24. September 2013, 07:55
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Dirk Müller: “Billiges Geld hat eine Billionenblase gebildet”

Sollten die Kurse besonders niedrig oder hoch erscheinen, spricht trotzdem nichts dagegen, die Höhe der Einzahlungen zu variieren. Wichtig ist aber, kontinuierlich zu investieren.

Bei langfristigen Anlagen sinkt die Bedeutung des Timings: Wer vor 25 Jahren bei einem Stand von 1.000 Punkten in den deutschen Aktienindex Dax investiert hat, hat sein Geld heute verachtfacht. Ein Einstieg bei 1.200 Punkten hat immer noch zu dem heute siebenfachen Wert geführt.

Eine große Zahl Vermögensverwalter empfiehlt ihren Kunden Gold und andere Edelmetalle. Teilen Sie diese Meinung?

Dirk Müller: Ja, unbedingt. Der Prozentsatz muss individuell verschieden ausfallen, aber rund zehn Prozent Edelmetall, Gold präferiert, gehören in jeden Haushalt. Der Grund ist nicht die Angst vor einer großen Weltwirtschaftskrise oder die Hoffnung auf eine extreme Rendite.

Edelmetalle diversifizieren die eigene Kapitalanlage. Etwas zu besitzen, was nie wertlos werden kann, hilft, besser zu schlafen.

Sehen Sie die Chance, dass die alte Wirtschaftswelt wieder auf die Beine und zu ungestütztem Wachstum kommt?

Dirk Müller: Ja, selbstverständlich. Blicken wir auf Europa: Weder eine kompromisslose Sparpolitik noch neue Schuldenberge bringen die Lösung. Konkret kommen Länder wie etwa Italien, Spanien oder auch Griechenland nicht voran, weil es an der Planungssicherheit für Unternehmer fehlt.

Es gibt keine verbindlichen Pläne für Steuergesetze, Umweltauflagen und ähnliches. Kein Unternehmen, ob Blumenverkäufer oder Großkonzern, kann unter diesen Umständen planen. Unsicherheit ist die größte Belastung für die Wirtschaft.

Die Probleme der angeschlagenen Länder – verkrusteter Arbeitsmarkt, nötige Reformen bei Steuergesetzen, etc. – sind im Detail verschieden, aber das Grundproblem ist gleich. Die EU braucht Masterpläne für jedes Land.

Eine geeignete Möglichkeit der schuldenfreien Maßnahmenfinanzierung wären staatlich garantierte Infrastrukturfonds, die privates Kapital anlocken können. Versicherungen beispielsweise suchen händeringend nach Anlagechancen.

Ihr jüngstes Buch befasst sich mit den Ursachen der Krise in Griechenland. Warum halten Sie das noch für wichtig?

Dirk Müller: Griechenland war der Auslöser der Eurokrise. Und dort zeigen sich die geostrategischen Zusammenhänge. Große Rohstoffvorkommen im Mittelmeer und die Vormacht des US-Dollar spielen eine wesentliche Rolle. Die Belege meiner Recherchen sind allesamt online in einem Quellenverzeichnis auf der Plattform Cashkurs.com nachzulesen.

Interview: Marc Radke

Foto: Dirk Müller

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2 Kommentare

  1. Seit Jahren wird billiges Geld in die Wirtschaft gepumpt. Mit einem Wermutstropfen. Das billige Geld fließt nicht in die Realwirtschaft sondern in die Geldwirtschaft. Während sich die Geldwirtschaft, wie sie auch richtig gesagt haben bereits in einer Blase befindet oder daran zu ersticken drohen, tun sich kleine und mittlere Betrieb immer noch schwer an günstige Finanzierungen oder überhaupt an frisches Geld zu kommen. Wie kann in solch einem Umfeld die gewerbliche Wirtschaft in Schwung gebracht werden oder gar überleben.

    Kommentar von Tirom — 25. September 2013 @ 09:02

  2. Wenn ich das richtig lese und auch nur halbwegs verstehe, dann kommt der Supergau; Die Frage ist nicht gar nicht ob, sondern wann; Wenn die Notenbanken ihre Druckerpressen anhalten sollten, was Sie nicht tun werden, was passiert denn dann ? Der Geldstrom ist wie der Golfstrom, hört er auf zu fließen, war´s das. Aber nun einmal im Ernst, ist das, was zur Zeit betrieben wird, nicht einfach nur Flickschusterei ? Ein Feuer ist noch nicht richtig eingedämmt, da bricht bereits der nächste Brand aus. Es ist an der Zeit, unsere Wirtschafts- und Gesellschaftssysteme einmal sehr gründlich zu überdenken und zu reformieren, je eher, desto besser. Es bleibt spannend.

    Kommentar von Nils Fischer — 24. September 2013 @ 18:20

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