Fidelity: China startet durch

Die Fondsgesellschaft Fidelity, Kronberg im Taunus, prognostiziert eine Trendwende für Chinas Ökonomie. Die sinkenden Wachstumsraten der Wirtschaft sollen ein Ende haben und die frühere Dynamik zurückkehren.

China feiert 204Raymond Ma, Manager des Fidelity China Consumer Fund, meint, dass China sich fundamental auf einem guten Weg befinde: „Zwar fiel Chinas Wirtschaftsentwicklung in jüngster Zeit eher schwach aus, aber es gibt einige frühe Indikatoren für eine Erholung. So stieg das Exportwachstum von 7,6 Prozent annualisiert im ersten auf 10,5 Prozent im zweiten Quartal 2012. Während die Exporte in die USA, nach Europa und nach Japan erwartungsgemäß zurückgingen, haben sich die Exporte in andere asiatische Länder sowie sonstige Teile der Welt gut behauptet. Was den Binnenmarkt angeht, zeigen die Entwicklungen bei Anlageinvestitionen und der Einzelhandelsumsatz, dass die Lockerung der Geldpolitik seit Jahresbeginn langsam in der Realwirtschaft ankommt.“

Da Inflation soll kurzfristig kein Risiko mehr darstellen, außerdem könnten die staatlich geförderten Investitionen steigen, um den Spielraum, den die aktuelle Fiskal- und Geldpolitik bietet, in vollem Umfang zu nutzen, so Ma. Die lockere Geldpolitik in den letzten Monaten, darunter eine häufigere Projektbewilligung und Senkungen der erforderlichen Mindestreservesätze sowie der Leitzinsen, werde das Wachstum in absehbarer Zukunft stabilisieren.

Impulse aus West und Zentralchina

Ma geht davon aus, dass sich die chinesische Wirtschaft mit Unterstützung der fortlaufenden Lockerungsmaßnahmen bis zum vierten Quartal 2012 erholen wird: „Der größte Wachstumsimpuls wird dabei vermutlich aus Zentral- und Westchina kommen. Diese Trendwende wird wahrscheinlich aber gemäßigter ausfallen als die V-förmige Erholung im Jahr 2009. Abgesehen von den anhaltenden geldpolitischen Eingriffen verheißen auch die rückläufigen Öl- und Kohlepreise sowie die sinkenden Zinsaufwände Gutes für die Margen und Profitabilität chinesischer Unternehmen. Nach Beendigung des Regierungswechsels in China erwarte ich zudem, dass zur Ankurbelung der Binnennachfrage in der zweiten Jahreshälfte 2012 wieder gezielt Investitionen in wichtige unterstützende Bereiche wie Infrastruktur, sozialer Wohnungsbau und Binnenkonsum getätigt werden.“

Verbrauchernahe Sektoren dürften nach Meinung des Fondsmangers profitieren, da der Konsum durch eine stete Erhöhung der Mindestlöhne, eine Senkung der Einkommenssteuer sowie erhöhte Sozialausgaben in den Bereichen Pension und Gesundheitswesen gefördert werden wird: „Die niedrigeren Zinsen werden zweifellos auch mehr potenzielle Käufer an den Immobilienmarkt locken. Denn historisch gesehen korreliert der chinesische Immobiliensektor stark mit dem erforderlichen Mindestreservesatz und den Zinsbewegungen.“

Daher sollte Chinas Immobilienmarkt positiv auf weitere geldpolitische Lockerungsmaßnahmen in diesem Jahr reagieren. Zudem könnten sich immer mehr Chinesen eine Immobilie leisten, da die Immobilienpreise seit Jahresanfang um etwa fünf Prozent gefallen sind, das Zinsniveau zurückgeht und zugleich die Löhne ein robustes Wachstum von ungefähr 20 bis 30 Prozent über die vergangenen zwei Jahre verzeichnen, argumentiert der Fidelity-Experte.

Nur für den Finanzsektor bleibt Ma kritisch: „Das dürfte sich meiner Meinung nach positiv auf börsengelistete chinesische Immobilienunternehmen auswirken. Dort stehen als Folge verbesserter Fundamentaldaten Neubewertungen bevor, denn derzeit sind die meisten chinesischen Immobilienunternehmen noch mit einem Abschlag von über 30 Prozent auf ihren Netto-Inventarwert bewertet und das bei einer vernünftigen Dividendenrendite von circa drei Prozent. Einzig für den chinesischen Bankensektor bin ich aktuell eher verhalten gestimmt, dort muss man die weiteren Entwicklungen abwarten.“ (mr)

Foto: Shutterstock

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