Dexia-Marktausblick: Weltwirtschaftswachstum in Gefahr

Ein weiter ansteigender Erdölpreis und eine weiterhin zurückhaltende Kreditvergabepolitik der Finanzindustrie könnten das Weltwirtschaftswachstum stark beeinträchtigen. Zu dieser Einschätzung gelangt Anton Brender, Chief Economist bei Dexia Asset Management, der zentralen Vermögensverwaltung des internationalen Finanzkonzerns Dexia, Brüssel.

Die Weltkonjunktur habe zuletzt bereits deutlich an Schwung verloren, allerdings seien die Befürchtungen vieler Experten noch nicht bestätigt worden, so Brender. In den Schwellenmärkten sei das Wachstum bislang ungebrochen stabil und auch im Euro-Raum habe sich die Wirtschaftstätigkeit positiv entwickelt. Trotz eines rückläufigen Wachstumstrends aufgrund schrumpfender Wohnbauinvestitionen und sinkenden Konsumausgaben sei der große Einbruch auch in den USA ausgeblieben.

USA: Abschwung und Stagnation wahrscheinlich

Das robuste Wachstum in der restlichen Welt habe den USA zu einem starken Exportanstieg verholfen, ein wesentlicher Faktor sei in diesem Zusammenhang auch die anhaltende Dollarschwäche. Über die nächsten Monate werde die US-Konjunktur durch die jüngsten wirtschafts- und finanzpolitischen Anreize durch die US-Regierung und die Zentralbank Fed gestützt, ein weiteres Einbrechen des Konsums sei insofern nicht zu befürchten. Obwohl Brender den USA für 2009 ein Wachstum von fast zwei Prozent zutraut, bewertet er die gesamtwirtschaftliche Lage als fragil.

Grund dafür sei der US-Immobilienmarkt, der bei weiter sinkenden Preisen dafür sorge, dass Hypotheken von Haushalten nicht bezahlt werden können und so auf den Konsum drücke. Die Konsequenz – heftiger Abschwung und jahrelange Stagnation ? hält der Dexia-Ökonom derzeit für das wahrscheinlichste Szenario.

Euro-Zone: Robustes Wachstum unter Vorbehalt

Auch bei den Wachstumsaussichten im Euro-Raum ist Brender skeptisch. Zwar hätten sich die europäischen Märkte bis Frühjahr 2008 widerstandsfähig gegenüber den weltweiten Finanzmarkt-Turbulenzen gezeigt, inzwischen zeichne sich aber eine Trendwende ab. Die steigenden Rohstoffpreise würden die Kaufkraft der Haushalte mindern. Diese negativen Effekte auf das Konsumwachstum würden zwar weitgehend durch die wachsende Zahl neuer Arbeitsplätze aufgefangen, dennoch stellten sie mittelfristig ein Risiko dar.

Als Gefahr für das Wirtschaftswachstum in der Euro-Zone bezeichnet Brender neben der Entwicklung der Rohstoffpreise das finanzielle Umfeld. Für eine anhaltende restriktive Kreditvergabe der Banken sei Europa nicht gut gewappnet. Die geld- und haushaltspolitischen Spielräume seien begrenzt. Die EZB solle bei einem eventuellen inflationsbedingten Politikwechsel behutsam vorgehen. Der Dexia-Volkswirt rechnet für den Euro-Raum trotz dieser Vorbehalte mit einem Wachstum von nahezu zwei Prozent und zwar sowohl für 2008 wie für 2009. (hb)

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