24. September 2013, 07:55
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Dirk Müller: “Billiges Geld hat eine Billionenblase gebildet”

Börsenexperte Dirk Müller erläutert im Interview, wie Anleger auch in Krisenzeiten richtig am Kapitalmarkt agieren und was Notenbanken mit einem Clown gemein haben.

Dirk Müller

“Niemand sollte Aktien den Rücken kehren.”

Cash.: Die Börsen in den Emerging Markets schwächeln, aber die Aktienmärkte der großen Industriestaaten haussieren kräftig. Wie lautet Ihre Einschätzung?

Dirk Müller: Insgesamt fällt das Feuerwerk damit gar nicht so groß aus, die Anstiege sind nicht ungewöhnlich. Im Wesentlichen finden die Kurssprünge in Deutschland und den USA statt. Selbst die großen Schwellenmärkte wie China und Brasilien bleiben wie gesagt zurück, stehen auf Jahressicht sogar im Minus.

In Japan haben die Aussagen der Regierung zum Jahreswechsel, Vollgas bei der Notenbankpolitik zu geben, tatsächlich zu einer kräftigen, von der massiven Liquidität getriebenen Börsen-Hausse geführt. Ähnliches ist in Großbritannien und den USA geschehen, in Europa lässt sich das Phänomen in erster Linie in Deutschland beobachten.

Kommt mit den Aktienkursen auch die Konjunktur auf die Beine?

Dirk Müller: Nein, die wirtschaftlichen Rahmendaten stimmen im Allgemeinen noch nicht. Die Unternehmensgewinne und -ausblicke sind alles andere als positiv und geben eine solche Rallye nicht her.

Die Prognosen beispielsweise auf dem Chemiesektor oder in der Automobilbranche fallen sogar sehr kritisch aus. Dort werden die Schwierigkeiten demnach künftig noch größer.

Auch einzelne positive Indikatoren und Statistiken, wie ab und zu aus China zu hören, sollten nicht überbewertet werden. Dass die Hausse in erster Linie liquiditätsgetrieben ist, lässt sich daran erkennen, wie weit die Kurse einbrechen, sobald etwa ein Ende der lockeren Notenbankpolitik in Aussicht gestellt wird. Nichtsdestotrotz kann dieser Aufschwung an den Börsen weitergehen.

Wir haben es mit einer verzerrten Entwicklung zu tun, die Naturgesetze der Wirtschaft und der Märkte gelten zurzeit nicht.

Das gilt auch für den Bondmarkt?

Dirk Müller: Ja, gerade bei Staatsanleihen wird dies deutlich: Trotz aller Risiken und Inflationsgefahren liegen die Renditen auf einem lächerlich niedrigen Niveau. Die Inflationssorgen der Menschen richten sich zumeist auf Lebensmittel.

Seite zwei: Billionenblase durch Staatsanleihen

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2 Kommentare

  1. Seit Jahren wird billiges Geld in die Wirtschaft gepumpt. Mit einem Wermutstropfen. Das billige Geld fließt nicht in die Realwirtschaft sondern in die Geldwirtschaft. Während sich die Geldwirtschaft, wie sie auch richtig gesagt haben bereits in einer Blase befindet oder daran zu ersticken drohen, tun sich kleine und mittlere Betrieb immer noch schwer an günstige Finanzierungen oder überhaupt an frisches Geld zu kommen. Wie kann in solch einem Umfeld die gewerbliche Wirtschaft in Schwung gebracht werden oder gar überleben.

    Kommentar von Tirom — 25. September 2013 @ 09:02

  2. Wenn ich das richtig lese und auch nur halbwegs verstehe, dann kommt der Supergau; Die Frage ist nicht gar nicht ob, sondern wann; Wenn die Notenbanken ihre Druckerpressen anhalten sollten, was Sie nicht tun werden, was passiert denn dann ? Der Geldstrom ist wie der Golfstrom, hört er auf zu fließen, war´s das. Aber nun einmal im Ernst, ist das, was zur Zeit betrieben wird, nicht einfach nur Flickschusterei ? Ein Feuer ist noch nicht richtig eingedämmt, da bricht bereits der nächste Brand aus. Es ist an der Zeit, unsere Wirtschafts- und Gesellschaftssysteme einmal sehr gründlich zu überdenken und zu reformieren, je eher, desto besser. Es bleibt spannend.

    Kommentar von Nils Fischer — 24. September 2013 @ 18:20

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