27. Oktober 2009, 21:46
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Die richtige Wahl?

In der Vergangenheit habe es sich ohnehin meist gelohnt, Aufsteiger in den Dax zu veräußern, sagt Hansen. Bereits nach der Ankündigung des Segmentwechsels entsteht für gewöhnlich ein großer Hype, wenn die Gesellschaft in das Visier der Investoren gerät. Den resultierenden Aufwärtstrend der Aktie nimmt Hansen bei seinem Ausstieg gerne mit.

„Ich bin Stockpicker“, erklärt der Leiter des Adiselekt. Eine Sektorenbetrachtung allein bringe nicht viel, diene eher als Orientierung. Ausnahmen sieht Hansen dennoch, so spreche für den Gesundheitsbereich neben der demografischen Entwicklung auch die Konjunkturresistenz.

Seine Handschrift ist klar zu erkennen. Beide Hansen-Portfolios haben mit rund acht Prozent Finanzwerten ein nur halb so großes Exposure gegenüber Banken und Versicherungen wie viele ihrer Wettbewerber, die stärker auf Börsenschwergewichte setzen. Wert legt Hansen auf eine ausgewogene Allokation, in der auch die Themen Internet und Umwelttechnologie nicht zu kurz kommen.

Auf Jahressicht mussten aber auch die Portfolios des Vorzeigemanagers mit rund 17 Prozent Minus reichlich Federn lassen. Immerhin etwas weniger als der Vergleichsmarkt, aber circa doppelt so viel wie Heimatfonds mit Standardwerten. Zu Letzteren zählt etwa der von Bodo Orlowski geführte Hansasecur des Hamburger Anbieters Hansainvest, der ausschließlich in die 110 größten deutschen Unternehmen investiert. Mit konstanter Leistung konnten nur die gemischten Portfolios Walser German Select und mit Abstrichen Oppenheim DA überzeugen.

Börsenkurse zuletzt wow…

Dabei haben sich die Bullen hierzulande in den vergangenen Monaten schon wieder kräftig ausgetobt. Das Börsenbarometer Dax war der tatsächlichen Konjunkturentwicklung wohl um einiges vorausgeeilt. Seit seinen Tiefstständen im März dieses Jahres kletterte der deutsche Blue-Chip-Index um mehr als 50 Prozent nach oben. Erst hatte die Angst vor einer globalen Depression nachgelassen, dann der Konjunkturoptimismus die Akteure ergriffen.

Zwischendurch schien die Euphorie verflogen und die Hausse am Aktienmarkt zu erlahmen. Passend zur Bundestagswahl stoppte der Aufwärtstrend des Dax erst einmal bei rund 5.700 Punkten. Am Montag nach dem Urnengang feierte die Börse aber Schwarz-Gelb und sorgte beim Dax für einen kräftigen Tagesgewinn von knapp drei Prozent.

… Realwirtschaft mau

Die Stimmung ist dabei offensichtlich besser als die Lage. Die tatsächlichen ökonomischen Kennziffern strahlen wesentlich weniger Optimismus aus. Die Weltwirtschaftskrise hat im ersten Halbjahr 2009 den Exportweltmeister Deutschland massiv erwischt und die Ausfuhren um 24 Prozent gegenüber dem vergleichbaren Vorjahreszeitraum einbrechen lassen. Die Industrieproduktion lag ein ganzes Viertel unter den 2008er-Resultaten.

Viele Marktteilnehmer haben in den Sommermonaten aber immerhin Zeichen einer Erholung ausgemacht. Der Ifo-Geschäftsklimaindex stieg zuletzt wieder sechs Monate in Folge, im September allerdings langsamer als erwartet. Die Stimmung unter den befragten Managern ist damit zurück auf dem Stand von September 2008, bevor der Untergang der US-Investmentbank Lehman Brothers die Weltwirtschaft erschütterte. Die Einschätzungen sind nicht homogen: Während die Industrie darauf hofft, dass sich die Exporte erholen, trübt sich die Stimmung in der Baubranche trotz zusätzlicher staatlicher Infrastrukturmaßnahmen ein.

Sorgenkind Nummer eins bleibt der Arbeitsmarkt. „Es planen wieder mehr Unternehmen, ihre Mitarbeiterzahl zu reduzieren“, sagt Hans-Werner Sinn, Präsident des Ifo-Instituts mit Sitz in München. Noch immer schätze die überwiegende Zahl der Unternehmen ihre Lage als schlecht ein.

Auch das von der Gfk ermittelte Konsumklima fällt besser aus als die Einzelhandelsumsätze vermuten lassen. Woher stammt diese Diskrepanz? Für Eugen Keller, Investmentanalyst beim Frankfurter Bankhaus Metzler, liegt die Erklärung auf der Hand: „Es reicht ein Blick auf den Bundestagswahlkampf, wo Wahrheiten über die künftige Entwicklung der Staatsfinanzen einfach unter den Teppich gekehrt wurden.“ Wenigstens gäbe der eine oder andere Verbraucher, der angesichts von Notstandszinsen und horrend steigender Staatsschuld sein Interesse an langfristigen Kapitalanlagen vorerst verloren hat, zukünftig dem Konsum den Vorzug.

Unken wider den Aufschwung

Als größte Unke von allen hat sich seit Beginn der Finanzkrise aber Norbert Walter hervorgetan. Der Chefvolkswirt der Deutschen Bank prophezeite bereits vor rund einem Jahr einen Wirtschaftseinbruch von circa fünf Prozent. Die Kritiker, die ihn damals als Schwarzmaler beschimpft hatten, sind spätestens nach dem Eintreten seiner Vorhersage verstummt. Selbst nachdem die deutsche Wirtschaft im zweiten Quartal um 0,3 Prozent zugelegt hat, liegt das Bruttoinlandsprodukt noch immer 5,9 Prozent unter dem Vorjahresniveau.

Walter selbst wird nicht müde, ständig zu betonen, dass ein derartiges für Deutschland einmaliges Schrumpfen der Ökonomie nicht ohne Folgen bleiben und von Erholung daher noch keine Rede sein kann: „Wir bewegen uns aus dem Tal nur mit kleinen Schritten heraus. Der Mini-Aufschwung ist mit staatlichen Programmen wie der Abwrackprämie geborgt, die nun alle auslaufen.“

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