Die Naumer-Kolumne: Der Lena-Effekt

Erinnern Sie sich noch an Lena Meyer-Landrut, Künstlername Lena, die 2010 mit ihrem Sieg beim Eurovision Song Contest in den Schlagerhimmel katapultiert wurde? 2011 trat sie als Titelverteidigerin an – und landete auf Platz 10 (von insgesamt 25 Plätzen).

Hans-Jörg Naumer, Allianz GI

Text: Hans-Jörg Naumer, Allianz Global Investors

Diesen „Lena-Effekt“ – als Champion an den Start gehen und im Mittelfeld landen – gibt es auch an den Kapitalmärkten.

Beispiel: Industriemetalle. Werden die Performancedaten von so unterschiedlichen Anlagemöglichkeiten wie deutschen, US-amerikanischen Aktien, Aktien aufstrebender Staaten, Staatsanleihen von Industriestaaten, Schwellenländeranleihen, Immobilien, Gold und Rohstoffe miteinander über die Jahre vergleichen, so gehörten Industriemetalle mit einem eindruckenden Wertzuwachs von über 60 Prozent klar auf Platz 1 des Performancerankings des Jahres 2000. Ein Jahr später landeten sie allerdings auf dem letzten Platz dieses Rankings mit einem Verlust von knapp 30 Prozent. Beispiel: deutsche Aktien. 2006 und 2007 lagen sie mit Wertzuwächse von jeweils mehr als 20 Prozent auf Platz 1 und 2 der Performancecharts. 2008 landeten sie mit -48 Prozent auf Platz 7 der Performancetabelle. Beispiel: Aktien aus den aufstrebenden Staaten. Im Performancecontest waren sie die „Lena“ des Jahres 2009 (+73 Prozent), gaben 2010 nur einen Platz ab (+27 Prozent), aber 2011 dann kam der Absturz auf den letzten Platz (-15 Prozent). Auch die so beliebten Staatsanleihen kamen nicht ohne Blessuren durch. Sie waren die Champions des Jahres 2008. Gemessen am Index für global Staatsanleihen von JP Morgan legten sie in damals fast 18% zu. Nicht schlecht für Staatsanleihen. 2009 verzeichnet sie einen Verlust von etwas mehr als einem Prozent.

Auch bei Gold sollte man sich nicht all ‘zu bedenkenlos in Sicherheit wägen. Gar nicht lange her, dass der Goldpreis je Unze fast über Nacht um 300 US-Dollar fiel. Im September letzten Jahres war das.

Der Rückblick über die letzten Jahre zeigt, dass die Performance-Highflyer von gestern die Bruchpiloten der Zukunft sein können. Bei dieser Performancespreizung kann sich eine taktische Allokation zwar durchaus lohnen. Wer sich da aber im Timing von Assetklassen versucht, muss ein besonders gutes Händchen und ein noch besseres Selbstvertrauen haben. Besser scheint es, auf Lösung über mehrere Vermögensklassen zu setzen, die sich strategisch/langfristig an dem eigenen Risikoprofil orientiert.

Hans-Jörg Naumer schreibt als Kolumnist im Cash.-Magazin über aktuelle Themen der Kapitalmärkte. Naumer ist seit 2000 Leiter Kapitalmarktanalyse bei der Allianz Global Investors KAG (AGI), Frankfurt.

Foto: Allianz GI

 

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