31. März 2011, 11:09
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Poker nicht gegen Fed & Co.

Die Halver-Kolumne

Mit der derzeit breiten Palette an normalerweise unvorhersehbaren Risiken hätte man früher ganze Kalenderjahre mit Negativschlagzeilen bestückt. Heutzutage schüttet sich das Krisenfüllhorn auf einmal schlagartig aus.

Robert-Halverkolumne-127x150 in Poker nicht gegen Fed & Co.

Cash.-Kolumnist Robert Halver

In diesen Tagen mangelt es nun wirklich nicht an Pleiten, Pech und Pannen. Da haben wir zunächst die Katastrophe in Japan und die Konflikte im arabischen Raum. Daneben setzt sich in Euroland das Familiendrama mit den neuerlichen Bonitätsherabstufungen von Onkel Aristoteles aus Athen und Tante Fernanda aus Portugal fort.

Auch Onkel Patrick aus Dublin zickt schon wieder. Brisant ist auch der Wettbewerb DSSDS – Die Staaten suchen den Schuldenkönig – sowie nicht zuletzt ein Inflationsdruck, der nur noch von Käufern von Röhren-Fernsehern geleugnet wird. Und mit der deutschen Industriebrille auf der Nase stellt sich so mancher auch die Frage: Wer hat Angst vorm schwarzen (Kretsch)Mann?

Liquiditätsschock bleibt aus

Müsste sich diese Palette an Krisen nicht auch an den Kapitalmärkten negativ bemerkbar machen? Im Prinzip ja. So wird Japan ein historisch einmaliges Wiederaufbauprogramm von über 300 Milliarden Dollar stemmen müssen. Da Nippon bereits bis zur Oberkante der Unterlippe verschuldet ist, lässt sich diese Neuverschuldung mit Bordmitteln eigentlich kaum mehr bewerkstelligen. Es ist faszinierend: Im Vergleich ist Griechenland der Fahnenträger der Stabilität. Unter normalen Bedingungen müsste Japan seine umfangreichen Auslandsguthaben auflösen. Aber genau dieser Liquiditätsschock für die Märkte findet offensichtlich nicht statt.

Und haben früher gestiegene Ölpreise – wie heute wegen Libyen – normalerweise nicht immer ihren Tribut an den Aktienmärkten gefordert? Ja, haben sie, denn damals hieß die Wirkungskette: Höhere Ölpreise gestern = Gefahr eines höheren Preisdrucks morgen = inflationspräventive Geldverknappung heute = schwache Aktienkurse bis übermorgen. Das heute von heute ist nicht mehr das heute von gestern.

Tauben im Schwarm

Neue schöne Finanzwelt. Welchem guten Geist haben wir diesen anormalen Umstand zu verdanken? Es ist nicht mehr nur die US-Notenbank allein, die mit antiautoritärer Liquiditätspolitik alle Finanzsysteme schmiert. Denn die Notenbanken in London, Frankfurt und Tokio haben erkannt: Von der Fed lernen, heißt siegen lernen!

So hat die japanische Notenbank zügig erkannt, dass man mit dem Ankauf von Staatsanleihen und auch Aktien zumindest die Stimmung an den Finanzmärkten hebt. Die englische Notenbank setzt dem fiskalpolitischen Diätplan ihren prall gefüllten Freitisch entgegen. Und auch die EZB hält die Euro-Familie bei Laune und zusammen wie der Schäfer seine Schafe. Die Notenbanken der Welt sind zu einer Bruderschaft des Frohsinns geworden, die den Trübsinn der Finanzwelt schlicht und ergreifend in Liquidität ersäuft.

Diese Botschaft ist bei den Anlegern angekommen. Wer würde es jetzt noch wagen, gegen dieses Geldkartell zu pokern, das mit viel Schmackes auf steigende Kurse setzt? Schließlich weiß man doch, wer das beste Blatt hat.

Robert Halver leitet die Kapitalmarktanalyse bei der Baader Bank. Mit Wertpapieranalyse und Anlagestrategien beschäftigt er sich seit Abschluss seines betriebswirtschaftlichen Studiums 1990. Halver verfügt über langjährige Erfahrung als Kapitalmarkt- und Börsenkommentator und ist durch regelmäßige Medienauftritte bei Fernseh- und Radiostationen, auf Fachveranstaltungen und Anlegermessen sowie durch Fachpublikationen präsent.


Weitere Kolumnen von Robert Halver:

Es war einmal die schöne heile Analystenwelt

Unter Blinden ist der Einäugige König

Mit der Fed ist das ganze Jahr Weihnachten

Stabilitätspakt stand drauf, Transferunion wird drin sein

Das Pippi-Langstrumpf-Prinzip in der Finanz- und Geldpolitik

Die Aktie: Das Ende einer Ära?

Das Ende des klassischen Konjunkturzyklus

Wann wird’s mal wieder richtig stabil?

Blaue Pillen für die Inflation!

Politische Börsen oder denn sie wissen nicht, was sie tun!

Unser täglich Griechenland gib uns heute. Was kommt morgen?

Verunsicherte Anleger: Angst ist ein schlechter Ratgeber!

Sind Substanzaktien die stabileren Staatsanleihen?

Probleme in Griechenland? Es geht um ganz Euroland!

Exit-Strategie oder das Warten auf „Cashing Bull“

Der richtige Umgang mit Blasenproblemen

Staatsverschuldung – Nie war sie so wertvoll wie heute!

Foto: Baader Bank

3 Kommentare

  1. […] post: Die Halver-Kolumne: Poker nicht gegen Fed & Co. – Cash.Online … Categories : Poker Welt Tags : ganze, kalenderjahre, negativschlagzeilen, nicht-gegen, […]

    Pingback von Die Halver-Kolumne: Poker nicht gegen Fed & Co. - Cash.Online … | Poker kostenlos — 1. April 2011 @ 02:08

  2. […] Die Halver-Kolumne: Poker nicht gegen Fed & Co.cash-online.deMit der derzeit breiten Palette an normalerweise unvorhersehbaren Risiken hätte man früher ganze Kalenderjahre mit Negativschlagzeilen bestückt. Heutzutage schüttet sich das Krisenfüllhorn auf einmal schlagartig aus. In diesen Tagen mangelt es nun … […]

    Pingback von Casino Online Poker News » Blog Archive » Die Halver-Kolumne: Poker nicht gegen Fed & Co. - cash-online.de — 31. März 2011 @ 15:27

  3. […] Poker nicht gegen Fed & Co.cash-online.deDie Halver-Kolumne Mit der derzeit breiten Palette an normalerweise unvorhersehbaren Risiken hätte man früher ganze Kalenderjahre mit Negativschlagzeilen bestückt. Heutzutage schüttet sich das Krisenfüllhorn auf einmal schlagartig aus. … […]

    Pingback von Casino Online Poker News » Blog Archive » Poker nicht gegen Fed & Co. - cash-online.de — 31. März 2011 @ 13:52

Ihre Meinung



 

Versicherungen

Allianz-Chef Bäte in Davos: Regierungen haben beim Klimaschutz Anschluss verloren

Allianz-Vorstandschef Oliver Bäte hat die Politik in ihren Bemühungen um den Klimaschutz deutlich kritisiert. Die Wirtschaft gebe bei dem Thema den Ton an, nicht die Politik. Die habe vielmehr den Anschluss.

mehr ...

Immobilien

Kanam-Fonds erwirbt weitere Immobilie in München

Der offene Fonds Leading Cities Invest hat Ende 2019 im Münchener Osten eine weitere Immobilie erworben. Das Multi-Tenant-Objekt mit insgesamt 17 Mietern liegt unweit des Verlagshauses der Süddeutschen Zeitung in der Kastenbauerstraße im Stadtteil Bogenhausen-Zamdorf und verfügt über 22.400 Quadratmeter.

mehr ...

Investmentfonds

Negativzinszahlungen an die EZB steigen auf 25 Milliarden Euro

Im vergangenen Oktober senkte die Europäische Zentralbank (EZB) den Einlagenzins für Banken auf -0,5 Prozent. Gleichzeitig führte sie durch eine Zinsstaffelung einen Freibetrag ein: Einlagenüberschüsse in Höhe der sechsfachen Mindestreserve, die die Banken als Pflichteinlage bei den nationalen Zentralbanken unterhalten müssen, werden vom Negativzins ausgenommen. Eine heute anlässlich des Weltwirtschaftsforums in Davos vorgestellte Analyse des Hamburger FinTech-Unternehmens Deposit Solutions legt nun erstmals dar, wie sich die geldpolitischen Änderungen der EZB auf die Negativzinszahlungen der Banken konkret auswirken.

mehr ...

Berater

Klick für Klick zum Hauskredit

Digitale Services im Internet wie Interhyp Home erlauben Kreditnehmern zunehmend, die eigene Finanzierung mitzugestalten. Das neu gelaunchte, interaktive Portal Interhyp Home werde mittlerweile von jedem dritten Baufinanzierungsinteressenten genutzt, berichtet Deutschlands größter Vermittler privater Baufinanzierungen Interhyp.

mehr ...

Sachwertanlagen

Immac bringt weiteren DFV-Hotelfonds

Nach der Vertriebsgenehmigung durch die Finanzaufsicht BaFin startet die Immac Immobilienfonds GmbH den Vertrieb des dreizehnten durch die HKA Hanseatische Kapitalverwaltung AG aufgelegten Publikums-AIF. Er investiert in zwei Hotels.

mehr ...

Recht

Zahl der Start-ups legt deutlich zu

Die Zahl der innovations- oder wachstumsorientierten jungen Unternehmen in Deutschland ist erneut gestiegen. Dies zeigt der neue KfW Start-up-Report, der die Zahl und Struktur von
innovations- oder wachstumsorientierten Unternehmen untersucht, die maximal 5 Jahre alt sind.

mehr ...