30. Oktober 2012, 10:36
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MFS: Aktien-Rallye geht weiter

Die Rallye an den Aktienmärkten kann noch einige Zeit anhalten, da Zentralbanken, nicht zuletzt die Fed, dem europäischen Beispiel folgen und zusätzliche Liquidität bereitstellen. Das sagt Sanjay Natarajan, Institutional Equity Portfolio Manager bei MFS Investment Management, Boston.

Aktien

Text: Sanjay Natarajan

EZB-Präsident Mario Draghi hat gerade seine ganz eigene Mission Impossible erfüllt. Mit der Bekanntgabe der sogenannten Outright Monetary Transactions (OMTs) beseitigte er das Extremrisiko eines Staatsbankrotts in Europa. Die Zentralbank ist bereit, gegebenenfalls auch in unbegrenztem Umfang europäische Staatsanleihen zu kaufen. Die Aktienmärkte haben sich deshalb im September weiter erholt, mit portugiesischen und spanischen Aktien sowie Finanz- und Grundstoffwerten an der Spitze. Wir rechnen damit, dass die Rallye noch einige Zeit anhält, da andere Zentralbanken, nicht zuletzt die Fed, dem europäischen Beispiel folgen und zusätzliche Liquidität bereitstellen.

Dank neuer Liquidität entwickeln sich qualitätsarme Titel zunächst überdurchschnittlich

In den letzten 18 bis 24 Monaten verzeichneten Qualitätsaktien, das heißt Papiere von Unternehmen mit geringerer Kursvolatilität, höherem Gewinnwachstum, hohen Eigenkapitalrenditen und Gewinnmargen sowie stabilen Dividenden, stetige Mehrerträge gegenüber dem Gesamtmarkt. Doch in letzter Zeit blieben sie hinter den Indizes zurück. Meiner Ansicht nach wird die scheinbar unbegrenzte Zentralbankliquidität in den kommenden Monaten zu einem Anstieg der Risikobereitschaft führen. Denkbar sind deshalb noch weitere Umschichtungen in Papiere mit höherem Beta und konjunktursensitive Werte mit einer geringeren Qualität. So lange die Risikobereitschaft zunimmt, dürften sich Finanz-, Energie-, Grundstoff- und Industriewerte besser entwickeln als Aktien aus den Bereichen Versorger, Gesundheit und Konsumverbrauchsgüter. Doch die Liquidität wird nicht für immer die Fundamentaldaten vergessen machen. Die uneinheitlichen Daten der Einkaufsmanagerindizes (PMIs) sprechen dafür, dass das Gewinnwachstum unter Druck geraten könnte. Langfristig bevorzugen wir deshalb weiter Qualitätsaktien.

Bewertungen auf lange Sicht weiter angemessen

Weil die hohe Liquidität negative reale Staatsanleiherenditen zur Folge hat, dürften die Aktienrisikoprämien weiter leicht fallen. Für die Aktienmärkte wäre das gut. Zurzeit beträgt die Risikoprämie von Aktien 600 Basispunkte und liegt damit sogar noch über dem Durchschnitt seit 2008, der 500 Basispunkte beträgt. Dies spricht dafür, dass Aktien noch immer unterbewertet sind. Das zeigt sich auch darin, dass die Dividendenrenditen der meisten großen Aktienmärkte über den langfristigen Staatsanleiherenditen liegen.

Nach Angaben von Ned Davis Research liegen die Dividendenrenditen von 55 Prozent der S&P 500-Werte über der amerikanischen Zehnjahresrendite. Auch wenn die Bewertungen nach den jüngsten Kursgewinnen (zumindest kurzfristig) nicht mehr so attraktiv sind, sehen wir an den Aktienmärkten noch Potenzial. Dafür sprechen die Fortschritte am amerikanischen Wohnimmobilienmarkt und der Risikorückgang in Europa.

Noch nicht alle Risiken vom Tisch

Trotz des recht positiven Kurzfristausblicks für Aktien könnten viele Faktoren das Aufwärtspotenzial begrenzen. Mit Mittelpunkt stehen noch immer die gesamtwirtschaftlichen Risiken. Um sich für Anleihenkäufe der EZB zu qualifizieren, muss ein Land gewisse Sparauflagen erfüllen. Aber nach den Erfahrungen der Vergangenheit ist keineswegs klar, ob die Regierungen diese Auflagen akzeptieren und bereit sind, sie umzusetzen. Für politische Unsicherheit sorgen auch die Wahlen in den USA und die sogenannte Fiscal Cliff, also die drohenden automatischen Ausgabenkürzungen für den Fall, dass keine Einigung über Sparmaßnahmen zustande kommt. Schließlich macht uns auch ein möglicherweise schwächeres Wachstum der Unternehmensgewinne Sorgen. In den letzten drei Monaten wurden die Konsenserwartungen um 5 Prozent nach unten revidiert. All dies ist für uns Grund genug, Anlegern zur Vorsicht zu raten.

 

Der Autor Sanjay Natarajan ist Institutional Equity Portfolio Manager bei MFS Investment Management, Boston. Für Privatkunden und institutionelle Anleger verwaltet MFS weltweit Vermögen im Wert von rund 285 Milliarden US-Dollar.

Foto: MFS

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