23. April 2018, 15:18
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Immobilieneigentümer wohnen ein Drittel günstiger als Mieter

Wohnen in den eigenen vier Wänden ist in allen Regionen Deutschlands günstiger als das Wohnen zur Miete. Zu diesem Ergebnis kommt der aktuelle Wohnkostenreport des Unternehmens Accentro und des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln. Dies gelte trotz hoher Immobilienpreise auch für die Metropolen.

Haus-familie-shutterstock 172265195 in Immobilieneigentümer wohnen ein Drittel günstiger als Mieter

Wer eine Bestandsimmobilie erwirbt, fährt in der Regel finanziell besser als Mieter einer vergleichbaren Immobilie, so die Studie.

Der diesjährige „Accentro-IW-Wohnkostenreport“ kommt zu dem Ergebnis, dass die Kosten für Selbstnutzer in der gesamtdeutschen Betrachtung rund ein Drittel unter den Kosten von Mietern liegen.

Grundlage der Studie sind die bundesweiten Mieten und Wohnnutzerkosten aller 401 Landkreise und kreisfreien Städte in Deutschland. Die Studie wurde vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW) Köln im Auftrag der Accentro Real Estate AG unter der wissenschaftlichen Leitung von Professor Dr. Michael Voigtländer erstellt.

„Trotz der großen Vorteile gegenüber dem Wohnen zur Miete verharrt die Wohneigentumsquote in Deutschland auf einem niedrigen Niveau. Dies liegt nicht zuletzt an den hohen Hürden beim Immobilienkauf. Gerade junge Menschen werden mit hohen Eigenkapitalforderungen beim Eigentumserwerb ausgebremst. Dabei wird der Aufbau von Wohneigentum immer wichtiger für die Altersvorsorge. Daher sehen wir die Politik in der Pflicht, den Zugang zu Wohneigentum zu vereinfachen“, sagt Jacopo Mingazzini, Vorstandsvorsitzender der Accentro Real Estate AG.

Kosten für Wohneigentum flächendeckend deutlich unter Kosten für Miete

Seit 2008 sind die Kosten für die Selbstnutzung laut Accentro kontinuierlich gesunken. Erst in den vergangenen zwei Jahren seien sie wieder leicht angestiegen. Dennoch sei im Bundesdurchschnitt der Erwerb einer Bestandsimmobilie 32,7 Prozent günstiger als die Neuanmietung im Bestand einer vergleichbaren Wohneinheit.

In vielen Kreisen sei die Belastung selbst unter Berücksichtigung der Tilgung günstiger als das Wohnen zur Miete. Dies eröffne Wohneigentümern weiteres Potenzial für die Aufstockung der Altersvorsorge.

Trotz der weiter steigenden Kaufpreise in den deutschen Metropolregionen liegt der Kostenvorteil von Selbstnutzern gegenüber Mietern laut Accentro in den sieben größten Städten mit 33,2 Prozent leicht über dem bundesweiten Durchschnittswert. Dabei sei das Wohnen im Eigentum in Frankfurt und Hamburg besonders attraktiv. Die Bandbreite bei den Großstädten reiche von 26,4 Prozent in Stuttgart bis 38,6 Prozent in Hamburg.

Frühzeitiges Erwerben von Wohneigentum besonders attraktiv

Trotz der deutlichen Kostenvorteile für Selbstnutzer gegenüber Mietern zeige das Nachfrageverhalten keine nennenswerte Reaktion. Die Wohneigentumsquote bleibe auf einem niedrigen Niveau. Private Haushalte können laut Accentro vor allem dann profitieren, wenn sie frühzeitig Wohneigentum erwerben und die Tilgung damit über einen längeren Zeitraum strecken können.

Junge Haushalte könnten ihre Altersvorsorge deutlich verbessern, wenn die Tilgung vor dem Renteneintritt getätigt werde. „Hier stehen wir aktuell vor einer großen Herausforderung, da junge Haushalte nur selten über die finanziellen Mittel verfügen, um das erforderliche Eigenkapital aufzubringen,“ so Mingazzini.

Rahmenbedingungen weiterhin positiv

Die Attraktivität des Kaufens ergebe sich insbesondere durch die historisch niedrigen Hypothekenzinsen. „Da die Zinsen tendenziell gering bleiben sollten, erwarten wir, dass dieser Vorteil bestehen bleibt“, erklärt Professor Dr. Michael Voigtländer vom Institut der deutschen Wirtschaft. „Zwar ist der wahrscheinlich günstigste Zeitpunkt für den Erwerb von Wohneigentum überschritten, aber im Vergleich zum Wohnen zur Miete bleibt das Wohnen im Eigentum deutlich günstiger. Auch moderate Zinserhöhungen würden den starken Kostenvorteil von Wohneigentum nicht signifikant schmälern.“

Die Studie zeige, dass auch bei einem Zinsanstieg auf 3,5 Prozent und einem gesamten Finanzierungszeitraum von 35 Jahren die Kosten für Zins, Tilgung und Instandsetzung in den meisten Regionen unter den Mietkosten bleibe, teilweise um 30 bis 40 Prozent.

Neue Anreize zur Vermögensbildung erforderlich

„Das von der Bundesregierung geplante Baukindergeld könnte zwar helfen, den Kapitalbedarf zu reduzieren, ist aber viel zu teuer. Andere Vorhaben wie Bürgschaften oder eine Reform der Grunderwerbssteuer wären deutlich besser geeignet, breiten Bevölkerungsschichten den Zugang zum Wohneigentum zu erleichtern“, befindet Voigtländer.

„Das anhaltend niedrige Zinsniveau bietet nach wie vor die Chance, die Vermögensbildung in Deutschland zu stimulieren. Es ist nun an der Politik, hierfür die richtigen Rahmenbedingungen zu setzen“, ergänzt Mingazzini. (bk)

Foto: Shutterstock

1 Kommentar

  1. Für ganz viele trifft das auch zu, nicht in allen beliebten Vierteln der Metropolen aber zu über 90% sicherlich.

    Kommentar von Jan Lanc, Neu-Isenburg — 23. April 2018 @ 16:40

Ihre Meinung



 

Versicherungen

Deutsche Rentenversicherung: 41 Millionen Euro Strafzinsen in sechs Monaten

Die Zinsmisere an den Kapitalmärkten macht nicht nur den privaten Vorsorgesparern sondern auch der Gesetzlichen Rentenversicherung deutlich zu schaffen. Der Verlust in 2019 dürfte deutlich höher ausfallen, als in 2018. Damals waren es 54 Millionen Euro.

mehr ...

Immobilien

Reform des Mietspiegels: BFW warnt vor Schönfärberei

Die schwarz-rote Bundesregierung plant den Mietspiegel anders als bislang berechnen zu lassen. Heute findet zu den geplanten neuen Regelungen eine Anhörung im Rechtsausschuss des Deutschen Bundestags statt. Der BFW bemängelt unter anderem fehlende Realitätsnähe.

mehr ...

Investmentfonds

Das Versprechen der Künstlichen Intelligenz einlösen

Es scheint nicht so lange her zu sein, dass Künstliche Intelligenz und Machine Learning als Science Fiction angesehen wurden. Jetzt beschäftigen seine Auswirkungen die Gedanken der Menschen in allen Branchen – und Asset Management ist da keine Ausnahme, meint Charles Ellis von Mediolanum International Funds.

mehr ...

Berater

Digitalisierung in der bAV: Abwarten ist der schlechteste Ausweg

Die Verwaltung der betrieblichen Altersversorgung (bAV) wird aktuell auf breiter Fläche modernisiert. So verwendet ein Drittel der Unternehmen bis zu 30 Prozent seiner Administrationsbudgets für Digitalisierungsprojekte. Im Vorjahr investierte erst ein Fünftel eine vergleichbare Summe. Dies ergab eine Befragung von 54 Unternehmen durch den bAV-Dienstleister Willis Towers Watson.

mehr ...

Sachwertanlagen

“Bestes Platzierungsergebnis der Unternehmensgeschichte”

Der Fonds Nr. 42 des Asset Managers ILG ist vollständig platziert. In elf Wochen wurden demnach rund 42,4 Millionen Euro Eigenkapital von privaten und semiprofessionellen Anlegern für den alternativen Investmentfonds (AIF) eingeworben.

mehr ...

Recht

Reform des Mietspiegels: Ein weiteres Mal am Ziel vorbei

Die schwarz-rote Bundesregierung plant den Mietspiegel anders als bislang berechnen zu lassen. Morgen findet zu den geplanten neuen Regelungen eine Anhörung im Rechtsausschuss des Deutschen Bundestags statt. Der GdW bezieht im Vorfeld schon einmal eindeutig Stellung.

mehr ...