China: Inflation kurz vor dem Umschwung

Da zurzeit alle Marktteilnehmer gebannt auf Griechenland schauen, bleibt eine sehr positive Entwicklung nahezu unbeachtet: wie China den Kampf gegen die Inflation gewinnt.

Gastkommentar: Rupert Watson, Skandia Investment Group (SIG)

Rupert Watson, SIG
Rupert Watson, SIG

Der chinesische Premierminister Wen Jiabao hat in einem Artikel in der Financial Times vom 24. Juni 2011 zu der herrschenden Unsicherheit bezüglich der Frage, ob China die Inflation eindämmen und trotzdem seine schnelle wirtschaftliche Entwicklung aufrechterhalten könne, Stellung genommen. Seine Antwort ist klar: „China hat dem Setzen von Obergrenzen für Preissteigerungen die höchste Priorität in der makroökonomischen Koordinierung eingeräumt. Wir haben zahlreiche darauf abgestimmte Maßnahmen ergriffen und damit Erfolge erzielt. Das allgemeine Preisniveau bewegt sich in einer kontrollierbaren Bandbreite und sollte jetzt kontinuierlich sinken.“

Aus den Bemerkungen des Premierministers lässt sich schließen, dass in China ein Ende der geldpolitischen Straffung bevorsteht. Chinesische Aktien sollten dadurch deutliche Unterstützung erhalten. Sie hatten sich im vergangenen Jahr aufgrund der Befürchtung, eine restriktivere Geldpolitik könne einen drastischen Konjunkturabschwung auslösen, unterdurchschnittlich entwickelt. Auch wenn die Inflationszahlen in China unter Umständen noch ein– oder zweimal anziehen, erwarten wir im zweiten Halbjahr eine Abkühlung der Preisentwicklung. Und obwohl die chinesische Produktion auf kurze Sicht möglicherweise rückläufig ist, sollte das Land eine harte Landung verhindern und im späteren Jahresverlauf wieder zulegen können. Bei sinkender Inflation und hohem Wirtschaftswachstum besteht die Möglichkeit, dass chinesische Aktien sich in der zweiten Jahreshälfte besser entwickeln als der restliche Markt – eventuell sogar erheblich.

Der Autor ist Head of Asset Allocation bei der SIG.

Foto: Skandia

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