Stelle die Ansprüche zurückzuschrauben. Insgesamt 50,6 Prozent der Befragten würden zudem auf Fußbodenheizung, Balkon oder zum Objekt gehörige Grünflächen verzichten, um sich die Immobilie leisten zu können. „Kompromisse bei diesen Kriterien können durchaus sinnvoll sein – vorausgesetzt sie mindern die Vermietungschancen oder den Wiederverkaufswert nicht erheblich“, erläutert Greppmair. Es sei zu empfehlen, sich dabei an Vergleichsobjekten in der Umgebung zu orientieren.

Die Lage muss stimmen

Abzuraten sei allerdings von zu großen Zugeständnissen hinsichtlich der Lage und des Objektzustands. „Die Lage und die künftige Entwicklung der Lage sind nach wie vor das wichtigste Kaufkriterium. Es entscheidet maßgeblich über die Renditeaussichten und den Werterhalt der Immobilie. Insbesondere Kapitalanleger, aber auch Eigennutzer sollten hier genau hinsehen und sehr überlegt entscheiden“, warnt Greppmair. Es müsse zwar nicht immer die Innenstadt sein, allerdings sollten Infrastruktur, Verkehrsanbindung und Wohnumfeld stimmen. Gerade im Einzugsbereich des S-Bahnnetzes der großen Metropolen gebe es Immobilien, bei denen Preis und Lage im ausgewogenen Verhältnis stehen. Deshalb würden diese auch immer gefragter.

Riskant sind laut Greppmair zudem Kompromisse beim Objektzustand. Wenn plötzlich die Heizanlage defekt sei oder größere unerwartete Sanierungsmaßnahmen anstehen, werde das vermeintliche Schnäppchen schnell zur Renditefalle. „Mit Blick auf die steigenden Kosten für Strom, Gas und Heizöl spielt auch das Thema Nebenkosten eine immer entscheidendere Rolle. Eine schlechte Energiebilanz macht sich nicht nur im Geldbeutel der Eigennutzer bemerkbar. Inzwischen achten auch Mieter auf dieses Kriterium“, betont der Immobilienexperte. (bk)

Foto: Shutterstock

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