21. Juni 2011, 09:40
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VuV-Chef: “Unabhängige Fondsboutiquen bevorzugt”

Cash. sprach mit Günter T. Schlösser, jüngst als Vorstandsvorsitzender des Verbandes unabhängiger Vermögensverwalter (VuV) in seinem Amt bestätigt, über neue Fondskonzepte und die Herausforderungen der Branche.

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Günter Schlösser, VuV

Cash.: Anfang des Jahres hat der VuV eine allgemeingültige Definition für vermögensverwaltende Fonds angemahnt und angekündigt, mit unterschiedlichen Interessengruppen sprechen zu wollen. Wie weit ist der Prozess fortgeschritten?

Schlösser: Wir erörtern derzeit gemeinsam mit Vermögensverwaltern, Vertriebsgesellschaften und Ratingagenturen eine mögliche Klassifizierung der vermögensverwaltend gemanagten Fonds. Für Ende Mai hat der VuV eine interne Arbeitssitzung einberufen, die auf ein hohes Interesse der Mitglieder gestoßen ist. Bis zur Gruppierung und bestenfalls einem Gütesiegel wird es noch ein langer Weg sein, bei dem viel Überzeugungsarbeit in der Branche geleistet werden muss. Wir spüren allerdings ein hohes Interesse und Gesprächsbereitschaft auf allen Seiten.

Cash.: Inwieweit kann der VuV als Interessenvertretung der Vermögensverwalter eine solche Definition vorgeben?

Schlösser: Der VuV möchte vor allem eine Diskussion über geeignete Kriterien anstoßen. Dazu haben wir einen ersten Vorschlag zur Definition dieser Fondsklasse gemacht, den wir jetzt aktiv und gemeinsam mit anderen Parteien erörtern – übrigens auch mit Medienvertretern. Wir möchten in erster Linie eine allgemeinverbindliche Definition für die Anleger schaffen, um ihnen eine Orientierungshilfe zu geben. Denn schon jetzt sieht man, dass der Begriff „vermögensverwaltend“ von vielen Produktanbietern inflationär genutzt wird – möglicherweise auch aus Marketinggründen. Der Begriff „vermögensverwaltend“ ist sehr nahe an dem des Vermögensverwalters. Wir erleben immer wieder, dass das die Anleger irritiert. Auch eine Großbank kann einen vermögensverwaltenden Fonds anbieten ohne ein klassischer Vermögensverwalter zu sein. Als Interessenvertretung der unabhängigen Vermögensverwalter liegt uns viel daran, hier Klarheit zu schaffen.

Cash.: Sie kritisieren zu Recht, dass die Fonds von Vermögensverwaltern bei nahezu allen Ratingagenturen in der Rubrik Mischfonds geführt werden. Wäre es für den VuV eine gangbare Lösung, selbst eine Vergleichsplattform für VV-Fonds zu etablieren? Schließlich ist ein Vergleich mit anderen Fondsklassen, deren Asset Allocation oft deutlich stärker limitiert ist, ohnehin wenig hilfreich.

Schlösser: Der VuV wird keine eigene Plattform für vermögensverwaltend gemanagte Fonds aufbauen. Allenfalls kann der VuV ein solches Vorhaben inhaltlich unterstützen. Eine solche Plattform gibt es übrigens schon. Der VuV steht mit diesem Anbieter bereits in fachlichem Austausch. Ein Ziel des VuV ist die Einführung eines Gütesiegels in Zusammenarbeit mit einem externen und unabhängigen Anbieter, beispielsweise einer Ratingagentur. Nochmals: es geht uns darum, dass der Anleger weiß, dass vermögensverwaltende Fonds sich als Basisinvestment eignen und spezielle Risikokriterien dauerhaft erfüllen müssen. Wenn wir dazu allgemeinverbindliche Kriterien haben, erleichtert das die Auswahl für den Anleger.

Cash.: Transparenz war und ist bei Kapitalanlagen ein großes Thema. Wie lässt sich diese bei VV-Fonds erhöhen oder zunächst überhaupt erreichen?

Schlösser: Vergleichbarkeit und Transparenz lassen sich nur durch die Bewertung von unabhängigen Ratingagenturen herstellen. Letztlich bedarf es dafür harter Kriterien. Es reicht dabei nicht, nur die Performance zu messen. Diese muss immer auch in Relation zum Risiko und damit zur Volatilität gesetzt werden.

Cash.: Im vergangenen Spätsommer gab es einen regen Meinungsaustausch im Rahmen eines Roundtable-Gesprächs im Köln-Turm zum obengenannten Thema. Wie ist die Meinung Ihrer Mitgliedsunternehmen zu diesem Sachverhalt?

Schlösser: Wir haben sehr viel positive Resonanz von unseren Mitgliedern erhalten, dass der Verband sich der Diskussion über vermögensverwaltend gemanagte Fonds stellt. Denn der Fondsbereich entwickelt sich für die unabhängigen Vermögensverwalter zu einem immer größeren Geschäftsfeld. Sie treten verstärkt in den Wettbewerb mit großen Produktanbietern, die zunehmend unter Druck geraten. Die Anleger schätzen diese Vielfalt an Asset Managern. Vor allem schätzen sie, dass kleine unabhängige Fondsboutiquen ihre Fonds managen.

Seite 2: Welche Rolle die Internet-Präsenz spielt und warum vermögensverwaltende Fonds zu den Gewinnern der Finanzkrise gehören.

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