Neuer Monat, neues Rekordtief: Bauzinsen fallen weiter

Das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist im zweiten Quartal 2019 um 0,1 Prozent gesunken: Damit landet die Bundesrepublik im ökonomischen Vergleich mit den Euro-Staaten auf dem hintersten Rang – knapp hinter dem hochverschuldeten und von politischen Konflikten gezeichneten Italien.  Der Grund für die schwache Wirtschaftsleistung: Das deutsche Exportgeschäft leidet unter der schwächelnden Weltwirtschaft, dem Handelskonflikt zwischen den USA und China und dem drohenden Chaos durch einen No-Deal-Brexit.

„Hinzu kommt, dass die Automobilindustrie einen fundamentalen Wandel zu anderen Antriebstechniken und neuen Mobilitätskonzepten gestalten muss, um wettbewerbsfähig zu bleiben“, erklärt Michael Neumann und fügt hinzu: „Auch die Politik ist verantwortlich dafür, dass es hierzulande an Innovationen und Zukunftsinvestitionen in wichtigen Bereichen wie Bildung, Infrastruktur oder Wohnen mangelt. Der Reformstau der letzten Jahre sorgt für zunehmende Standortnachteile für Unternehmen.“

Sollte sich der Abwärtstrend des BIP im kommenden Quartal fortsetzen, würde Deutschland per definitionem in einer Rezession stecken. Michael Neumann hält dieses Szenario für wahrscheinlicher als eine positive Entwicklung: „Nicht nur die deutlich rückläufige Industrieproduktion wirkt sich negativ auf die deutsche Wirtschaft aus. Die angekündigten Stellenstreichungen bei einigen Großunternehmen wie ThyssenKrupp oder Bayer dämpfen darüber hinaus allmählich den Konsum, der aktuell die tragende Säule der Konjunktur ist.“

Inflation in der Eurozone: Weit, weit weg vom 2-Prozent-Ziel

Nachdem in der letzten EZB-Sitzung am 25. Juli keine weitere Lockerung der Geldpolitik beschlossen wurde, erwartet Michael Neumann von der kommenden Sitzung eine Entscheidung über konkrete Maßnahmen. Denn: Aktuell sieht es nicht danach aus, dass sich das konjunkturelle Umfeld in den kommenden Wochen entscheidend bessert.

Im Gegenteil: Der drohende Brexit wirft seine Schatten voraus und auch die gerade veröffentlichten Inflationsdaten dürften den Währungshütern nicht gefallen: Die Kerninflation in der Eurozone fiel auf 1,1 Prozent und entfernt sich damit im Vergleich zum Vormonat noch weiter von der 2-Prozent-Zielmarke.

Klar ist daher: Die EZB wird handeln und die europäische Wirtschaft durch zusätzliche geldpolitische Maßnahmen stützen. Welche Instrumente konkret zum Einsatz kommen, ist hingegen offen. „Ich rechne im September eher mit einer Wiederaufnahme der Anleihekäufe oder mit einer weiteren Senkung des Einlagezinsen für Banken, als mit einer Leitzinssenkung in den negativen Bereich“, so die Prognose Michael Neumanns.

 USA: die Unberechenbarkeit des Donald Trump 

Der Handelskonflikt mit China spitzte sich Anfang August zunächst zu, als die chinesische Währung Yuan deutlich gegenüber dem Dollar abwertete. Kurz darauf folgte allerdings die Nachricht, dass Trump einen Teil der Strafzölle auf Mitte Dezember verschiebt und von „sehr produktiven“ Gesprächen mit China sprach.

„Trump bleibt unberechenbar. Mit der Entscheidung, die für September angekündigten Zölle auf Mitte Dezember zu verschieben, um amerikanische Weihnachtseinkäufe nicht zusätzlich zu verteuern, hat er indirekt zugegeben, dass das amerikanische Volk seine Eskalationspolitik letztlich zu zahlen hat“, erklärt Michael Neumann und prognostiziert: „Je näher die Wahl im nächsten Jahr rückt, umso wichtiger wird es Trump werden, den Handelskonflikt zu einem Abschluss zu bringen und einen Deal präsentieren zu können.“

 

Seite 2: Warum die Bauzinsen im freien Fall sind

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