„Europa braucht mehr Inflation“

Insofern lässt sich der Korrektur und der damit verbundenen Marktbereinigung durchaus auch etwas Positives abgewinnen. Die Märkte sind für Anleger inzwischen wieder attraktiv geworden, wenngleich die Korrektur deren Verwundbarkeit gezeigt hat.

Bei den Renditeaufschlägen haben Schwellenländer-Anleihen gegenüber Titeln aus den entwickelten Industrienationen bereits wieder recht hohe Niveaus erreicht, die sich in der Nähe zu denen des Jahres 2009 bewegen. Ein Portfolio mit Emerging-Markets-Anleihen aktiv zu steuern, bleibt sehr wichtig.

Was sollten Investoren beachten, wenn sie zwischen Schwellenland-Anleihen in lokaler oder harter Währung wählen müssen?

Die Anleger müssen sich des Währungsrisikos bewusst sein. Viele Schwellenländer-Währungen sind im Frühsommer abgestraft worden und stark gefallen. Damit sind sie für Einsteiger wieder attraktiv, allerdings muss man das Wechselkursrisiko im Auge behalten.

Darüber hinaus müssen sich Anleger, wenn sie in Währungen der Emerging Markets investieren wollen, darüber im Klaren sein, dass sie implizit auch eine Währungswette zum US-Dollar laufen haben, da viele EM-Währungen an den US-Dollar gekoppelt sind. Das Risiko eines starken Euros ist also gegeben.

Wie lautet also Ihr Ratschlag?

Wer in Emerging-Markets-Anleihen investieren will, sollte das in harter Währung und mit kurzen Laufzeiten tun, da sind Renditen zwischen 3,5 und vier Prozent möglich, ohne ein Währungsrisiko einzugehen.

Wenn man an die positive Entwicklung in den Peripheriestaaten der Eurozone glaubt, dann könnten auch osteuropäische Anleihen ein Thema sein. Denn diese Länder werden vom Aufschwung in der Eurozone profitieren. Währungsaufwertungen sind wahrscheinlich.

Mit welcher Anlagestrategie war bei Staatsanleihen in den letzten Jahren am meisten zu verdienen?

Bis zur Finanzkrise waren lang laufende deutsche Staatsanleihen der beste Trade. Da waren auch Renditen von mehr als acht Prozent möglich. Danach, vor allem nach der Ankündigung von EZB-Chef Draghi, den Euro um jeden Preis zu stabilisieren, waren Anleihen aus Italien und Spanien am attraktivsten.

Die Strategien der letzten 20 Jahre werden sich aber in den nächsten zwei Jahrzehnten nicht mehr bewähren. Für Anleger wird es zusehends wichtig, ihre Engagements in lang laufenden Staatsanleihen kritisch zu überdenken.

Wie stellen Sie ein akzeptables Verhältnis zwischen Rendite und Risiko sicher?

Prinzipiell bietet das Management von Staatsanleihen heute wesentlich mehr Möglichkeiten und Handlungsspielräume als noch vor wenigen Jahren. So sind wir, was die Duration betrifft, vorsichtig und investieren bei risikolosen Staatsanleihen der Eurokernländer in Papiere mit kürzeren Laufzeiten.

Daneben erachten wir Anleihen aus der Europeripherie als wesentlichen Bestandteil eines balancierten Portfolios – natürlich nur, wenn man, so wie wir, an eine positive Entwicklung dieser Länder glaubt. Bei Emerging-Markets-Anleihen gehen wir selektiv vor. Hartwährungsanleihen mit kurzen Laufzeiten erachten wir in diesem Segment derzeit als besonders attraktiv.

Interview: Marc Radke

Foto: Raiffeisen Capital Management

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