Zinssicherung oder Renditefalle? Geschäft mit Bausparverträgen wächst

In der gesamten Branche beobachten die Anbieter dabei, dass Bausparverträge mit höheren Darlehenssummen abgeschlossen werden. Bei Schwäbisch Hall sind es im Schnitt 56.000 Euro, bei den zum Sparkassenverbund gehörenden Landesbausparkassen rund 50.000 Euro.

„Wir stellen fest, dass die Leute schon die Finanzierung im Blick haben“, sagt eine Sprecherin des Verbands der Landesbausparkassen. Die Bausparverträge werden also nicht mehr nur im Jugendalter abgeschlossen, um irgendwann einen Kredit zu finanzieren, sondern schon, um sich Zinsen für einen Immobilienkauf zu sichern.

Grundsätzlich haben Sparer nach Zuteilungsreife aber zehn Jahre Zeit, ein Darlehen aufzunehmen. Eine Herausforderung für die Bausparkassen, denn dass die Zinsen auf so lange Zeit niedrig bleiben, hofft niemand. Schwäbisch-Hall-Chef Klein etwa rechnet in drei bis fünf Jahren mit einem Anstieg.

Verbraucherschützer Nauhauser sieht den Trend kritisch: Für höhere Bausparsummen würden auch höhere Provisionen fällig. „Deshalb sehen wir immer wieder auch Bausparverträge, die nicht bedarfsgerecht sind oder rein rechnerisch aufgrund der viel zu hohen Bausparsumme erst in Jahrzehnten zuteilungsreif würden“, sagt er. Zögen die Zinsen an, könnte die Nachfrage nach Bauspardarlehen zunehmen – mit ernsthaften Konsequenzen.

Eine solche Situation habe es schon einmal gegeben. „So ist etwa die Vereinigte Bausparkasse Bielefeld/Hannover 1971 an einem zu großen Bestand an sogenannten Schnellsparern pleitegegangen.“ Das Geld der Bausparer sei damals nicht in Gefahr gewesen, allerdings fehlte für die vereinbarten zinsgünstigen Darlehen das Geld.

 

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