15. März 2013, 13:26
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Dax auf Fünfjahreshoch – zu spät um einzusteigen?

Der deutsche Leitindex Dax hat die 8.000-Punkte-Marke geknackt und den höchsten Stand seit fünf Jahren erklommen. Dennoch ist das Potenzial deutscher Aktien noch nicht ausgeschöpft.

Gastkommentar Christian von Engelbrechten, Fidelity

Dax

Christian von Engelbrechten, Fidelity

Der Dax ist seinem Allzeithoch nahe. Das verleitet viele Anleger zu dem Fehler, nur auf den vermeintlich hohen Punktestand des deutschen Leitindex zu schauen statt auf die Bewertungen und Fundamentaldaten der darin enthaltenen Aktien. Diese zeigen sich deutlich und nachhaltig besser als zu zurückliegenden Zeitpunkten, zu denen der Dax ähnliche Punktestände erreichte. Ich gehe davon aus, dass sich der Dax entsprechend der positiven Gewinn- und Bilanzsituation der deutschen Unternehmen weiter nach oben bewegen wird – wenn auch nicht mehr so rasant wie in den letzten Monaten.

Deutsche Unternehmen prosperieren

Denn die Situation der deutschen Unternehmen hat sich über die letzten Jahre deutlich verbessert. Sie haben ihre Verschuldung zurückgefahren, Marktanteile global ausgebaut und insbesondere den Geschäftsanteil in den schnell wachsenden Schwellenländern gesteigert. Deutsche Unternehmen gewinnen zudem weiter Marktanteile durch eine günstige Refinanzierungssituation, sehr starke Marken und Innovationskraft. All das wird für weiteres Wachstum sorgen. Auch der stabile Binnenkonsum hierzulande und die vergleichsweise gute Lage der öffentlichen Haushalte wirken sich günstig für deutsche Unternehmen aus.

Doch trotz dieses guten Makroumfelds und verbesserter Fundamentaldaten der Unternehmen werden deutsche Aktien – gemessen an verschiedenen Kennzahlen – weiterhin deutlich unter dem historischen Durchschnitt gehandelt. Selbst dann noch, wenn man die New-Economy-Blase heraus rechnet. Und auch im europäischen Vergleich sind deutsche Aktien günstig bewertet: So beträgt das geschätzte Kurs-Gewinn-Verhältnis für das Jahr 2013 nur 11,3. Europäische Papiere insgesamt sind hingegen bereits mit etwa dem Zwölffachen der erwarteten Gewinne bewertet.

Das nur langsam zurückkehrende Vertrauen der Anleger, die guten Unternehmensergebnisse und die immer noch günstigen Bewertungen sind zentrale Punkte, die für einen weiteren Kursanstieg deutscher Aktien sprechen. Viele Anleger haben den ersten Aufschwung verpasst und sind noch sehr defensiv positioniert. Dies wird den Markt weiter treiben. Nachhaltige Dividendenrenditen von drei bis vier Prozent lassen wenig Zweifel an der Attraktivität von Aktien zu – gerade wenn man sich vor Augen führt, dass Anleger mit deutschen Staatsanleihen sogar negative reale Renditen einfahren. Auch die lockere Geldpolitik der Zentralbanken ist ein wichtiger Faktor, der die Aktienmärkte maßgeblich unterstützt.

Selektive Aktienauswahl wichtig

Trotz der insgesamt guten Fundamentaldaten und günstigen Bewertungen deutscher Unternehmen, ist es wichtig, mittels Fundamentalanalyse die besten Aktien herauszufiltern, da sich auch einige deutsche Unternehmen aufgrund des Umfelds schwerer tun als andere. Dabei ist nicht die Größe entscheidend. Ich investiere in Unternehmen aller Branchen und Größen. Wichtig ist die Kombination aus Qualität, Bewertung und meiner Einschätzung, dass das Gewinnpotenzial eines Unternehmens unterschätzt wird. Qualität ist für mich eine nachhaltig hohe Rendite auf das eingesetzte Kapital und die Fähigkeit des Managements, durch geschickte Investitionen ein strukturelles Gewinnwachstum oberhalb des Gesamtmarktes zu erzielen.

Es gibt auch im aktuellen Makroumfeld Europas viele deutsche Unternehmen mit guten Wachstumsaussichten, die mit Marktanteilsgewinnen gestärkt aus der Krise kommen werden. Vielversprechend sind Exportunternehmen und die Bereiche Gesundheit und Technologie. Ein Beispiel ist VW. Die Aktie des Wolfsburger Autobauers wird zu einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von unter acht gehandelt – und das trotz Marktanteilsgewinnen und der Aussicht auf deutlich steigende Gewinne in den nächsten Jahren durch neue Modelle, eine neue Modulplattform sowie das Absatzpotenzial in den USA und den schnell wachsenden Schwellenländern. Vorsichtig bleibe ich hingegen bei Unternehmen, die stark reguliert und hohem Wettbewerb ausgesetzt sind oder die bei der Rendite auf das eingesetzte Kapital nicht überzeugen. Hierzu gehören Telekommunikationsunternehmen, Versorger und Finanzwerte.

Autor Christian von Engelbrechten managt den Fidelity Germany Fund bei der Fondsgesellschaft Fidelity Worldwide Investment, Kronberg im Taunus.

Foto: Fidelity Worldwide Investment

Ihre Meinung



 

Versicherungen

Dr. Grabmaier als “Head of the Year” ausgezeichnet

Dr. Sebastian Grabmaier, CEO der JDC Group, ist auf der Cash.Gala 2019 zum “Head of the Year” ausgezeichnet worden und damit Teil einer Premiere.

mehr ...

Immobilien

Abwarten und Geld parken

Wirtschaftspolitische Spannungen wie der Handelskonflikt zwischen China und den USA, ein immer wahrscheinlicher werdender No-Deal-Brexit und Rezessionsängste schüren bei Anlegern Unsicherheit. Was tun mit dem Geld? Ein Kommentar von Volker Wohlfarth, Geschäftsführer bei der Crowdinvestment-Plattform zinsbaustein.de.

mehr ...

Investmentfonds

Financial Advisors Awards 2019: And the winners are…

…hieß es am 20. September für acht der Financial Advisors Awards 2019. Zum 17. Mal in Folge wurden die Branchenauszeichnungen im Rahmen der Cash.Gala verliehen. Die Bilder der Sieger

mehr ...

Berater

“Dann ist es vorbei”: Finnland setzt Johnson Frist beim Brexit

Der derzeitige EU-Ratsvorsitzende Antti Rinne hat dem britischen Premierminister Boris Johnson eine Frist bis zum Monatsende gesetzt, um Änderungswünsche am Brexit-Abkommen einzureichen.

mehr ...

Sachwertanlagen

PATRIZIA erwirbt Wohnanlage in Aarhus, Dänemark

Die PATRIZIA AG, der globale Partner für paneuropäische Immobilieninvestments, hat zusammen mit Universal-Investment im Auftrag der Bayerischen Versorgungskammer (BVK) ein Wohnbauprojekt mit 136 Einheiten im dänischen Aarhus erworben. Der Ankauf erfolgte im Rahmen einer off-market Transaktion. Verkäufer ist ein Konsortium privater Investoren.
mehr ...

Recht

Sicherheit auf der Baustelle: Das Schild „Eltern haften für ihre Kinder“ reicht nicht aus

Wer baut, haftet für mögliche Personen- oder Sachschäden auf der Baustelle. Bauherren und Grundstückseigentümer tragen eine Mitverantwortung für den Arbeits- und Gesundheitsschutz sowie für die Absicherung der Baustelle. Darauf verweisen die Experten des Bauherren-Schutzbunds.

mehr ...