18. Februar 2013, 10:45
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Fidelity: Berlusconi lässt Börse schwächeln

Am kommenden Sonntag wählen die Italiener ein neues Parlament und damit einen neuen Regierungschef. Die Aufholjagd Silvio Berlusconis in den jüngsten Umfragen hat die Märkte spürbar verunsichert. Verliert Berlusconi, gewinnen italienische Aktien.

Gastbeitrag: Alberto Chiandetti, Fidelity 

Fidelity

Silvio Berlusconi

Die leicht gestiegene Wahrscheinlichkeit, dass die Italiener eine konservative Regierung und mit ihr Silvio Berlusconi an die Schalthebel der Macht wählen könnten, hat ausgereicht, um die Märkte in Aufregung zu versetzen und die Renditen italienischer Staatsanleihen deutlich nach oben zu treiben. Auch die Aktienmärkte haben daraufhin einen Teil der guten Gewinne des letzten Monats wieder abgegeben.

Neben einer starken Marketingoffensive half Berlusconi der Skandal um die Monte Dei Paschi di Siena. Denn Verbindungen des Mitte-Links-Bündnisses zu dieser Bank haben es den Gegnern leicht gemacht, negative Stimmung gegen den Spitzenkandidaten Pier Luigi Bersani zu machen. Aber es ist noch alles offen und ich messe der Aufmerksamkeit für Berlusconis Wahlversprechen, die zuletzt vom Papstrücktritt in den Medien verdrängt wurde, nicht zu viel Bedeutung zu.

Am wahrscheinlichsten ist meiner Meinung nach eine Mitte-Links-Koalition unter Bersani und Mario Monti. Tritt dieses Ergebnis ein, wird die allgemeine Erleichterung zu einer Rallye am italienischen und anderen europäischen Aktienmärkten führen. Selbst wenn die Wahl überraschend eine Regierung unter Berlusconi hervorbringen sollte, die sich nicht an den eingeschlagenen Austeritätspfad hält, werden die Märkte die Rückkehr zum Sparkurs durch Abstrafen sehr schnell erzwingen.

 

Die Fakten sprechen für Italien

Die Aussicht auf eine negative Wachstumsentwicklung in Italien haben die Märkte schon voll eingepreist. Insofern lohnt es sich jetzt, darauf zu schauen, wie viel Potenzial für eine positive Überraschung in Italien steckt. Es ist jetzt wenig sinnvoll, sich ausschließlich defensiv aufzustellen. Das gilt umso mehr, als Italien das dritthöchste Bruttoinlandsprodukt in Kontinentaleuropa erwirtschaftet.

Die Unternehmen des Landes sind exportorientiert und ihre Absatzmärkte und Waren gut diversifiziert. Ein Blick auf die italienische Börse zeigt die Internationalität der Firmen: Die 60 größten Unternehmen im Index erzielen mehr als die Hälfte ihrer Umsätze außerhalb der Heimat. Zudem erwirtschaftet Italien trotz einer tiefen Rezession wieder einen Haushaltsüberschuss.

Es steht also gar nicht so schlecht um Italien. Dazu trägt sicherlich auch die allgemeine Verbesserung der weltweiten Wirtschaftsaussichten bei, die zu geringerer Volatilität, gestiegenem Vertrauen der Investoren und zu einer Normalisierung der Finanzierungskonditionen geführt hat. Von dieser Entwicklung profitiert auch in Italien besonders der Finanzsektor.

Über italienische Banken sollte man wissen, dass die meisten Schulden im Inland gehalten werden und die Banken große Positionen an Staatsanleihen in ihren Büchern haben. Daher waren sie auch sehr stark von der Eurokrise betroffen und haben – genau wie der gesamte europäische Bankensektor – natürlich auch von Draghis Ankündigung im letzten Sommer profitiert. Sieht man sich das vergangene Jahr an, dann war der Sektor von einer großen Unsicherheit gekennzeichnet, die im Wesentlichen auf die Unklarheiten über die zukünftige Entwicklung der Kreditportfolios der Banken zurückzuführen war.

Diese Situation hat sich inzwischen stark verbessert. Ein wichtiger Grund dafür ist, dass sich die Kreditmärkte wieder entspannt haben. Das hat die Finanzierungskosten reduziert, bei einer gleichzeitig gestiegenen Nachfrage nach gut verzinsten Anleihen. Die Märkte stellen den Banken die kritische Menge an Liquidität zur Verfügung und Investoren müssen sich weniger Sorgen um eine angemessene Kapitalausstattung und das Risiko von Insolvenzen machen.

Es gibt zahlreiche Chancen bei italienischen Aktien, die historisch betrachtet und auch im Vergleich zu anderen Märkten günstig bewertet sind. Gewinnt die Mitte-Links-Regierung werden wir eine veritable Rallye italienischer Aktien erleben.”

 

Autor Alberto Chiandetti managt den Aktienfonds Fidelity Italy Fund.

Foto: Fidelity Worldwide Investment

Ihre Meinung



 

Versicherungen

App auf Rezept: Warum Versicherte nun vorsichtig werden sollten

Jens Spahn beschließt gemeinsam mit dem Bundestag, dass Anwendungen für das Smartphone, also Apps, künftig auf Rezept verordnet werden dürfen. Ziel ist es, Wartezeiten für die Behandlung durch Fachärzte zu reduzieren. Insbesondere bei der Psychotherapie sollen diese Angebote eine Verschlechterung des Gesundheitszustands vermeiden. Allerdings erlaubt das Gesetz, die durch die Verordnung gesammelten Daten zu nutzen. Was dies für Versicherte bedeutet

mehr ...

Immobilien

Baugenehmigungen: Handfeste Maßnahmen notwendig

Laut Statistischem Bundesamt (Destatis) wurde von Januar bis Mai 2019 in Deutschland der Bau von insgesamt 136 300 Wohnungen genehmigt. Dies seien 2,4 Prozent weniger Baugenehmigungen als im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Die Zahl der genehmigten Mehrfamilienhäuser sei sogar um 4,1 Prozent gesunken.

mehr ...

Investmentfonds

Weiter Risiken bei Deutscher Bank

Der Finanzexperte Gerhard Schick beurteilt die Umbaupläne der Deutschen Bank als “gewissen Forschritt”, sie seinen jedoch nicht konsequent genug. “Durch die Reduktion riskanter Geschäfte sinkt die Gefahr, dass die Bank vom Steuerzahler gerettet werden muss”, schreibt der Vorstand der 
»Bürgerbewegung Finanzwende« für 
eine nachhaltige Finanzwirtschaft in einem Gastbeitrag für die Zeitung neues deutschland.

mehr ...

Berater

Digitalisierung: Verhaltener Blick in die Zukunft

Die Finanzindustrie begegnet der digitalen Transformation vielfach mit Skepsis. Dies ergibt eine aktuelle Panel-Befragung von über 800 Beschäftigten innerhalb des Finanzsektors, die von der Unternehmensberatung Horn & Company Financial Services und dem Banking-Club seit Mai 2019 regelmäßig erhoben wird.

mehr ...

Sachwertanlagen

hep erwirbt ein zweites Solarprojekt in Japan

Der Publikumsfonds „HEP – Solar Portfolio 1“ erwirbt ein zweites Solarprojekt in Japan. Die Fertigstellung der Anlage soll Mitte 2020 stattfinden.

mehr ...

Recht

Brexit: Aus für die “deutschen Limiteds”?

Aufgeschoben ist nicht aufgehoben – dieses Sprichwort gilt nach derzeitigem Stand auch für den Austritt des Vereinigten Königreichs aus der EU. Besonders hart wird der Brexit Unternehmen treffen, die in der Rechtsform einer britischen Limited gegründet wurden, aber von Deutschland aus geführt werden. Betroffene Unternehmen und ihre Gesellschafter sollten die Zeit bis zum Brexit nutzen und rechtzeitig vorsorgen.

mehr ...