Hypothekenzinsen: Sorgt die EZB für geldpolitische Überraschungen?

Vor den ersten Zinssitzungen von EZB und Fed im neuen Jahr herrscht bei den Notenbanken und den Zinsmarktexperten noch Ruhe. Die Baufinanzierungszinsen bewegten sich nach der Erholung vom Allzeittief zuletzt hauptsächlich seitwärts. Bewegung könnte die EZB verursachen.

Der geldpolitische Rat der EZB wird sich erst in dieser Woche zu einer ersten Sitzung zusammensetzen. Im Vorfeld bleiben der angekündigte ausführliche Strategiecheck sowie dessen mögliche Konsequenzen für die Notenbankpolitik Thema. Außerdem hat der Markt mit Interesse aufgenommen, dass sich die neue Präsidentin Christine Lagarde selbst weder als Taube noch als Falke einordnet und sie die Maßnahmen, die die EZB in ihren jüngsten Krisenzeiten eingesetzt hat – inklusive der umstrittenen Anleihenkaufprogramme – im Nachhinein positiv bewertet.

„In einem von der EZB veröffentlichten Interview bezeichnete Christine Lagarde mögliche Handelsschwächen als größte Bedrohung für die Eurozone in diesem Jahr“, kommentiert Jörg Haffner, Geschäftsführer der Qualitypool GmbH. „Den endgültigen Ausstieg Großbritanniens aus der EU, der nun bis Ende Januar erfolgen wird, bewertet sie einerseits positiv, da dies eine Unsicherheit weniger bedeute. Die größte Herausforderung steht für Lagarde mit der Vereinbarung eines entsprechenden Handelsdeals zwischen Großbritannien und der EU aber noch bevor. Der Brexit wird sie bzw. die EZB entsprechend 2020 massiv beschäftigen.“

Fed: Protokolle signalisieren keine Zinsanpassungen

Auch der Fed bleiben einige Tage Zeit bis zur ersten Zinssitzung in der nächsten Woche. Die Ausgangslage des Gremiums scheint entspannt: Gemäß der jüngsten Fed-Protokolle rechnet eine deutliche Mehrheit der US-Notenbanker damit, dass der Leitzins im gesamten Jahr nicht angepasst werden wird. Im Vorjahr hatte die Fed den Leitzins insgesamt dreimal gesenkt.

„Mit der Tötung des iranischen Generals Soleimani auf Weisung der US-Regierung ist ein weiterer Unsicherheitsfaktor für die wirtschaftliche Entwicklung hinzugekommen“, ergänzt Haffner. „Es wird befürchtet, dass der politische Konflikt zwischen den USA und dem Iran eskalieren könnte, inklusive direkter wirtschaftlicher Auswirkungen auf die Ölversorgung und entsprechend den Ölpreis.“

Bestzinsen für Baufinanzierungen – aktuelle Entwicklung und Ausblick

Die Bestzinsen für Baufinanzierungen zeigten zuletzt nur minimale Aufwärtstendenzen: Die 10-jährigen Zinsbindungen verharrten im Dezember bei 0,61% und stiegen Anfang Januar leicht auf 0,69%, die 15-jährigen Zinsbindungen verzeichneten einen sehr leichten Anstieg im Dezember von 0,95 auf 0,97%.

„Nach deutlicheren Anstiegen im November haben sich die Finanzierungszinsen im Dezember kaum weiterbewegt. Das ist keine Überraschung und hauptsächlich auf die Feiertagspause zurückzuführen. Darüber hinaus scheint die Fed ihr Feld für 2020 bereits bestellt zu haben. Wenn es so bleibt, sind von der US-Notenbank kaum Impulse zu erwarten. Vielmehr hat es den Anschein, dass die EZB – im Rahmen ihrer limitierten Möglichkeiten – unter Christine Lagarde in diesem Jahr für geldpolitische Überraschungen sorgen könnte. Die Erfahrung der letzten Jahre zeigt aber auch, dass neue Risikofaktoren, z. B. geopolitische Konflikte, schlagartig auftreten können und die Ausgangslage für die Notenbanken in Windeseile verändern. Aktuell rechnen wir für die kommenden Monate mit anhaltend sehr niedrigen Baufinanzierungszinsen. Zusätzlich dazu schaffen unsere Produktpartner mit Sonderaktionen und einer Erweiterung des Angebots, etwa mit langen Zinsbindungen, attraktive Impulse für Finanzierungskunden.“

Foto: Shutterstock

 

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