Frontier-Märkte: Im Grenzbereich

Die fehlende Liquidität kann aber auch einen Vorteil darstellen, da wir attraktiv erscheinende Aktien, die bei den restlichen Marktteilnehmern auf kein Interesse stoßen, zu sehr günstigen Preisen erwerben können. Bis eine Position in einer bestimmten Aktie aufgebaut ist, kann es lange dauern – mitunter viele Monate. Doch wenn die Marktteilnehmer schließlich den Wert eines Unternehmens anerkennen, ist der Besitz eines entsprechenden Aktienpakets wünschenswert.

Manchmal stufen wir die möglichen Risiken aber auch als zu groß ein, um ein Engagement einzugehen. Zu unseren größten Sorgen zählen Kapitalverkehrskontrollen und Enteignungen. Es muss für uns möglich sein, das Geld bei Bedarf außer Landes zu schaffen. In den meisten Ländern, in denen wir investieren, war dies bisher kein großes Problem. Dennoch sind wir uns dieser Gefahr stets bewusst.

Wachstum und Diversifikation

Das triftigste Argument für eine Anlage in Frontier-Märkten ist aus meiner Sicht das langfristige Wachstumspotenzial dieser Länder. Ein Vergleich der Wachstumsraten vieler Industrieländer mit denjenigen der Frontier-Märkte fördert erhebliche Unterschiede zutage.

Beispielsweise lag das US-amerikanische BIP-Wachstum 2011 unter 2%, während Nigeria, ein Land, das ich gerade erwähnt habe, ein Wachstum von 6,9% verzeichnete. Das Wachstum einer Volkswirtschaft dürfte zu wachsenden Unternehmensgewinnen führen.

Anlegern bieten Frontier-Märkte zudem ein Diversifikationspotenzial, da wir festgestellt haben, dass die Performance dieser Märkte oft kaum mit der Performance der Industrieländer korreliert.

Häufig wird irrtümlich angenommen, dass die Zukunft aller Frontier-Märkte in hohem Maß von den Rohstoffpreisen abhängt. Viele dieser Länder verfügen zwar über reiche Rohstoffvorkommen und weisen solide Exportniveaus auf, doch das Wachstum anderer Frontier-Märkte wird vornehmlich vom Binnenkonsum getragen. Beispielsweise ist die Wirtschaft Kenias eher auf die Landwirtschaft und den Binnenmarkt ausgerichtet, während Nigeria stärker von den Ölexporten abhängt.

Wachstumsquellen können sich auch positiv weiterentwickeln. Um seine Volkswirtschaft zu diversifizieren, versucht Nigeria, sein Erdöl zunehmend selbst zu raffinieren mit dem Ziel, Produkte mit höherer Wertschöpfung zu exportieren. Gleichzeitig entwickelt das Land einheimische Industriezweige, um seine wachsende Bevölkerung mit Nahrungsmitteln, Kleidung und Wohnungen zu versorgen.

Trotz des starken Wachstums und des hohen Diversifikationspotenzials von Frontier-Märkten müssen Anleger mit unerwarteten Schwierigkeiten rechnen. Dank wachsender Einkommen, eines höheren Lebensstandards und Verbesserungen von Infrastruktur und Handel bieten sich geduldigen Anlegern möglicherweise aber attraktive Chancen in Bereichen wie dem Baugewerbe, dem Transportwesen, dem Bankwesen, der Finanzwirtschaft und der Telekommunikation.

An den Frontier-Märkten bleibt noch viel zu tun. Es ist spannend, die Innovation und das Wachstum an den Grenzen des Anlageuniversums aus erster Hand mitzuerleben.

Autor Dr. Mark Mobius ist Vorstandsvorsitzender der Templeton Emerging Markets Group, mehrfacher Buchautor und Pionier für Aktieninvestments in Emerging Markets.

Foto: Franklin Templeton

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