Über sozialen Frieden und heilige Kühe: München diskutiert über Lösungen für das Wohnproblem

Zudem kritisierte er die Analysemethode: „Da kauft die Stadt ein Haus und fragt nicht danach, ob die Mieter, die darin leben, überhaupt bedürftig sind. Viele können sich die Miete nämlich tatsächlich leisten.“

Es gibt auch Nachteile

Alternativ plädiert Aigner für eine Subjekt- statt Objektförderung. „Man muss sich den einzelnen Menschen anschauen, ob er Hilfe braucht. Und nicht pauschal Gebiete oder Objekte schützen und fördern.“ Zurek verteidigte die Regelung und wies darauf hin, dass die Stadt die aus dem Vorkaufsrecht erworbenen Objekte nicht mehr reprivatisiert müsse, sondern auf die städtischen Wohngesellschaften übertragen könne.

Frank, die selber als Mieterin in solch einem Erhaltungssatzungsgebiet lebt, zeigte sich gespalten. Es habe auch Nachteile, als Mieter in solch einem Haus zu leben: Derzeit leide sie selbst unter einem Loch in der Wand, um das sich aktuell niemand kümmere. Dennoch „macht es auf lange Sicht schon Sinn, Grundstücke auf diese Weise zu erwerben.“

Was denn die Stadt mit den gekauften Liegenschaften mache, die sie qua Vorkaufsrecht erwerbe, lautete eine Publikumsfrage. „Sie werden in die langfristige Stadtplanung miteinbezogen“, gab Frank zur Antwort. „Das braucht jedoch Zeit. Da es sich meist um schwierige Grundstücke handelt, ist die Ausführung komplex.“

Gefährdung des sozialen Friedens

Immer wieder ging die Diskussion auch über die Fragestellung der Veranstaltung hinaus und berührte gesellschaftliche Aspekte. So sieht Zurek eine zunehmende Entsolidarisierung der Stadtbewohner: „Die, die hier sind, wollen, das alles so bleibt, wie es ist und dass keiner mehr hinzukommt.“ Auch Aigner sieht ähnliche Probleme.

„In München gibt es keine Mehrheiten für Veränderungen, sondern für Verhinderungen“. Zudem bedauerte er die zunehmende Verschärfung im Ton zwischen Mieter und Vermieter. „Das gefährdet den sozialen Frieden.“ Durch die Veranstaltung führte Walter Hornauer, Fachanwalt für Bau- und Architektenrecht der Kanzlei Burger & Meyer-Gutknecht.

Im Herbst 2019 geht die Veranstaltungsreihe münchner immobilien fokus in eine neue Runde. Der genaue Termin sowie das Thema werden rechtzeitig bekannt gegeben.

 

Foto: Shutterstock

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