Institutionelle Investoren: Euro überlebt

Die europäische Gemeinschaftswährung Euro wird nicht scheitern. Davon sind vier von fünf institutionellen Investoren in Europa überzeugt, wie eine aktuelle Studie von Allianz Global Investors zeigt.

Andreas Utermann, Allianz GI
Andreas Utermann, Allianz GI

Befragt wurden institutionelle Anlegern – mehrheitlich Pensionsfonds – in elf europäischen Ländern. Rund 80 Prozent erwarten ein Fortbestehen, nur knapp vier Prozent ein Scheitern der Gemeinschaftswährung.

Die Tochter des Allianz-Versicherungskonzerns interpretiert die rund 16 Prozent der Befragten, die unentschieden sind, als Zeichen für eine große Unsicherheit unter den Profianlegern.

Das Thema Umschuldung ist kein Tabu mehr: Knapp zehn Prozent der Umfrageteilnehmer halten einen Schuldenschnitt in einigen Ländern der Euroland-Peripherie für möglich. Allianz Global Investors (AGI) selbst hält dagegen einen Zahlungsausfall Griechenlands oder eine Umstrukturierung der griechischen Staatsschulden vor dem Jahr 2013 für unwahrscheinlich.

Schockwellen sollen vermieden werden

„Wie das jüngste Rettungspaket für Portugal gezeigt hat, versuchen die politischen Entscheidungsträger in Europa die Schockwellen eines Zahlungsausfalls zu vermeiden, um die Erholung des europäischen Bankensektors nicht zu gefährden, so die Experten der Fondsgesellschaften“, sagt AGI-Geschäftsführer und Aktienchef Andreas Utermann: „Zwar ist der für eine Stabilisierung der Staatsschulden notwendige Primärüberschuss von rund acht Prozent des Bruttoinlandsprodukts für Griechenland ein äußerst ambitioniertes Ziel. Die politischen Entscheidungsträger werden allerdings versuchen, Zeit zu gewinnen, damit der Finanzsektor seine Bilanzen und Griechenland seinen Primärhaushalt weiter verbessern kann.“

Die Europäische Zentralbank habe mehrfach darauf hingewiesen, dass eine übereilte Umschuldung zu einer erneuten Finanzkrise führen könnte, weil die Banken – vor allem in Griechenland selbst – aufgrund des Abschreibungsbedarfs auf die von ihnen gehaltenen Zinspapiere stark getroffen würden. Darüber hinaus würde eine Umschuldung von den Märkten nicht als glaubhaft angesehen, solange Griechenland keine Primärüberschüsse erzielt, und aktuell sei dies noch nicht der Fall, so Utermann.

Kleine Schritte verbilligen Rettung

Stattdessen erwartet der AGI-Geschäftsführer „kleine Schritte: Dies kann etwa eine Reduktion der Zinssätze für den Rettungsfonds sowie eine Verlängerung der Laufzeiten sein, um die Kosten einer Rettung zu verringern. Derartige Maßnahmen könnten sogar auf freiwilliger Basis stattfinden.“

Weitere Umfrageergebnisse: Die Befragten halten eine fortschreitende wirtschaftliche und politische Integration in der Eurozone für wahrscheinlich. Darüber hinaus erwarten viele eine strengere Regulierung sowie eine stärker zentralisierte Fiskalpolitik, was mit einem Zuwachs der Kompetenzen und Verantwortlichkeiten der Europäischen Zentralbank verbunden sein könnte.

Die Studie wurde unter mehr als 150 institutionellen Investoren in Europa durchgeführt, die Gelder in Höhe von insgesamt rund 990 Milliarden Euro verwalten. (mr)

Foto: Shutterstock

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