17. Juli 2019, 11:24
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Zinsen, Einzelhandel und Polarisierung prägen den britischen und europäischen Immobiliensektor

Investoren sind zunehmend besorgt über eine wirtschaftliche Abkühlung und deren Folgen. Dies ist zum Teil auf politische Ereignisse wie den Brexit, die Gelbwestenbewegung in Frankreich, den Populismus in Italien und die katalanische Unabhängigkeitsbestrebung zurückzuführen, die allesamt die Nachfrage belasten können. Ein Kommentar von Jonathan Bayfield Senior Research Analyst, Global Real Estate und Vivienne Bolla (Analyst, Real Estate Investment Strategy and Research) bei Aviva Investors.

Aviva Investors Jonathan Bayfield in Zinsen, Einzelhandel und Polarisierung prägen den britischen und europäischen Immobiliensektor

Vor diesem Hintergrund stellten die Wahlen zum Europäischen Parlament vom 23. bis 26. Mai ein großes Risiko dar, da Populisten in einigen Ländern erhebliche Zugewinne verzeichneten. Sie erhielten jedoch nicht genügend Stimmen für ein entscheidendes Mitspracherecht bei der zukünftigen Ausrichtung Europas, was den Investoren eine gewisse Verschnaufpause verschaffte.

Positive Entwicklung in eigene Ländern unterstützen Aktivitäten

Trotz einer weiteren Verschlechterung des Wirtschaftsklimas war die Aktivität in Europa im ersten Quartal überraschend positiv. Die gute Entwicklung in Spanien und Frankreich sowie eine Rückkehr zum Wachstum in Deutschland und Italien unterstützten dies, was in einer anhaltenden Nachfrage nach Immobilienwerten resultieren dürfte.

Vor diesem Hintergrund umfasst unser Basisszenario eher eine wirtschaftliche Abkühlung als eine Rezession und unterstützt drei wichtige Trends für britische und kontinentaleuropäische Immobilien.

1. Niedrigere Zinsen verlängern den Zyklus

Ende letzten Jahres gingen wir von steigenden Zinsen und infolgedessen von einer gedämpften Nachfrage nach Immobilien aus. Aus Sorge vor einer möglichen Konjunkturabkühlung wurden die Zinserhöhungen jedoch auf Eis gelegt. Für Investoren bedeuten niedrigere Zinsen einen längeren Immobilienzyklus: Selbst auf dem derzeitigen Niveau erzielen Immobilienwerte höhere Renditen als Staatsanleihen.

Im April lag die Marktprognose für die Rendite 10-jähriger deutscher Staatsanleihen im Jahr 2020 bei 0,1 Prozent, verglichen mit unserer Annahme einer entsprechenden Rendite von 3,2 Prozent für den Europe (ex UK) All Property Index. Ebenso betrug die Marktprognose für Renditen zehnjähriger britischer Gilts im Jahr 2020 1,6 Prozent, verglichen mit unserer Annahme einer entsprechenden Rendite von 5,5 Prozent für den UK All Property Index.

Immobilienwerte bleiben auch im Vergleich zu anderen ertragsgenerierenden Anlageklassen wie Investment-Grade- und High-Yield-Unternehmensanleihen attraktiv. Und obwohl wir von niedrigeren Renditen in Großbritannien und Kontinentaleuropa ausgehen, dürften diese verglichen zu anderen Regionen dennoch gut abschneiden.

Niedrige Zinsen erlauben in unterschiedlichen Märkten positive Gesamtrenditen

Dank niedrigerer Zinsen können Investoren jetzt in mehreren Märkten in Großbritannien und Europa positive Gesamtrenditen erzielen (siehe Abbildung anbei). In dem von einem mittleren zyklischen Risiko geprägten Umfeld scheinen London und Manchester besser positioniert zu sein als viele andere europäische Städte.

Dies liegt vor allem daran, dass das Preiswachstum nach dem britischen Brexit-Referendum im Jahr 2016 pausierte und den beiden Städten einen Wettbewerbsvorteil verschaffte. Wir gehen auch in Deutschland und den Niederlanden von einem starken Wohneigentumsmarkt aus, vor allem im Büroimmobilien- und Logistiksektor.

In dieser Phase des Zyklus können Schuldtitel für Investoren eher geeignet sein als Aktien. Wir erwarten für die nächsten fünf Jahre ein unterschiedliches negatives Miet- und Kapitalwachstum in verschiedenen Sektoren in Großbritannien, von Einkaufszentren bis hin zu Einzelhandelsgeschäften in Klein- und Großstädten.

Im übrigen Europa verzeichnen die Miet- und Kapitalwachstumswerte eine positivere Entwicklung. Wir verfolgen eine defensive Positionierung, indem wir uns auf ertragsgenerierende Strategien konzentrieren und allgemein unser Engagement dort verringern, wo das Risiko nicht wesentlich zurückgegangen ist.

2. Europäischer Einzelhandel ist Gegenwind ausgesetzt

Der Einzelhandel sieht sich weiterhin mit Herausforderungen konfrontiert, vom strukturellen Wandel bis hin zum Online-Shopping. Bisher war Großbritannien am stärksten betroffen, da dort der E-Commerce am stärksten entwickelt ist. Weitere europäische Volkswirtschaften sollten nachziehen.

In den letzten Jahren haben robuste Arbeitsmarktbedingungen und ein moderates Wirtschaftswachstum die Nachfrage nach Einzelhandelsimmobilien in Kontinentaleuropa gestützt und zu einem nachhaltigen Mietwachstum für Investoren geführt. Da sich das Wachstum der Umsätze im stationären Einzelhandelsgeschäft jedoch abschwächt, rechnen wir mit einem moderateren Mietwachstum. Investoren sollten daher vorsichtig agieren.

 

Seite 2: Warum Immobilienmärkte eine zunehmende Polarisierung erleben

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