13. Februar 2018, 14:21
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

“Chancen in vernachlässigten Zentren”

Lange standen Wohnungen und Häuser in guten und mittleren Lagen im Fokus der Projektentwickler und Anleger. Dort sind jedoch die Renditen deutlich gesunken. Wer noch gute Erträge erzielen möchte, sollte sein Augenmerk auf innerstädtische C-Lagen richten. Gastbeitrag von John Bothe, Silverlake

John Bothe Silverlake in Chancen in vernachlässigten Zentren

John Bothe, Silverlake: “Die klassischen Strategien erzielen derzeit nur noch geringe Renditen.”

Gute Lage, mittlere Stadt – mittlere Lage, gute Stadt. Das ist die traditionelle Strategie all jener, die sich 1a-Lagen an Top-Sieben-Standorten nicht leisten können oder wollen.

Investoren, die nach diesem “ABBA-Prinzip” handeln, können nichts falsch machen – dachten sie zumindest. Mittlerweile haben sich auch die B-Lagen in A-Städten und die A-Lagen in B-Städten zu teuren Standorten entwickelt.

Hoher Anlagedruck und zu wenig Neubau sorgen für eine Preisspirale – deutschlandweit fehlen 1,5 Millionen Wohnungen, da Städte und Gemeinden selbst gesetzte Bauziele verfehlen und der Wohnungsbau keine beherzte Förderung erfährt. Die steigenden Baukosten – Stichwort energetische Auflagen – tun das ihrige dazu. Renditen können selbst konservativen Erwartungen nicht mehr gerecht werden.

Renditenchancen in den Zentren

Als Investor blicke ich zunehmend auf innerstädtische C-Lagen. Rund um die Hauptbahnhöfe in Düsseldorf und Köln, das Bahnhofsviertel in Frankfurt am Main oder den Stuttgarter Heusteig gibt es sie noch: sanierungsfähige Wohnhäuser neben Baulücken. Dort macht sich das perspektivische Augenmerk des Immobilieninvestors bezahlt.

Dank guter Infrastruktur und Nahversorgung – die Nähe zu den Fußgängerzonen sowie Hauptbahnhöfen – und gleichzeitig bezahlbaren Einkaufspreisen steigt das Interesse von Anlegern, die auf deutliche Wertzuwächse setzen, an bis dato vernachlässigten Stadtteilen.

Dem Vermietungsmanagement kommt zugute, dass sich immer mehr Menschen angesichts der aktuellen Preisentwicklungen in den Ballungsgebieten kaum noch einen Umzug leisten können. Man spricht vom Locked-in-Effekt: Ältere Menschen können keine kleinere Wohnung bezahlen, jüngere Menschen mit kleinen Kindern erst recht keine größere.

Wohnungspolitisches Ungleichgewicht

Das Ergebnis ist ein wohnpolitisches Ungleichgewicht, da die zur Verfügung stehenden Quadratmeter je Einwohner unterschiedlich verteilt sind.

Nicht nur deswegen nehmen viele Mieter innerstädtische C-Lagen an guten Standorten in Kauf, während sich für Bestandshalter und Endkäufer die Investition lohnt, weil das Mietniveau inzwischen genauso hoch ist wie in klassischen A-Lagen.

Freie Projektentwickler und Investoren können zudem von ihren kurzen Entscheidungswegen profitieren – ebenso wie die Bewohner. Denn selbst wenn die Verantwortlichen in der Politik den Weckruf hören und erkennen, dass sie in einem innerstädtischen Quartier soziale und wirtschaftliche Hausaufgaben zu erledigen haben, vergehen Jahre bis zur Umsetzung.

In der Zwischenzeit sind Häuser saniert, leere Flächen nachverdichtet und Bewohner eingezogen – und das mit besseren Renditen respektive Preis-Leistungs-Verhältnissen als in etablierten Stadtteilen.

Autor John Bothe ist Geschäftsführer der Silverlake Beteiligungsgesellschaft GmbH.

Foto: Shutterstock

 

Ihre Meinung



 

Versicherungen

Haftpflichtkasse muss Gasthaus für Corona-Schließung entschädigen

In der Klagewelle um die Kosten für Gaststätten, die wegen der Corona-Pandemie schließen mussten, hat ein weiterer Wirt gegen seine Versicherung gewonnen.

mehr ...

Immobilien

USA: Baubeginne und Genehmigungen legen wieder zu

Der US-Immobilienmarkt hat sich nach einem leichten Dämpfer wieder besser entwickelt. Nach einem Rückgang im August erhöhten sich im September sowohl die Baubeginne als auch die Baugenehmigungen wieder. 

mehr ...

Investmentfonds

Brexit und Corona: Märkte in USA, Europa und UK mit unterschiedlichen Vorzeichen

Chris Iggo, CIO Core Investments, richtet seinen Blick auf die Märkte und sieht unterschiedliche Vorzeichen für Amerika, Europa und Großbritannien

mehr ...

Berater

BaFin nimmt Deutsche Edelfisch DEG II ins Visier

Die Finanzaufsicht BaFin hat den hinreichend begründeten Verdacht, dass die Deutsche Edelfisch DEG GmbH & Co. II KG in Deutschland Wertpapiere in Form von Schuldverschreibungen ohne das erforderliche Wertpapier-Informationsblatt öffentlich anbietet. Im Markt der Vermögensanlagen ist das Unternehmen nicht unbekannt.

mehr ...

Sachwertanlagen

Finexity bringt dritten digitalen “Club-Deal”

Das Fintech Finexity AG erweitert sein “Club-Deal”-Angebot um ein Neubauprojekt in Hamburg. Das Projekt ist mit einem Volumen von über acht Millionen Euro das bisher größte im Portfolio des Hamburger Unternehmens und steht Investoren mit Anlagesummen ab 100.000 Euro offen.

mehr ...

Recht

Klage gegen EY auf 195 Millionen Euro Schadensersatz

Der Insolvenzverwalter der Maple Bank hat die Wirtschaftsprüfer von EY wegen angeblich falscher Beratung bei den umstrittenen “Cum-Ex”-Geschäften zu Lasten der Staatskasse auf 195 Millionen Euro Schadensersatz verklagt.

mehr ...