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30. Januar 2012, 10:38
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Fondsanbieter wollen Altersvorsorger überzeugen

Angesichts anhaltender Krisen fühlen sich deutsche Anleger zunehmend allein gelassen. So das Ergebnis einer Umfrage des Instituts Forsa. Das Vertrauen in die Finanzindustrie ist demnach ebenso erschüttert wie die Hoffnung auf das gesetzliche Rentensystem in Deutschland. Die Fondsbranche will gegensteuern.

Investmentfonds

Thomas Richter, BVI

Die Umfrage fand im Auftrag der Initiative “Investmentfonds. Nur für alle.” deutscher Fondsgesellschaften statt. Thomas Richter, Hauptgeschäftsführer des BVI Bundesverband Investment und Asset Management, Frankfurt, sagt: “Weder der Finanzbranche noch dem Staat gelingt es derzeit, den Menschen ihre Leistungen und Angebote nahe zu bringen. Allmählich wissen die Sparer nicht mehr, wohin sie sich wenden sollen. Staat und Anlagemärkte werden nicht mehr als Partner für Vermögensbildung und Altersvorsorge wahrgenommen”

Und weiter: “Geld muss angelegt werden. Dazu gibt es gerade mit Blick auf die Altersvorsorge keine Alternative. Sparer wissen aktuell aber nicht mehr, wie sie dieses Anliegen umsetzen sollen. Das hält auch uns zur Selbstkritik an.”

Gesellschaftlicher Nutzen von Investmentfonds zu wenig bekannt

Der persönliche Nutzen, aber auch die gesellschaftliche Funktion von Investmentfonds werden seiner Meinung nach nicht genug wahrgenommen: Fonds investieren zum Beispiel in Aktien und Anleihen und finanzieren auf diesem Weg Innovationen und Investitionen von Unternehmen. Sie ermöglichen jedem Anleger auch mit kleinen Beträgen die Teilhabe am Wirtschaftsgeschehen und eine ergänzende Altersvorsorge. Fondsgesellschaften sind schon heute der größte Verwalter von Altersvorsorgekapital in Deutschland, weiß Richter: “Wir müssen den Menschen verdeutlichen, dass Investmentfonds als Treuhänder der Anleger handeln. Wir sind ihre Interessenvertreter.”

Unter anderem will die Fondslobby mit einer neuen Publikation “Gemeinsam Werte schaffen – Wachstum, Sicherheit, Gemeinschaft” überzeugen. Diese soll illustrieren, wie richtiges Sparen mit dem gesellschaftlichen Miteinander zusammenhängt und eine gesellschaftliche Debatte darüber in Gang gesetzt werden. Neben Branchenexperten kommen auch Wirtschafts- und Finanzwissenschaftler zu Wort.

Vertrauen Mangelware

Die einzelnen Ergebnisse der Umfrage zeigen ein weit verbreitetes Misstrauen: Vor die Wahl gestellt, würde gut die Hälfte der Deutschen (51 Prozent) lieber ausschließlich privat sparen, als weiter in die gesetzliche Rentenversicherung einzuzahlen. Bei den unter 30-Jährigen sagen das sogar 62 Prozent, so die Studie.

“Die Angst vor Altersarmut ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen und treibt alle Bevölkerungsschichten um. Die Orientierung bei der Geldanlage und Altersvorsorge geht den Deutschen angesichts von Finanzmarkt- und Staatsschuldenkrise zunehmend abhanden”, so Richter: “Es sind gerade die Leistungsfähigen in der Gesellschaft, die dem etablierten Generationenvertrag den Rücken kehren würden, wenn sie die Wahl hätten.” Rund 81 Prozent der Bundesbürger sind überzeugt, die Spekulationen der Investmentbanken hätten zur heutigen Situation geführt. Fast ebenso viele Befragte (80 Prozent) geben auch der maßlosen Schuldenpolitik vieler Staaten die Schuld an der heutigen Krisensituation.

Undurchsichtige Finanzprodukte nennen hier knapp zwei Drittel (64 Prozent). Immerhin jeder Zweite (50 Prozent) sieht auch zu hohe Renditeerwartungen als eine Ursache an. Um Finanz- und Schuldenkrisen künftig zu verhindern, hält es die große Mehrheit der Deutschen (94 Prozent) für sinnvoll, Banken und andere Finanzinstitute stärker zur Verantwortung zu ziehen. Knapp ebenso viele Befragte (89 Prozent) fänden es in dem Zusammenhang sinnvoll, dass Anlageprodukte transparenter und verständlicher werden. Zugleich sprechen sich 81 Prozent dafür aus, auch die Entschuldung der Staatshaushalte stärker voranzutreiben.

Mit Blick auf die erwartet infolge der aktuellen Situation eine große Mehrheit, dass sich die Rahmenbedingungen der Altersvorsorge verschlechtern. So rechnen mehr als drei Viertel (77 Prozent) langfristig mit weiter steigenden Sozialversicherungsbeiträgen. Nur jeder Fünfte (21 Prozent) glaubt, dass seine gesetzlichen Rentenbezüge im Alter zum Leben ausreichen werden. Mehr als die Hälfte (54 Prozent) sorgt sich um den persönlichen Lebensstandard im Alter, neun von zehn (91 Prozent) Bundesbürgern erwarten, dass es in den kommenden Jahren mehr Altersarmut geben wird.

Von den Sparern mit einem monatlichen Haushaltsnettoeinkommen von 3.000 Euro und mehr sagen 54 Prozent, sie würden lieber ausschließlich privat vorsorgen, wenn sie nicht in die gesetzliche Rente einzahlen müssten.  (mr)

Foto: BVI

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