Franklin Templeton: Wandel im IT-Sektor

Für viele Investoren gilt der IT-Sektor nach wie vor als Hafen der Wachstumsanlage. Dabei haben sich viele Player inzwischen zu profitablen Blue Chips entwickelt. Gastbeitrag von Christian Correa, Franklin Templeton

Oftmals wird dieser Sektor mit schnell wachsenden, modernen Unternehmen in Verbindung gebracht, die hohe Bewertungen erzeugen und eher Aktienoptionen anstatt Dividenden ausschütten. Unter Umständen berücksichtigt der Anleger nicht die Entwicklung vieler Technologieunternehmen zu gut geführten, äußerst profitablen Blue-Chip-Unternehmen, die für Aktionäre Kapital generieren. Des Weiteren sind wir der Auffassung, dass die graduelle Abnahme der Bewertungskennzahlen im IT-Sektor in den vergangenen zwölf Jahren zu interessanten Werten vieler dieser Unternehmen beigetragen hat.

Value-Ansatz funktioniert

Unser Leitgrundsatz lautet: bei stark diskontierten Titeln Substanzwert finden. Häufig haben wir solche Wertpapiere ermittelt, die verhältnismäßig vorhersehbare Gewinne und Einnahmen haben, freie stabile Cashflows erzielen und aktionärsfreundliche Management-teams besitzen, die sich für die Ausschüttung von Dividendenzahlungen sowie die Durchführung von Aktienrückkaufprogrammen einsetzen. Im aktuellen IT-Sektor haben wir eine wachsende Anzahl von Unternehmen gefunden, die diese Kriterien erfüllen. Die besten Anlagemöglichkeiten, die wir unserer Einschätzung nach entdeckt haben, befanden sich in der Softwarebranche. Dort gibt es wahrscheinlich Unternehmen mit stabilen und wiederholbaren Geschäftsmodellen. Sie sind in Segmenten wie Applikationssoftware tätig, die nicht den Modeerscheinungen unterliegen, die in anderen Bereichen des Sektors vorherrschen.

Ein Beispiel hierfür wäre ein Unternehmen, das in erster Linie Software mittels Lizenzverein-barungen sowie dazugehörige Wartungs-verträge verkauft. Dies lässt sich in der Regel in hohe vorhersehbare Ertragsströme übersetzen. Nach erfolgter vollständiger Integration der Software ist es im Hinblick auf verlorene Produktivität und des Finanzauf-wands kostspielig, auf einen anderen Verkäufer umzusteigen. Dieser Faktor macht die Erneuerung von Lizenzen, den Verkauf von zusätzlichen Lizenzen für neue Mitarbeiter und für künftige Software-Aktualisierungen äußerst wahrscheinlich.

Andere interessante Merkmale eines Unternehmens, wie bei diesem, sind die geringen, erforderlichen Investitionen, um wettbewerbsfähig zu bleiben sowie die äußerst niedrigen Grenzkosten der Produkte. Sie lassen sich in potenzielle margenstarke Operationen übersetzen, die kräftige, freie Cashflows erzeugen dürften. In letzter Zeit sind wir zu dem Schluss gekommen, dass mehr IT-Unternehmen bei der Allokation von überschüssigem Kapital ihrer Bilanzen durch Dividendenzahlungen und Aktienrückkauf-programme erfolgreicher sind.

Die Mutual-Series-Strategie untersucht mit Problemen behaftete Unternehmen. Daher war es uns möglich, von der zeitweiligen Stimmung des Anlegerpublikums zu profitieren, die innerhalb des IT-Sektors auftreten kann. Es gibt zwangsläufig Unternehmen, die hinter dem Innovationsvorsprung liegen oder durch neue Technologie überrumpelt werden. Ihnen fällt es möglicherweise schwer, wieder auf die Beine zu kommen. Hier haben wir jedoch Beispiele unbegründeten Pessimismus festgestellt. Firmen, die sich in diesem Wandlungsprozess befinden, besitzen wertvolles geistiges Eigentum oder können profitabel sein, obwohl sie gleichzeitig Marktanteile verlieren. Dabei kann es sich potenziell, vorausgesetzt das Risiko-/Ertragsprofil ist richtig, um eine attraktive Einstiegsmöglichkeit handeln.

Es gibt jedoch viele billige Technologie-unternehmen, die wir nicht für clevere Value-Investitionen halten. Unternehmen, die starker Konkurrenz ausgesetzt sind, die der Produktstandardisierung unterliegen, kurze Produktlebenszyklen haben und ständig einen hohen Investitionsaufwand benötigen, sind keine Mutal-Series-Kandidaten. In der Regel erfüllen Hardware-Hersteller dieses Profil perfekt.

Wenn wir zudem über die Anlage in einem bestimmten Sektor sprechen, ist es überdies wichtig, zu betonen, dass die Mutual Series sich bei der Einzeltitelauswahl streng an die fundamentale Bottom-up-Analyse hält. Wir nehmen keine aktiven Sektor- bzw. geografischen Allokationen vor. 2012 erhöhte sich unser IT-Engagement, weil unser Research bessere Anlagechancen mit einem erhöhten Aufwärtspotenzial und geringerem Abwärtstrend in diesem Sektor feststellte.

 

Autor Christian Correa ist Portfolio Manager und Director of Research bei Franklin Templeton.

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