Frontier-Märkte: Im Grenzbereich

Auf dieser Grundlage erarbeiten wir eine Fünfjahresplanung – ein intensiver Prozess. Wir suchen vor allem nach Unternehmen, die – getragen von einer jungen Bevölkerung und einer wachsenden Mittelschicht – solide langfristige Wachstumsaussichten erwarten lassen und sich durch eine gute Corporate Governance auszeichnen. Darüber hinaus bevorzugen wir eine Kultur der laufenden Dividendenzahlungen.

Anlagerisiken: Politische Risiken, Korruption und Liquidität

So intensiv unser Anlageprozess auch ist – er beseitigt nicht alle Anlagerisiken. Im Gegensatz zu den entwickelten Märkten wurden die Risiken in Frontier-Märkten noch nicht umfassend untersucht.

An diesem Punkt beginnt für mein Team und mich die eigentliche Arbeit. Politische Risiken werden in neuen Märkten oft als Grund zur Besorgnis angeführt. Wie ich schon oft erläutert habe, können solche Risiken zu Volatilität führen, aber auch Chancen bieten.

Bei Spannungen im Nahen Osten lässt sich beispielsweise beobachten, dass Anleger in Länder abwandern, die in dieser Region als sicherer Hafen gelten. Dazu zählen die Vereinigten Arabischen Emirate, die als Frontier-Markt eingestuft werden.

Die Korruption stellt in fast allen Ländern ein Problem dar. Besonders schwerwiegende Folgen kann sie jedoch in jenen Ländern haben, in denen sich die Macht und die Ressourcen in den Händen einiger Weniger konzentrieren und das Strafrecht nicht einheitlich angewendet wird.

Aus meiner Sicht schlägt allerdings positiv zu Buche, dass über Korruption heute offen gesprochen wird – ein wichtiger erster Schritt zu einem gerechteren System.

Bei einem Besuch in Nigeria unterhielt ich mich kürzlich mit einem prominenten Regierungsbeamten. Statt zu versuchen, die korruptionsbelastete Vergangenheit des Landes unter den Tisch zu kehren, erläuterte mir mein Gesprächspartner offen, wie seine Regierung an der Lösung dieses Problems arbeitet.

Nach meiner Einschätzung machen sich viele führende Politiker in Frontier-Märkten derzeit klar, dass sie die Korruption beseitigen müssen, um auf globaler Ebene erfolgreich zu sein. Daher arbeiten sie an der Umsetzung von Maßnahmen, die eine Überwachung ermöglichen und die Einhaltung der Rechtsvorschriften sicherstellen sollen.

Auch ein anderer Punkt sollte berücksichtigt werden: Selbst wenn ein Land in negative Schlagzeilen gerät, können einzelne Unternehmen aus Anlegersicht sehr attraktiv erscheinen, da sie ihre Geschäftstätigkeit lokal – oder gar am Weltmarkt – ausbauen.

Beispielsweise habe ich beobachtet, dass in Afrika Mobiltelefone weit verbreitet sind. Sie dienen dort nicht nur als grundlegendes Kommunikationsmittel, sondern werden auch für Dienstleistungen wie Geldüberweisungen benutzt, wenn Banken vor Ort keine Geschäftsstellen haben. Die Konsumenten gewinnen an Einfluss und machen sich neue Produkte und Services zu Eigen.

Ein weiteres Risiko, das in Bezug auf Frontier-Märkte häufig genannt wird, ist die Liquidität, die sich als zweischneidiges Schwert erweisen kann. Bei einem niedrigen Investitionsniveau in einem unterentwickelten Markt kann es schwierig sein, eine Aktie unverzüglich zu einem fairen Kurs zu kaufen oder zu verkaufen.

Seite drei: Vorteile: Wachstum und Diversifikation

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