1. August 2018, 13:38
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Wohnraumkrise außerhalb der Stadt lösen

Bezahlbare Wohnungen sind Mangelware, vor allem in den Großstädten. Es ist schlicht nicht möglich, dort in ausreichendem Maße Wohnraum zu schaffen. Was also tun? Gastkommentar von Ulrich Jehle, Rea Beteiligungs GmbH

Ulrich-jehle-rea-beteiligungs-gmbh in Wohnraumkrise außerhalb der Stadt lösen

Ulrich Jehle, Rea Beteiligungs GmbH: “Günstige Wohnangebote in der Region allein reichen nicht aus, um den Run auf die Städte zu stoppen.”

Viele Menschen haben mittlerweile Probleme, eine bezahlbare Wohnung zu finden. Das gilt besonders für die Großstädte, wo in den letzten Jahren ein reger Wettbewerb um den vorhandenen Wohnraum entstanden ist, der vor allem dem anhaltenden Zuzug geschuldet ist und von Spekulanten noch zusätzlich befeuert wird.

Dass sich durch den Ausbau des sozialen Wohnungsbaus, die Stärkung des Kündigungsschutzes, die Kappung der Modernisierungsumlage und die Mietpreisbremse daran grundlegend etwas ändern wird, dürfte mehr als unwahrscheinlich sein. Was also tun?

Den Menschen vorzumachen, dass in absehbarer Zeit in den Städten der nötige Wohnraum geschaffen werden kann, ist jedenfalls keine Lösung – schließlich gibt es zu wenig Fläche, um all die vorhandenen Wünsche zu befriedigen. Stattdessen ist der wachsende Bedarf an bezahlbarem Wohnraum nur in kleinen und mittelgroßen Orten sowie auf dem Land zu decken – und zwar am besten dort, wo es aufgrund der Abwanderung in die Städte bereits Leerstände gibt.

Sanierung kostengünstiger als neu zu bauen

Die Sanierung bestehender Immobilien und deren optische Aufwertung ist nämlich kostengünstiger für den Staat, für Investoren und damit auch für die späteren Mieter, als wenn erst neu gebaut werden muss. Dabei ist nicht die Rede von Luxus-Sanierungen, sondern von normaler Objektpflege und einem verlässlichen Vor-Ort-Service, um die Immobilien für die breite Mittelschicht attraktiv zu machen.

Freilich reichen günstige Wohnangebote in der Region allein nicht aus, um den Run auf die Städte zu stoppen. Auch die Umgebung selbst muss die potenziellen Neumieter überzeugen. Das ist allerdings schwierig, wenn der öffentliche Personenverkehr nur eingeschränkt gewährleistet ist, der Ortskern wie ausgestorben ist und Funklöcher die Nerven strapazieren, um nur die größten Probleme zu nennen, mit denen viele Kommunen konfrontiert sind.

Gebraucht wird eine moderne und funktionierende Infrastruktur

Sollen also kleine und mittelgroße Orte für die Menschen als Lebensort (wieder) attraktiv werden, müssen die Kommunen zunächst in eine moderne und funktionierende Infrastruktur investieren – durch einen umfassenden Ausbau des öffentlichen Personenverkehrs, der ärztlichen Versorgung, des Breitbandnetzes, von Bildungs-, Kultur- und Freizeitangeboten sowie von Betreuungseinrichtungen für den Nachwuchs.

Nachlassender demografischer Druck entspannt Lage

Um all diese Veränderungen herbeizuführen ist jedoch nicht nur ein starker Wille gefragt, sondern auch eine Menge Geld erforderlich. Geld, das vielen Kommunen schlicht fehlt und die Unterstützung von Land und Bund erforderlich macht. Geld aber auch, das gut angelegt ist. Denn wenn es gelingt, das Leben in der Region attraktiv zu machen, wird es endlich auch wieder genug bezahlbaren Wohnraum für alle geben – und zwar nicht nur auf dem Land. Sondern auch in den Städten, wo es durch den nachlassenden demographischen Druck zu einer deutlichen Entspannung auf dem Wohnungsmarkt kommen dürfte, weil Vermieter nicht mehr in der Lage sind, die Preisspirale immer weiter nach oben zu drehen.

Ulrich Jehle ist Geschäftsführer der Real Estate & Asset Beteiligungs GmbH.

Foto: Rea Beteiligungs GmbH

Ihre Meinung



 

Versicherungen

‘Spiegel’: Hunderttausende Rentner verzichten auf Grundsicherung

Viele Rentner mit wenig Geld verzichten nach einem “Spiegel”-Bericht auf staatliche Unterstützung, die ihnen zustünde. Von deutlich mehr als einer Million Senioren, die Anspruch auf die sogenannte Grundsicherung im Alter hätten, bezögen nur 566 000 diese Leistung, berichtet das Nachrichtenmagazin unter Berufung auf eine noch unveröffentlichte Untersuchung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW).

mehr ...

Immobilien

Wo eine Immobilienblase droht

München hat den am stärksten überbewerteten Immobilienmarkt weltweit – das hat eine aktuelle Studie der Schweizer Großbank UBS ergeben.

mehr ...

Investmentfonds

Die Folgen der Einhornplage

In den vergangenen Monaten haben sich sogenannte Value-Aktien im Vergleich zu Growth-Titeln dramatisch schwach entwickelt. Die Gründe und wie es weitergeht.

mehr ...

Berater

Financial Modeling für Start-ups: Erfolg bei Finanzierungsrunden

Zu den kritischen Erfolgstreibern bei Start-ups zählen nicht nur bahnbrechende Ideen und innovative Produkte, sondern auch ein solides umfassendes Konzept – der Business Plan. Er wird regelmäßig in einem Finanzmodell in Excel zusammengefasst und insbesondere bei Finanzierungsrunden von den potenziellen Investoren unter die Lupe genommen. Für ein zielführendes Pitch Deck oder für eine erfolgreiche Finanzierungsrunde sollte das Finanzmodell entsprechend der „goldenen Regeln” des Financial Modeling aufgebaut werden.

mehr ...

Sachwertanlagen

Vertriebsstart für Projekt “Pandion Midtown” in Berlin

Auf dem Areal des früheren „Böhmischen Brauhauses“ an der Landsberger Allee in Berlin-Friedrichshain sollen bis 2023 insgesamt 406 Eigentumswohnungen sowie 30 öffentlich geförderte Mietwohnungen entstehen. Darüber hinaus ist der Bau einer Kindertagesstätte geplant.

mehr ...

Recht

BGH soll Gebührenstreit um Paypal und Sofortüberweisung klären

Der Streit um die Rechtmäßigkeit von Gebühren für Paypal-Zahlungen und Sofortüberweisungen wird aller Voraussicht nach erst vom Bundesgerichtshof (BGH) endgültig geklärt werden.

mehr ...