Das sind die meistfrequentierten deutschen Shoppingmeilen

Die Kaufingerstraße in München ist nach einer Analyse von BNP Paribas Real Estate die meistfrequentierte Shoppingmeile in Deutschland. Auf Rang zwei folgt die Kölner Schildergasse. Hannover, Wiesbaden und Trier belegen die vorderen Plätze in den nachfolgenden Städtekategorien.

Trotz des wachsenden Online-Handels verbuchen die großen Einkaufsstraßen weiterhin gute Besucherzahlen.

Nach Aussage von BNP Paribas Real Estate ist ein stündliches Passantenaufkommen von rund 5.000 Menschen für eine Konsumlage ein überdurchschnittliches Resultat.

„Mit mehr als 7.000 Passanten stehen die Chancen auf eine Top-Ten-Platzierung gut, während über die fünf besten Flaniermeilen deutlich mehr als 8.000 Shoppingwillige schlendern und für einen der drei Podestplätze mindestens 10.400 Personen nötig sind“, erläutert Christoph Scharf, Geschäftsführer der BNP Paribas Real Estate GmbH und Head of Retail Services.

In der Konsequenz seien die Schwankungen der Frequenzzahlen, die 2018 in erster Linie mit den sehr hohen Temperaturen zusammenhingen, in Anbetracht der vergangenen fünf Jahre nicht so gravierend, als dass sich insbesondere im Bereich der Top-Platzierungen des bundesweiten Rankings deutliche Verschiebungen ergeben würden.

Kaufingerstraße in eigener Liga

In einer eigenen Liga spiele Jahr für Jahr bereits seit 2013 die Kaufingerstraße in München, die sich mit knapp 12.900 Passanten abermals an die Spitze der Frequenz-Tabelle setzte. Bei der letztjährigen europaweit durchgeführten Zählung von BNP Paribas Real Estate in insgesamt 23 Städten und 19 Ländern habe ein vergleichbares Resultat (12.832 Personen) sogar Rang zwei hinter der Londoner Oxford Street bedeutet.

Mit etwas Abstand auf Position zwei folgt die Kölner Schildergasse, die sich mit rund 11.400 Passanten zum dritten Mal in Folge die zweitbelebteste deutsche Shoppingmeile nennen darf. Zusammen mit dem Wallrafplatz (8.200, Rang 5) und der Hohen Straße (7.200, Rang 10) biete der Einzelhandelsmarkt der Domstadt gleich drei Top-Ten-Lagen – das schaffe selbst die bayerische Landeshauptstadt nicht.

Erfreulich sei zudem die Bilanz der Frankfurter Zeil, die mit 10.400 potenziellen Kunden an Passanten gewinne und somit wie zuletzt 2013 den Sprung auf das Podest schaffe. Die Hochfrequenzlagen der drei übrigen Shoppingmetropolen Düsseldorf, Hamburg und Berlin finden sich auf den Positionen elf bis 21 wieder.

Dabei bleibe die Düsseldorfer Flinger Straße nur knapp unter der 7.000-Personen-Marke und habe seit 2016 um mehr als 700 Passanten zugelegt. Über 6.000 Menschen waren zum Zählzeitpunkt außerdem in der Mönckebergstraße in Hamburg (6.340, Platz 18) und der Berliner Tauentzienstraße (6.061, Position 21) unterwegs.

Berlin und Hamburg: Passantenströme verteilen sich

Warum die beiden größten deutschen Städte keine Top-Platzierungen erreichen, erkläre sich mit Blick auf die Einzelhandelsmärkte der Haupt- und der Hansestadt: In Berlin lockten die verschiedenen Retail-Hotspots ganz unterschiedliche Zielgruppen an und sorgten für eine Verteilung der Passantenströme über das sehr große Innenstadtgebiet.

In Hamburg machten die zahlreichen Projekte, zu denen neben dem Alten Wall und den Stadthöfen unter anderem die Planungen zum Umbau des Hamburger Hofs sowie die noch ungewisse Zukunft des Hanseviertels zählen, die Entwicklung der Wegebeziehungen und Frequenzen in der Innenstadt vielfältiger und noch zukunftsfähiger. Abgesehen davon sei am Zähltag (9. Juni 2018) in den parallel verlaufenden Top-Lagen Mönckeberg- und Spitalerstraße zusammengenommen knapp 12.000 Personen in der Stunde registriert worden, was ein deutliches Indiz für das hohe Kundenpotenzial des östlichen Bereichs der Hamburger City sei.

Acht Einkaufsstraßen unter den Top 20 außerhalb der A-Städte

Belebt seien jedoch keineswegs nur die Innenstädte der größten Shoppingdestinationen. Insgesamt befinden sich laut BNP Paribas Real Estate acht der zwanzig meistbesuchten Einkaufsstraßen außerhalb der A-Städte, zu denen neben den Big Six auch Stuttgart (Königsstraße: 6.612 Menschen, Rang 13) gehört.

An den B-Standorten, die in drei Städtekategorien von 100.000 bis 250.000, 250.000 bis 500.000 und über 500.000 Einwohner unterteilt werden können, gehen laut BNP Paribas Real Estate Hannover, Wiesbaden und Trier als Sieger hervor.

In der Klasse der Großstädte mit mindestens einer halben Million Einwohnern liege die Bahnhofstraße in Hannover (8.116 Passanten, Position sechs) vorn und übertrumpfe knapp den Dortmunder Westenhellweg (7.970, Rang sieben). Die nächst kleinere Kategorie (250.000 bis 500.000) machten die Wiesbadener Kirchgasse (7.280 Besucher, Rang neun) und die Münsteraner Ludgeristraße (6.608, Platz 14) unter sich aus, während die Simeonstraße in Trier und die Aachener Adalbertstraße unter den Standorten zwischen 100.000 und 250.000 Einwohnern vorn liegen.

Hohe Mieten setzen Retailer unter Druck

Auch wenn die Top-Flaniermeilen der Republik nach wie vor gut besucht seien, stellten die teilweise hohen Mietpreisbelastungen in den besten Lagen viele Retailer zunehmend vor Probleme. So haben die Spitzenmieten laut BNP Paribas Real Estate in 44 Prozent der etwas mehr als 110 betrachteten Einkaufsstraßen der Top-27-Märkte im Vorjahresvergleich leicht nachgegeben, die Hälfte der analysierten Lagen weise stabile Werte auf, und nur sechs Prozent konnten steigende Top-Mieten verbuchen.

„Dementsprechend ist festzuhalten, dass in den wichtigsten deutschen Einzelhandelsmärkten weiterhin viel los ist – sei es hinsichtlich des Passantenaufkommens in den Top-Lagen oder auch der immer wieder neuen Konzepte, die versuchen, die Transformationsprozesse des stationären Handels für sich zu nutzen, statt vor ihnen zu resignieren“, so Scharf. (bk)

Foto: Engel & Völkers

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