5. August 2010, 12:30
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

„Bei Bedarf kommt noch eine Schippe oben drauf“

Unsicherheit greift um sich, die Prognosen der Kapitalmarkt-Experten könnten kaum widersprüchlicher sein. Robert Halver, Leiter Kapitalmarktanalyse bei der Baader Bank und regelmäßiger Cash.-Kolumnist, klärt auf.
Robert-halver-teaser-Dc1348 in „Bei Bedarf kommt noch eine Schippe oben drauf“

Cash.: An den Kapitalmärkten weicht die Euphorie der Panik. Wie kommt’s?

Halver: Die sich bessernde Auftragslage der vergangenen Monate war zu großen Teilen dem Auffüllen der Lager und den staatlichen Konjunkturmaßnahmen geschuldet. Viele befürchten nun, dass dieser Elan wieder erlahmt und ein sich selbst tragender Aufschwung noch nicht da ist.

Cash.: Droht ein erneuter Abschwung?

Halver: Ich bin leicht optimistisch, dass es zu einer nachhaltigen Erholung ohne massiven Einbruch kommt. Die Zentralbanken werden ihre großzügige Geldversorgung beibehalten, womit sich jedes konjunkturelle Problem glatt-bügeln lässt. Einen Double Dip werden sie nicht zulassen, weil die Gefahr einer Deflation viel zu groß ist. Der Aufschwung wird weitergehen, aber sicherlich nicht so opulent wie in früheren Fällen. Und er wird differenzierter sein, ein Land wie Deutschland wird wesentlich stärker profitieren als andere. Der Konjunkturkuchen insgesamt wird zwar kleiner, dafür bekommen wir ein größeres Stück, da viele Aufträge nicht mehr in die Knoblauchzone, sondern zu uns wandern. Weil die Auftraggeber wissen, dass wir unsere Aufträge erfüllen, egal was noch passieren wird.

Cash.: Die Sparpakete bringen Sie auch nicht um den Schlaf?

Halver: Nein, das sind doch nur homöopathische Maßnahmen für die Bevölkerung. Tenor: „Wir tun etwas, um langfristig Stabilität zurückzubekommen!“ Die zusätzlichen Schulden, die wir jedes Jahr neu aufnehmen, sind nach wie vor immens und sprechen eine andere Sprache. Und sollte es tatsächlich nicht gut laufen, wird jeder Politiker, um den sozialen Frieden zu retten, auch noch einige Schippen, sprich Konjunkturprogramme,  oben drauf legen. Wir haben nur einen einzigen Schuss frei, die Konjunktur zu stabilisieren – der muss sitzen. Eine Deflation, einen Double Dip, können wir uns nicht leisten. Der wäre fatal, weil wir dann noch viel mehr Geld aufwenden müssten, um die Wirtschaft am Laufen zu halten.

Lesen Sie auf der zweiten Seite, ob Inflation droht und wie lange unsere Wirtschaft noch gestützt werden muss.

Weiter lesen: 1 2

Ihre Meinung



 

Versicherungen

Grauer Kapitalmarkt: Anbieter fischen in sozialen Medien

Über Facebook, Instagram & Co. bauen fragwürdige Unternehmen Kontakt zu jungen Interessenten auf und wollen sie für ihre Geldanlagen gewinnen. Die Marktwächter-Experten der Verbraucherzentrale Hessen stellten fest, dass die untersuchten Angebote undurchsichtig sind. Oft scheinen Schneeballsysteme dahinter zu stecken.

mehr ...

Immobilien

Trendbarometer 2019: Es wird nicht so gut bleiben, wie bislang

Der deutscher Gewerbeimmobilienmarkt ist im europäischen Vergleich attraktiv. Stagnierende Margen und die Neugeschäftsentwicklung zeichnen eine leichte Eintrübung. Deshalb rücken nun zunehmend mehr B-Städte in den Fokus. Welchen Einfluss zudem die Digitalisierung besitzt. 

mehr ...

Investmentfonds

Energiewende: Das ist jetzt von Vermögensverwaltern gefordert

Enormer Erfolg grüner Parteien bei den Wahlen zum Europaparlament oder auch die Fridays for Future-Bewegung – das Thema Klimawandel ist in aller Munde. Zugleich mehren sich die Rufe nach stärkeren politischen Maßnahmen. Ein Kommentar von Eva Cairns, ESG Investment Analyst bei Aberdeen Standard Investments.

mehr ...

Berater

Bundesrat billigt neue Regeln für Wertpapierhandel

Ab 21. Juli 2019 gilt europaweit die EU-Prospektverordnung. Sie soll für mehr Anlegerschutz sorgen: durch bessere Informationen bei Angebot und Zulassung im Wertpapierhandel an den Börsen. Die vom Bundestag dazu beschlossenen innerstaatlichen Änderungen hat der Bundesrat am 7. Juni 2019 abschließend gebilligt.

mehr ...

Sachwertanlagen

hep erwirbt ein zweites Solarprojekt in Japan

Der Publikumsfonds „HEP – Solar Portfolio 1“ erwirbt ein zweites Solarprojekt in Japan. Die Fertigstellung der Anlage soll Mitte 2020 stattfinden.

mehr ...

Recht

OLG Celle: Anlagevermittler muss Schadensersatz leisten

Ein Finanzanlagenvermittler ist aufgrund eines Prospektfehlers Schadensersatz pflichtig. Dies urteilt nun das Oberlandesgericht Celle in einem von der Kanzlei Aslanidis, Kress und Häcker-Hollmann geführten Verfahren. Was das Urteil für Andere bedeutet. 

mehr ...