Licht und Schatten am Zuckerhut

Brasiliens Volkswirtschaft schwächelte in jüngerer Vergangenheit, doch nun scheint das Land nach Meinung von Experten die Talsohle zu durchschreiten. „Industrie- und Kapitalgüterproduktion sollten künftig wieder wachsen“, prognostiziert Angelika Millendorfer, Raiffeisen Capital Management.

Millendorfer leitet bei der österreichischen Fondsgesellschaft das Team für Schwellenland-Aktien und kennt auch die ökonomischen Schwierigkeiten in Brasilien: „Problematisch stellt sich inzwischen aber die Lage beim privaten Konsum dar. Die hohen Preissteigerungen belasten offenkundig zunehmend die Konsumneigung.“

Notenbank erhöht die Zinsen

Die Notenbank habe Anfang Juli erwartungsgemäß den Leitzins um 0,5 Prozentpunkte auf 8,5 Prozent an, um der Inflation entgegenzuwirken, so die Expertin. Aber: „So begrüßenswert die Konsistenz in der Notenbankpolitik der letzten Monate ist, so fraglich ist, ob die Zinsanhebungen der letzten Monate angesichts der fragilen konjunkturellen Lage nicht zu viel des Guten sind. Seit der starken Abwertung des Real auf rund 2,25 zum US-Dollar hat sich die brasilianische Währung stabilisiert.“

Und weiter: „Die Notenbank versucht mittels Interventionen, den Real möglichst stabil zu halten; die Volatilität bleibt aber dennoch recht hoch. Die allgemeine Unsicherheit hinsichtlich der konjunkturellen Aussichten für die Schwellenländer sorgt weiterhin für eine hohe Risikoaversion der meisten Investoren gegenüber EM-Vermögenswerten. Wir sehen angesichts all dessen derzeit zwar wenig Potential für Kurssteigerungen bei brasilianischen Staatsanleihen; diese sind aber aufgrund ihrer hohen Verzinsung aktuell durchaus als attraktiv zu bezeichnen.“

Der Aktienmarkt Brasiliens gab im Juli abermals nach und fiel bis auf 45.000 Punkte – der niedrigste Wert seit Frühjahr 2009. Millendorfer: „Seither erholte sich der Markt zwar etwas; wir sehen trotz der inzwischen recht günstigen Bewertungen bis auf weiteres aber nur wenig Kurspotential nach oben.“ (mr)

Foto: Shutterstock

 

 

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