3. Juli 2014, 09:00
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Angst fressen Backstein auf? Zeit für Kreativität und Lösungen!

Die Praxis zeigt aber auch, dass durch Kompromisse letztlich ein Mehrwert für alle Beteiligten besteht, da ja dann die Mehrheit mit zieht (zumindest die mathematisch korrekten 50,1 Prozent und nicht die Kommunikationsstarken 0,4 Prozent.).

Die Immobilienbranche sollte schnellstens diese Entwicklung zur Kenntnis nehmen und zeitgemäß agieren. Die Trotzecke (“dann bauen wir halt woanders, wo man dankbar ist”) ist eher peinlich, denn lösungsstiftend.

Deshalb auch selbstkritisch angemerkt: wir beherrschen zwar die excelbasierten cash flow Analysen mit einem forecast von 15 Jahren und sorgen für eine Flut von Solarzellen auf den bundesdeutschen Dächern und einem guten Projektentwicklergewinn. Doch sind wir 2014 wirklich in der Lage dem Bürger zu vermitteln wie Städte umgebaut werden müssen im Sinne von urban, nachhaltig, mobilitätskonform und sozial ausgewogen?

Funktionierende Infrastruktur bei knappen Kassen

Um den zukünftigen Generationen eine funktionierende Infrastruktur bei knappen Kassen zu hinterlassen, auf das es diese dann anders und hoffentlich besser machen als unsere Vorgänger in den 70er Jahren mit ihrem funktionalen autogerechten Retrocharme über den wir uns heute beklagen?

Nach 20 Jahren immobilienwirtschaftliche Aus- und Weiterbildung Deutschland befinden wir uns offensichtlich an einer Stelle, in der die bisherige lineare, professionell durchgeführte Wissensvermittlung einen neuen Wissensschub erfahren muss in Verbindung mit einem hohen Willen an Einmischung und Vertretung der Belange.

Stadtumbau, Infrastrukturplanung und Mediation in die Lehrpläne

Auf den zukünftigen Lehrplänen gerade bei der wichtigen Fortbildung sollte deshalb mehr denn je auch “Stadtumbau” – “Infrastrukturplanung” – “Mediation” und “Kreativität” stehen.

Für ökonomische Kreativität gibt es aber noch kein passendes Microsoft Programm. Hier ist Gott sei Dank dann wieder der Immobilienmensch mit seiner Erfahrung und Gespür gefragt. Nur so lässt sich die Angst der Mitbürger vor dem Backstein und seiner Veränderung sinnstiftend bekämpfen.

Dr. Thomas Beyerle ist Managing Director und Leiter der Researchabteilung bei der Catella Property Valuation GmbH.

Foto: Christian Daitche

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2 Kommentare

  1. Sehr geehrter Herr Beyerle,
    .
    vielen Dank für diesen durchaus umsichtigen Kommentar. Da sie so Leute wie mich ansprechen, will ich Ihnen gerne einige der aufgeworfenen Fragen aus der Sicht des kritischen Bürgers beantworten:
    .
    “Der Hinweis auf die Zahl der geschaffenen Arbeitsplätze, Wohnungen, Einkaufsmöglichkeiten, Kitas, Grünflächen etc. und Ausgleichsleistungen durch neue Entwicklungen fruchtet offensichtlich immer weniger.”
    .
    Wundert sie das? Inzwischen ist auch beim letzten Hinterwäldler angekommen, dass das allermeistens leere Versprechungen und Wunschdenken sind. Krasses Beispiel: Im Planfeststellungsbeschluss zu Stuttgart 21 steht geschrieben, dass der neue Bahnhof mit 39 Zügen/h überfordert sein wird. Aktuell fahren 38,5 Züge/h, das schafft der bestehende Bahnhof also mindestens. Und im Prospekt zu diesem Prokjekt wurde zur gleichen Zeit von “Doppelter Leistungsfähigkeit” gesprochen. Also eine klare Lüge. Fakt ist, der neue Bahnhof wird entgegen aller “Hinweise” kleiner als der bisherige sein.
    .
    “Es ist genau diese Angst vor Veränderung, was offensichtlich den Widerstand gegen diese Projekte immer stärker anwachsen lässt.”
    .
    Eine grundsätzliche Angst vor Veränderung vermag ich nicht auszumachen. Im Gegenteil, die Stuttgart-21-Gegner sind z.B. ausdrückliche Freunde der Eisenbahn und begrüssen jede sinnvolle, nachvollziehbare Verbesserung der Schienen-Infrastruktur. Sie erstellen sogar eigene Planungen.
    .
    Gleichzeitig ist man auch sehr zufrieden mit dem, was man bereits hat. “Alles abreissen und neu machen” ist da eben keine so tolle Idee. Da werden nicht nur Werte geschaffen, es werden auch beinahe eben so viele vernichtet.
    .
    Um der Immobilienbranche wieder eine sorgenfreie Zukunft in Aussicht zu stellen zu können, müssen sich aus meiner Sicht vor Allem zwei Dinge etablieren:
    .
    1. Eine neue Ehrlichkeit. Blumige Versprechungen mit weiss strahlendem Beton glaubt ihnen niemand mehr. Statt dessen braucht es solide, sinnvolle, nachvollziehbare Planungen. Bauen nicht um des bauens willen, sondern bauen, um Herausforderungen im Sinne der Nutzer, der Bewohner zu meistern. Gerne auch in einer Qualität, die hundert Jahre hält.
    .
    2. Liebe für’s Detail. Ganze Stadtviertel abzureissen und wieder hinzustellen ist Grössenwahn vor gestern. Gigantische Shopping-Malls haben schon wieder ausgedient. Statt dessen macht man sich Freunde, wenn man bestehende Substanz respektiert und diese nicht ersetzt, sondern ergänzt.
    .
    Bauen sie für die Bürger, dann stehen die Bürger auch hinter Ihnen.
    .
    In diesem Sinne,
    Markus Hitter

    Kommentar von Markus Hitter — 3. Juli 2014 @ 23:42

  2. Sehr geehrter Herr Beyerle,

    vielen Dank für diesen durchaus umsichtigen Kommentar. Da sie so Leute wie mich ansprechen, will ich Ihnen gerne einige der aufgeworfenen Fragen aus der Sicht des kritischen Bürgers beantworten:

    “Der Hinweis auf die Zahl der geschaffenen Arbeitsplätze, Wohnungen, Einkaufsmöglichkeiten, Kitas, Grünflächen etc. und Ausgleichsleistungen durch neue Entwicklungen fruchtet offensichtlich immer weniger.”

    Wundert sie das? Inzwischen ist auch beim letzten Hinterwäldler angekommen, dass das allermeistens leere Versprechungen und Wunschdenken sind. Krasses Beispiel: Im Planfeststellungsbeschluss zu Stuttgart 21 steht geschrieben, dass der neue Bahnhof mit 39 Zügen/h überfordert sein wird. Aktuell fahren 38,5 Züge/h, das schafft der bestehende Bahnhof also mindestens. Und im Prospekt zu diesem Prokjekt wurde zur gleichen Zeit von “Doppelter Leistungsfähigkeit” gesprochen. Also eine klare Lüge. Fakt ist, der neue Bahnhof wird entgegen aller “Hinweise” kleiner als der bisherige sein.

    “Es ist genau diese Angst vor Veränderung, was offensichtlich den Widerstand gegen diese Projekte immer stärker anwachsen lässt.”

    Eine grundsätzliche Angst vor Veränderung vermag ich nicht auszumachen. Im Gegenteil, die Stuttgart-21-Gegner sind z.B. ausdrückliche Freunde der Eisenbahn und begrüssen jede sinnvolle, nachvollziehbare Verbesserung der Schienen-Infrastruktur. Sie erstellen sogar eigene Planungen.

    Gleichzeitig ist man auch sehr zufrieden mit dem, was man bereits hat. “Alles abreissen und neu machen” ist da eben keine so tolle Idee. Da werden nicht nur Werte geschaffen, es werden auch beinahe eben so viele vernichtet.

    Um der Immobilienbranche wieder eine sorgenfreie Zukunft in Aussicht zu stellen zu können, müssen sich aus meiner Sicht vor Allem zwei Dinge etablieren:

    1. Eine neue Ehrlichkeit. Blumige Versprechungen mit weiss strahlendem Beton glaubt ihnen niemand mehr. Statt dessen braucht es solide, sinnvolle, nachvollziehbare Planungen. Bauen nicht um des bauens willen, sondern bauen, um Herausforderungen im Sinne der Nutzer, der Bewohner zu meistern. Gerne auch in einer Qualität, die hundert Jahre hält.

    2. Liebe für’s Detail. Ganze Stadtviertel abzureissen und wieder hinzustellen ist Grössenwahn vor gestern. Gigantische Shopping-Malls haben schon wieder ausgedient. Statt dessen macht man sich Freunde, wenn man bestehende Substanz respektiert und diese nicht ersetzt, sondern ergänzt.

    Bauen sie für die Bürger, dann stehen die Bürger auch hinter Ihnen.

    In diesem Sinne,
    Markus Hitter

    Kommentar von Markus Hitter — 3. Juli 2014 @ 23:40

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