29. April 2015, 09:38
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Ungarn in der Komfortzone

Anleiheanleger honorieren ein verbessertes Umfeld für Bonds aus Ungarn.

Marktkommentar: Ronald Schneider, Raiffeisen Capital Management

Raiffeisen

Budapest – Ungarn erfreut sich bei Bondinvestoren zunehmender Beliebtheit.

Noch nach Ausbruch der globalen Finanzwirtschaftskrise hatten IWF und EU das damals sozial-liberal regierte Ungarn mit einem Notkreditpaket von insgesamt 20 Milliarden Euro vor dem Staatsbankrott gerettet. 2013 zahlten die Ungarn diesen Kredit vorzeitig zurück. Seit geraumer Zeit befindet sich das Land in einer Art Komfortzone – zumindest was die Wirtschaftsentwicklung betrifft – mit solidem Wachstumsprognosen und einer fester gehenden Währung.

Größere Wachstumschancen

Gründe für die aktuelle Stärke des Forint, der erstmals seit Anfang 2014 unter die Marke von 300 gegenüber dem Euro aufgewertet hat, sind die besseren Wachstumsaussichten und die global starke Nachfrage nach höher verzinslichen Veranlagungen und Währungen. Aufgrund der niedrigen Inflationszahlen und teilweise als Reaktion auf die starke Währung hat die Ungarische Zentralbank den im vergangenen Jahr für beendet erklärten Leitzinssenkungszyklus wieder aufgenommen. Auch wenn die jüngste geldpolitische Lockerung im März mit 15 Basispunkten auf ein Rekordtief von 1,95 Prozent eher gering ausgefallen ist, kann man davon ausgehen, dass weitere Zinssenkungsschritte folgen werden – möglicherweise auf ein Niveau von 1,5 Prozent. Die Inflationsrate, die schon seit mehreren Jahren sehr niedrig ist, könnte in diesem Jahr – und möglicherweise auch im nächsten Jahr – einen negativen Wert aufweisen. Auch wenn die Notenbank weiterhin an ihrem Inflationsziel von 3 Prozent festhält, rechnet sie mit Inflationsraten unterhalb dieses Zielwertes.

Zusätzlich wirkt die insgesamt positive Konjunktur unterstützend: 2014 ist die Wirtschaft Ungarns laut OECD-Prognose um 3,3 Prozent gewachsen. Der Ausblick auf 2015 ist mit einem Wert von 2,4 Prozent ebenfalls sehr gut, selbst wenn sich die Entwicklung ein wenig verlangsamt. Die Inlandsnachfrage ist intakt und die Stimmungsindikatoren für den privaten Konsum weisen auf eine Fortsetzung dieses Trends hin. Auch beim Export wird von einer positiven Entwicklung ausgegangen: Dies vor allem wegen der verbesserten Konjunktur in der Eurozone, aber auch aufgrund des schwächeren Ölpreises und der Liquiditätsmaßnahmen der Europäischen Zentralbank (EZB). Hinzu kommen laufende Maßnahmen zur Förderung des Wirtschaftswachstums – u.a. das Programm der Nationalbank „Funding for Growth“, das die Kreditvergabe an Klein- und Mittelunternehmen unterstützt. All das wird von Investoren ebenso positiv bewertet wie die in Aussicht gestellte Reduktion der Bankensteuer und die Tatsache, dass Ungarn aufgrund massiver Umschuldungsmaßnahmen von Fremdwährungskrediten im vergangenen Jahr von der Aufwertung des Schweizer Frankens kaum betroffen war.

Zinspolitik von EZB und Fed unterstützen Forint

Natürlich unterstützt auch die Europäische Zentralbank mit ihren Liquiditätsmaßnahmen die positive Entwicklung des Forint. Ebenso – wenn auch in geringerem Ausmaß – die Entscheidung der Fed, ihre Zinsanhebung von der weiteren Wirtschaftsentwicklung abhängig zu machen, was zuletzt zu einer Verzögerung des schon länger erwarteten Leitzinsschritts nach oben geführt hat. Insgesamt profitieren die zentral- und osteuropäischen Länder auch davon, dass sich der Konflikt zwischen Russland und der Ukraine weitgehend beruhigt hat, auch wenn die durch den Minsker Friedensplan erwirkte Waffenruhe noch sehr fragil ist.

Nach wie vor hat das Land eine hohe Auslandverschuldung und auch die öffentlichen Schulden sind mit 80 Prozent recht hoch. Doch vergleicht man die Zahlen mit anderen – auch entwickelten – Staaten, wie etwa Österreich und Deutschland, steht Ungarn im Vergleich recht gut da. Auch die Leistungsbilanz zeigt eine deutliche Verbesserung gegenüber der vergangenen Jahre, und das Budget ist – wenn auch mit deutlich unfreundlichen Mitteln gegenüber ausländischen Investoren (Stichwort: Bankensteuer) – in Ordnung. Das wird auch von den Märkten so eingepreist. Die Fantasie über eine Hinaufstufung auf Investmentgrade ist durchaus vorhanden.

Das politische Image Ungarns hat sich kaum verbessert. Nach dem Verlust der 2/3-Mehrheit im Parlament bei der Parlamentsnachwahl kann die Fidesz-Partei nun zwar keine Verfassungsänderungen mehr im Alleingang durchsetzen, doch die für Fidesz wichtigen Punkte wurden bereits davor erwirkt. Inzwischen ist die Popularität des national-konservativen Bündnisses in der Bevölkerung stark im Abnehmen. Dazu beigetragen haben ein neues Medienrecht und Internet-Steuern, aber auch Orbáns Nähe zu Russlands Präsidenten Wladimir Putin, die von vielen noch kommunistisch geprägten Ungarn nicht gern gesehen wird. Doch spürbaren Gegenwind hat Orbán nicht zu fürchten: Die Oppositionsparteien sind zerstritten und durch eigene Skandale in ihrer Regierungszeit bis heute kompromittiert. Viele Fidesz-Wähler landen daher bei der rechtsextremen Jobbik-Partei.

Ob Ungarn für Investoren nachhaltig interessant ist, wird sich dann herausstellen, wenn die Konjunktur des Landes Schwächen zeigt. Risiken könnten sich ergeben, wenn die globale Liquidität zurückgeht, die Fed ihre Leitzinsen anhebt und die Konjunktur in der Euro-Zone rückläufig ist. Denn dann besteht das Risiko von Kapitalabflüssen.

Autor Ronald Schneider leitet die Abteilung Anleihen CEE und Global Emerging Markets bei Raiffeisen Capital Management.

Ihre Meinung



 

Versicherungen

JDC Group steigert Umsatz und Ergebnis weiter

Die JDC Group AG bestätigt mit den heute veröffentlichten Zahlen zur Unternehmensentwicklung im ersten Halbjahr 2019 den Erfolg der Strategie des Konzerns. Der Umsatz ist im Halbjahresvergleich um rund 18 Prozent auf 52,5 Mio. EUR gestiegen (1. HJ 2018: 44,5 Mio. EUR). Der Umsatz des Geschäftsbereichs Advisortech stieg um rund 22 Prozent auf 44,4 Mio. EUR. Der Geschäftsbereich Advisory konnte seinen Umsatz um rund 6 Prozent auf 12,9 Mio. EUR steigern.

mehr ...

Immobilien

„Die traditionelle Innenstadt wird niemals sterben“

Die Hamburger Innenstadt benötigt dringend eine Reurbanisierung, da die Innenstadt an Attraktivität zum Wohnen verloren habe. Vier Schlüssel dienen zum Erfolg der Maßnahmen: Mehr Wohnen, Hotel, Gastronomie und Entertainment. Ein Kommentar von Richard Winter, Niederlassungsleiter von JLL Hamburg.

mehr ...

Investmentfonds

„Das Unternehmen ist das entscheidende Investment“

Der Handelskonflikt zwischen den USA und China scheint beinahe täglich größere Kreise zu ziehen und Anleger immer stärker zu verunsichern. Cash. sprach mit Thomas Lehr, Kapitalmarktstratege beim Vermögensverwalter Flossbach von Storch, wie sich Anleger jetzt verhalten sollen und welcher Ausgang des Konflikts realistisch ist.

mehr ...

Berater

Beginnt nun der gravierende Produktwandel in der Versicherungslandschaft?

Mehr als jeder dritte Versicherer (35 Prozent) will seine Produktlandschaft bis 2022 gravierend verändern. Die Branche reagiert damit unter anderem auf den geplanten Provisionsdeckel für bestimmte Lebensversicherungsprodukte und den harten Preiskampf in der Sachversicherungssparte. Vier von zehn Versicherern wollen das Geschäft mit Total-Care-Paketversicherungen und Anti-Hacking-Policen ankurbeln. Das ergibt die Studie “Branchenkompass Insurance 2019” von Sopra Steria Consulting.

mehr ...

Sachwertanlagen

Speziell für Stiftungen und institutionelle Anleger: Vollregulierter Zweitmarktfonds mit günstigem Risikoprofil

Die Bremer Kapitalverwaltungsgesellschaft HTB Fondshaus bringt nach einer Reihe von Publikums-AIF erstmals einen Spezial-AIF für Stiftungen und institutionelle Anleger heraus. Neben sogenannten semiprofessionellen Anlegern können sich auch institutionelle Investoren ab einer Summe von 200.000 Euro am Spezial-AIF beteiligen.

mehr ...

Recht

Gesetzlicher Unfallschutz greift auch bei Probearbeit

Der Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung gilt auch an Probearbeitstagen. Das geht aus einem Urteil des Bundessozialgerichts (BSG) in Kassel von Dienstag hervor.

mehr ...