Warum der Mietendeckel Mietern nicht hilft

Der Berliner Senat will den sogenannten Mietendeckel einführen, die Bestandsmieten also für fünf Jahre einfrieren. Es soll eine Antwort auf die kräftigen Mietpreissteigerungen der vergangenen Jahre sein, die vielen Berlinern zu schaffen machen – 84 % der Berliner Haushalte leben zur Miete. Ein Kommentar von Nedeljko Prodanovic, Geschäftsführer Stonehedge, zum Mietdeckel

Nedeljko Prodanovic, Geschäftsführer Stonehedge

Auch Bremen diskutiert inzwischen den Mietendeckel, und in Bayern wurde im April ein entsprechendes Volksbegehren gestartet. Dabei ist das Instrument umstritten, insbesondere bei Wohneigentümern und Investoren. Doch auch aus Mietersicht ist der Mietendeckel fragwürdig, denn am Ende wird dieser genau jenen nicht helfen, für die er eigentlich gemacht ist, nämlich finanziell schwächeren Haushalten.

Dafür, dass der Mietendeckel nicht funktionieren kann, um die wohnungspolitischen Ziele zu erfüllen, sprechen acht Gründe:

1. Durch die Maßnahme wird der Zuzug nach Berlin zusätzlich stimuliert. Während aktuell viele ins Umland oder in andere Großstädte ausweichen, weil sie sich der Situation auf dem Berliner Wohnungsmarkt nicht aussetzen können, gewinnt der Mietmarkt in der Bundeshauptstadt nun scheinbar an neuer Attraktivität. Die Wohnungsnachfrage wird dadurch noch größer, was zu einer steigenden Marktanspannung führt.

2. Besserverdienende Haushalte können sich aufgrund des geringeren Mietpreises mehr Wohnfläche leisten und werden diese auch nachfragen, also beispielsweise eine Wohnung mit 100 qm statt 80 qm anmieten – selbst wenn sie die zusätzliche Fläche nicht unbedingt benötigen. Sie nehmen damit Wohnfläche vom Markt, die anderen Haushalten fehlt.

Profitiert hier am Ende nur der Starke?

3. Der Zugang zum Wohnungsmarkt wird für finanziell schwächere Haushalte nicht erleichtert, weil sich Vermieter tendenziell für die Mieter mit der höchsten Kaufkraft entscheiden werden.

4. Die bisher genannten Gründe zeigen, dass der Mietendeckel keine zielgenaue, sondern eine pauschale Maßnahme darstellt. Das bedeutet, dass er sowohl finanziell schwächere als auch finanziell stärkere Haushalte subventioniert. Das ist sozial ungerecht und widerspricht den eigentlichen Zielen des Mietendeckels.

 

Seite 2: Lesen Sie die weiteren vier Gründe, die gegen den Mietdeckel sprechen

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