Anzeige
17. Januar 2014, 09:40
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Der Stein des Sisyphus oder schon wieder ein neues Börsenjahr

Kolumne von Robert Halver, Baader Bank

Aus der griechischen Mythologie kennen wir Sisyphus, diesen armen Kerl, der von den Göttern dazu verdammt wurde, einen großen Stein den Berg hinaufzuwälzen.

Halver-Kolumne

Robert Halver, Baader Bank

Diesen Frondienst musste er immer wieder tun, da der Stein bei Erreichen des Gipfels sofort wieder in das Tal stürzte. Arbeiten, die trotz großer Anstrengung nie beendet sind, werden daher auch Sisyphus-Arbeit genannt.

Sisyphus-Arbeit ist auch meine Kapitalmarktanalyse. Mit Sylvester sind die alten Jahresprognosen Geschichte. Der Stein ist mit Neujahr wieder auf seinen Ausgangspunkt im Tal zurück gerollt. Jetzt werden die Chancen und Risiken für das neue Börsenjahr eingeschätzt. Ihnen als Anleger geht es auch nicht anders: Auch Sie überlegen, wie sie Ihr Geld im neuen Jahr anlegen.

Die Kraft der drei Herzen für die Aktienmärkte

Für 2014 ist die Palette an Finanzmarktprognosen groß. Von Aktien-Crash bis Dauer-Hausse gibt es alles. Ich persönlich gehe von einem positiven Aktienjahr 2014 aus. Dabei sehe ich drei Argumente.

Erstens die Geldpolitik. Ja, natürlich kann das Tapering der US-Notenbank zwischenzeitlich auf die Aktienstimmung wirken wie der unerwartete Besuch der Schwiegermutter am Wochenende. Allerdings weiß die Fed auch um ihre Wirkung, vor allem auf die Schwellenländer: Die Gelddiplomatie von Janet Yellen wird an das Gurren von Turteltauben erinnern.

Überhaupt, EZB und Bank of Japan bleiben die offiziellen Maskottchen für Aktien. Beide Notenbankchefs überbieten sich geradezu inflationär mit Aussagen zur unkonventionellen Bekämpfung von Deflationsängsten.

Schulden können die Wirtschaft anschieben

Wenn die Geldpolitik ohnehin dafür sorgt, dass hohe Staatverschuldung von Euro-Staaten zu keinen Reibungsverlusten an den Finanzmärkten führt, was spricht dann eigentlich gegen eine noch höhere Neuverschuldung? Die Bedingung wäre allerdings, dass damit Unternehmenssteuern gesenkt werden.

Damit verbesserten sich die Standortfaktoren eines angeschlagenen Euro-Landes zügig. Investitionen und Arbeitsplätze – der Lustgewinn der Volkswirtschaft – nähmen zu und der Wirtschaftsaufschwung würde selbsttragend. Erinnern wir uns: Die Agenda-2010-Politik von Altkanzler Gerhard Schröder war sicherlich sinnvoll. Aber die Unternehmenssteuerpolitik „Mehr Netto vom Brutto“ zu Beginn seiner Amtszeit war für die Wiederbelebung des deutschen Industriestandorts mindestens genau so wichtig. Auch Thatcher und Reagan hatten mit dieser Steuerkeule Erfolg. Also die Herren Letta, Hollande oder Rajoy, tun sie es auch.

Zweitens wird die bisherige Liquiditätshausse bzw. Hoffnungs-Rallye immer mehr durch harte Fundamentaldaten, also Substanz unterlegt. Die USA und Japan wachsen und die Schwellenländer sind stabil. Die Weltwirtschaft ist robust und gleichzeitig steigen die Unternehmensgewinne. Von diesem Fundamentalismus haben deutsche Aktien historisch immer profitiert.

Unternehmen werden die Liquidität nutzen

Apropos Unternehmen, sie verfügen über viel Liquidität. Was werden sie damit tun? Sie werden ihre Dividenden erhöhen, ihre Aktien zurückkaufen, andere Unternehmen übernehmen oder generell investieren. Alle vier Punkte sind alles andere als schlecht für Aktien.

Drittens sehe ich eine stärkere Rotation von Anleihen in Aktien. Wer 1981 Staatspapiere gekauft hat, profitierte von ihnen bis ins letzte Jahr hinein, ohne dafür einen wirklichen Handschlag tun zu müssen. Doch mittlerweile haben sie ihre besten Zeiten gesehen. Wirkliche Renditeanstiege wird die schnelle Eingreiftruppe der Notenbanken zwar verhindern. Aber schon der geringste Zinsanstieg sorgt für Kursverluste von Staatstiteln.

Aktienjahr 2014: Weniger üppig, auch volatiler aber dennoch gut

Natürlich wird auch 2014 nicht krisenfrei sein. Und deutlich höhere Schwankungen als im braven Aktienjahr 2013 mit Kursverlusten von bis zu zehn Prozent sind auch grundsätzlich möglich.

Aber dennoch wird 2014 insgesamt ein guter Aktienjahrgang. Die Frage ist nicht, warum sollten Aktien steigen, sondern warum sollten Aktien nicht steigen. Wegen der Kraft der drei Herzen steht der DAX am Jahresende bei 10.500 Punkten.

Da wälzt man den Stein des Sisyphus doch gerne den Berg hinauf.

 

Robert Halver leitet die Kapitalmarktanalyse bei der Baader Bank. Mit Wertpapieranalyse und Anlagestrategien beschäftigt er sich seit Abschluss seines betriebswirtschaftlichen Studiums 1990. Halver verfügt über langjährige Erfahrung als Kapitalmarkt- und Börsenkommentator und ist durch regelmäßige Medienauftritte bei Fernseh- und Radiostationen, auf Fachveranstaltungen und Anlegermessen sowie durch Fachpublikationen präsent.

 

Foto: Baader Bank

 

 

 

Ihre Meinung



Cash.Aktuell

Cash. 10/2018

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Multi-Asset – Kfz-Policen – Immobilieninvestments – Ruhestandsplanung

Ab dem 13. September im Handel.

Jubiläumsheft

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Zukunft der Versicherungsbranche + Unangenehme Wahrheiten: Vermittlerzahlen täuschen

Versicherungen

bAV: Nürnberger stellt Pensionsfonds neu auf

Die Nürnberger Pensionsfonds AG erweitert die Gestaltungsmöglichkeiten in der betrieblichen Altersversorgung (bAV). So kann sich beim bilanzförmigen Pensionsfonds die Kapitalanlage zukünftig automatisch an aktuelle Marktentwicklungen anpassen, um eine langfristig stabile Wertentwicklung zu erreichen. Mit Fidelity International konnte zudem ein neuer Partner im Bereich der Fondsanlage gewonnen werden.

mehr ...

Immobilien

Baufinanzierung: Zinsen werden volatiler

Die Europäische Zentralbank (EZB) beschäftigt sich unter anderem mit der finanziellen Lage Italiens, während die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) wieder einmal am Leitzins gedreht hat.

mehr ...

Investmentfonds

Sieben Anlagestrategien für den Spätzyklus

Die USA erleben ihre zweitlängste wirtschaftliche Expansion, die bereits zehn Jahre andauert. Und auch wenn derzeit kein Ende in Sicht ist, stellt sich die Frage, wie lange dieser noch anhalten wird. Laut Tilmann Galler, Kapitalmarktstratege bei J.P. Morgan Asset Management, spricht vieles dafür, dass sich die US-Konjunktur im Spätzyklus befindet. Er nennt sieben Strategien, mit denen Anleger ihre Portfolios defensiver Ausrichten können.

mehr ...

Berater

Fintechs: Die fairsten digitalen Finanzberater

Auf dem deutschen Markt tummeln sich bereits über 300 verschiedene sogenannte Fintechs – Tendenz laut Experten steigend. Welche davon am fairsten aufgestellt sind, hat das Analysehaus Servicevalue in Kooperation mit Focus Money untersucht.

mehr ...

Sachwertanlagen

Falschberatung: Sparkasse muss zahlen

Mangelhafte Beratung kann den Berater teuer zu stehen kommen. Das erfährt eine oberpfälzische Sparkasse gerade am eigenen Leib, wie ein aktuelles Urteil des Landgerichts Nürnberg-Fürth zeigt.

mehr ...

Recht

Heckenschnitt: Was gilt im Streitfall?

Landesrechtliche Regelungen geben oft vor, wie hoch eine Hecke auf einer Grundstücksgrenze sein darf. Nachbarn können jedoch nicht verlangen, dass der Eigentümer seine Hecke vorsorglich im Herbst und Winter so stark herunterschneidet, dass sie im Sommer die zulässige nicht Höhe überschreitet. Dies entschied laut D.A.S. Rechtsschutz Leistungs-GmbH das Landgericht Freiburg.

mehr ...