„Wohnungsnot gibt es nicht!“

In Berichten über die Situation auf den Wohnungsmärkten in den deutschen Städten wird diese immer wieder als Wohnungsnot bezeichnet. Jedoch stellt sich heute die Lage deutlich anders und differenzierter da. Ein Beitrag von Dr. Günter Vornholz, Prof. für Immobilienökonomie an der EBZ Business School in Boch.

 

Wohnungsnot in der Zeit nach dem II. Weltkrieg

Nach Ende des II. Weltkriegs herrschte in den westlichen Besatzungszonen eine enorme Wohnungsnot. 2,3 Millionen der 1939 vorhandenen 11 Millionen Wohnungen wurden im II. Weltkrieg durch Bombenangriffe zerstört. Nochmals genauso viele Wohnungen waren erheblich beschädigt und konnten teils nicht mehr genutzt werden. Daher fehlten mehrere Millionen Wohnungen und es gibt nicht nur einen rechnerischen Bedarf wie heute.

In den ersten Jahren der Nachkriegszeit wurde die Wohnungsnot noch weiter verschärft. Zum einen, weil Millionen ehemalige Soldaten aus dem Krieg heimkehrten. Zum anderen, weil Flüchtlinge aus den ehemals deutschen Ostgebieten in den Westen zogen. Viele Obdachlose kamen nur bei Freunden oder Verwandten unter. Andere harrten in den Ruinen aus, da aber häufig schwer beschädigte Wohnhäuser zusammenstürzten wurde dies verboten. Die Belegungsdichte verdoppelt sich beinahe innerhalb weniger Jahre von ungefähr 3,6 auf 6,0Personen pro Wohnung.

Amtliche Schätzungen gehen davon aus, dass es in den drei Westzonen1946 rund13,7 Millionen Haushalte und 8,2 Millionen Wohnungseinheiten gab. So fehlten kriegs-und migrationsbedingt etwa 5,5 Millionen Wohnungen. Diese Situation der Wohnungsnot nach 1945 ist überhaupt nicht vergleichbar mit heute, wo eher von Wohnungsknappheit und Anlagenotstand gesprochen werden sollte.

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