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19. Mai 2015, 12:09
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DNCA: Gewinnschätzungen nach oben korrigieren?

Augustin Picquendar, Manager Europäische Aktien bei DNCA Finance, über die Perspektiven des europäischen Aktienmarktes. 

Augustin Picquendar-Kopie in DNCA: Gewinnschätzungen nach oben korrigieren?

Augustin Picquendar, DNCA Finance: “Die Wachstumsperspektiven für die Eurozone bessern sich.”

Nachdem das Jahr mit Pauken und Trompeten begonnen hatte, wurde es Ende April für die Aktienmärkte schwieriger. Hauptgrund ist die nach wie vor ungeklärte Situation in Griechenland, zumal das widersprüchliche Verhalten der griechischen Verhandlungspartner keine Prognosen erlaubt.

US-Leitzinserhöhung erst im September?

In den USA machte sich das enttäuschende Wachstum des ersten Quartals in Form von Volatilität bemerkbar. Sie blieb mit 0,2 Prozent zwar deutlich unter den Erwartungen von ursprünglich einem Prozent, die vorübergehende Schwäche beruht jedoch auf konjunkturellen Faktoren. Wie schon 2014 wirkten sich die Wetterbedingungen auch in diesem Jahr negativ aus. Dazu kamen Streiks in den Häfen an der Ostküste, der starke Dollar und der sinkende Ölpreis, der die Investitionen im Erdölsektor bremst.

Daher hebt die US-Notenbank den Leitzins möglicherweise erst im September an. Die Märkte reagieren darauf mit einem sinkenden Dollar gegenüber dem Euro und mit fallenden Kursen exportorientierter europäischer Unternehmen. Überdies leidet der Markt unter den gestiegenen Zinsen – auch wenn sie nach wie vor sehr niedrig sind. Die Rendite 10-jähriger Bundesanleihen stieg zuletzt um mehr als 50 Basispunkte auf 0,58 Prozent. Dieser Zinsanstieg stört auf kurze Sicht die perfekte Konstellation vom Jahresbeginn.

Bessere Wachstumsaussichten für Eurozone

Aufgrund des guten makro- und mikroökonomischen Umfelds nehmen wir die Korrektur jedoch als Einstiegspunkt wahr. Die Wachstumsperspektiven für die Eurozone bessern sich: So hat die Europäische Kommission die Zinsprognosen für 2015 gerade von 1,3 auf 1,5 Prozent angehoben, das wiederkehrende Wachstum wirkt sich auf die Unternehmen aus. Fast ein Drittel der börsennotierten Unternehmen hat seine Zahlen zum ersten Quartal bereits veröffentlicht und uns eine sehr schöne Berichtssaison beschert: Seit Mitte 2012 wurden die Erwartungen nicht mehr so deutlich übertroffen. Da die Unternehmen außerdem in ihren Guidances die Umsatz- und Gewinnprognosen anheben, rechnen wir damit, dass auch die Konsensus-Schätzungen für den Gewinn je Aktie im Gesamtjahr 2015 steigen werden. Diese Dynamik sollte für attraktive Bewertungen sorgen.

Konsum-Titel in gutem Kontext

In diesem Kontext setzen wir auf einen Aufschwung in Europa und investieren in zyklische Unternehmen wie Faurecia, Metro, Peugeot und Saint-Gobain. Diese Unternehmen generieren ihre Umsätze überwiegend im heimischen Markt und haben sich während der Krise ausreichend umstrukturiert, um nun davon profitieren zu können. Die Metro-Aktie hatte zwar schwer unter der Rubelschwäche zu leiden, eignet sich jedoch gut, um auf einen wieder anziehenden Konsum in Europa – insbesondere Osteuropa – zu setzen. Ebenfalls bemerkenswert: Seit drei Quartalen nimmt die Kreditvergabe wieder zu. Davon dürften Bankwerte wie Crédit Agricole oder BNP Paribas profitieren.

Auch von Telekommunikations-Unternehmen wie Orange, Telefónica und Telecom Italia erwarten wir positive Entwicklungen. Da in den jeweiligen Ländern jeweils ein Netzbetreiber verschwinden dürfte, könnte der Preisdruck abnehmen. Zudem dürfte der Umsatz je Verbraucher steigen, wenn sich 4G oder gar 5G und die Glasfasertechnik weiter verbreiten.

Firmen müssen weiter investieren

Das größte Risiko besteht in diesem positiven Szenario darin, dass die Unternehmen ihre Investitionen noch nicht ausreichend gesteigert haben. Für eine positive Rückkopplung müssen die Unternehmen weiter investieren, nachdem die Haushalte bereits mehr konsumieren. Wer sich aktuell dazu in der Lage sieht, nutzt seine liquiden Mittel jedoch, um an der Börse Aktien zurückzukaufen oder großzügige Dividenden auszuschütten. Zudem wurden die Produktionskapazitäten bereits recht weit hochgefahren, wenn man bedenkt, dass die Wachstumsperspektiven im historischen Vergleich eher mittelmäßig sind.

Aktien vor Anleihen

In puncto Diversifizierung gehen wir davon aus, dass Aktien mehr zur Performance beitragen werden als Anleihen mit ihren sehr geringen realen Renditen. Wir setzen auf Zykliker, die für den Aufschwung in Europa gut aufgestellt sind, und nutzen die Volatilität für Einstiegspunkte in eine Dynamik, die dadurch entsteht, dass die Unternehmen ihre Ergebnisse nach oben korrigieren.

Foto: DNCA Finance

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