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23. November 2016, 08:31
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Barings: Druck auf Aktien und Anleihen in 2017

Nach Einschätzung von Marino Valensise vom britischen Asset Manager Barings gibt es mit der Geopolitik, den Zentralbanken und den Bewertungen drei Hauptthemen für das kommende Jahr.

Banken-EZB-Aufsicht-Frankfurt in Barings: Druck auf Aktien und Anleihen in 2017

Die Zentralbanken werden auch im Jahr 2017 eine entscheidende Rolle spielen.

Geopolitik

Zunächst einmal sind politische Überraschungen das Thema des Jahres 2016. Nur wenige Marktteilnehmer sagten den Brexit voraus und auch der Sieg von Donald Trump bei den US-Präsidentschaftswahlen wurde von den Märkten nicht erwartet. Der Brexit wird unserer Auffassung nach ein zentrales Thema für Großbritannien sein, für den Rest der Welt dürfte er jedoch wesentlich weniger von Bedeutung sein.

Mit Blick auf die USA gehen wir davon aus, dass die bevorstehende Präsidentschaft von Donald Trump den Pfad für das globale Wirtschaftswachstum insgesamt nicht maßgeblich verändern wird. Trumps Wahlkampfrhetorik konzentrierte sich auf zwei primäre Versprechen. Erstens die Steigerung von Wirtschaftswachstum durch Infrastrukturprojekte, die hauptsächlich durch die Fiskalpolitik finanziert werden. Zweitens der Schutz von US-Unternehmen vor der Konkurrenz sowie der Schutz der US-Arbeiter vor ausländischen Billigarbeitskräften, möglicherweise durch das Zurückholen vieler der über die letzten Jahrzehnte verloren gegangenen Arbeitsstellen in die USA. In diesen Bereichen könnte er zwar Fortschritte erzielen, er dürfte sich unserer Einschätzung nach letztendlich aber doch gezwungen sehen, viele seiner Wahlversprechen abzuschwächen. Vor diesem Hintergrund gehen wir davon aus, dass das globale Wachstum auf einem moderaten, aber wenig spektakulären Niveau weiter zunehmen wird. Für die Schwellenländer treten indes neue Risiken hervor, da sich die Stimmung zunehmend protektionistisch auflädt.

In Europa ist der politische Kalender 2017 durch die Wahlen unter anderem in Frankreich, Deutschland und den Niederlanden bereits voll. Nachdem die Märkte den Ausgang der Wahlen in Großbritannien und den USA falsch bewertet hatten, nähern sie sich nun im Zuge des Aufstiegs potenziell stärker werdender nationalistischer Parteien der realen Möglichkeit politischer Überraschungen an. Einige Buchmacher schreiben der rechtsextremen Kandidatin Marine Le Pen bei Frankreichs Parlamentswahlen im kommenden Frühling sogar bereits gute Chancen zu. Obgleich uns bewusst ist, dass noch einige politische Unbekannte vorhanden sind, behalten wir unsere Einschätzung für das globale Wachstum von mäßigen, aber stabilen realen circa drei Prozent bei.

Zentralbanken

Die Maßnahmen der Zentralbanken dürften unseres Erachtens im Jahr 2017 ein wichtiger Einflussfaktor sein. Zwar dürften die politischen Vorgehensweisen dem globalen Wachstum weiterhin zuträglich sein, der Grenznutzen wird jedoch wesentlich geringer ausfallen als in der Vergangenheit. Die Zentralbanken werden die Definitionen für ihre Mandate allmählich ausdehnen, Inflationskontrolle hintanstellen und eine gewisse Abweichung tolerieren. Stattdessen werden sie sich auf die Bekämpfung politischer Risiken und die Wahrung eines Mindestniveaus an Wirtschaftswachstum konzentrieren. Da die Zentralbanken das Inflationsniveau unserer Einschätzung nach nicht allzu stringent im Zaum halten werden, gehen wir von einem widrigeren Umfeld an den Staatsanleihemärkten der wichtigsten Industriestaaten aus, allen voran in den USA. Die Mischung aus Fed-Politik und Inflation wird darüber entscheiden, was mit dem US-Dollar passiert. Dies ist ein wichtiger und richtungsweisender Faktor für das Gewinnwachstum je Aktie in den USA und – was eventuell noch wichtiger ist – in den Schwellenländern.

Im Jahr 2017 wird man unserer Auffassung nach höhere Staatsanleiherenditen beobachten können, was den leistungsorientierten Vorsorgeplänen, die durch immer weiter steigende Verbindlichkeiten unter Druck geraten sind, eine große Erleichterung verschaffen dürfte. Auch Geschäftsbanken profitieren von höheren Renditen und steileren Kurven. Am Rentenmarkt könnten in jenen Anlageklassen Chancen zu finden sein, die ein relativ geringes Zinsänderungsrisiko aufweisen und dafür gleichzeitig Zugang zu Unternehmensrisiken bieten (wie US-Hochzinsanleihen).

Bewertungen

Das dritte Thema, das wir genau verfolgen, sind die Bewertungen von Vermögenswerten. Nach mehreren Jahren der ultralockeren Geldpolitik gibt es nur noch wenige Märkte, die offensichtlich einen Mehrwert bieten. Dies gilt für das gesamte Spektrum, angefangen von Aktien, die zu ihrer exakten Bewertung gehandelt werden, über Anleihen, die wenig Rendite bieten, bis hin zu einem fair bewerteten Immobiliensektor. Anleger werden flexibler sein und an mehreren Märkten intensiver suchen müssen, um Wertpotenzial zu finden.

Für traditionelle Mischfonds (die sogenannten 60/40-Portfolios) wird es schwierig werden. Zunächst müssen Anleger bei der Betapositionierung dynamischer agieren. Anschließend müssen sie auf der Aktienseite mit sektorbasierten, thematischen und faktorbasierten Investitionen sowie mit Hilfe der Wertpapierauswahl Alpha identifizieren. Investoren müssen sich die Illiquiditätsprämie mancher Anlageklassen zunutze machen, insofern sie dafür die Erlaubnis ihrer Kunden erhalten.

Fazit

Anleger sollten sich auf Volatilität gefasst machen. Zwar kann man nach wie vor von Investmentchancen profitieren, mit Blick auf das Verhältnis von Rendite zu Volatilität dürfte es jedoch ein enttäuschendes Jahr werden. Die Portfoliodiversifizierung wird eine noch größere Herausforderung darstellen als gewohnt, da Aktien und Staatsanleihen gleichzeitig unter Druck geraten dürften. Auch gehen wir davon aus, dass Währungen in globalen Multi-Asset-Portfolios weiterhin eine starke Quelle sowohl für die Rendite als auch die Volatilität darstellen. Devisen könnten sich als wirksame Möglichkeit zur Diversifizierung von Multi-Asset-Portfolios herausstellen und weniger liquide Anlageklassen könnten sich in diesem Umfeld nächstes Jahr letztendlich als ein sichererer Hafen erweisen.

Marino Valensise ist Head of Multi Asset bei Barings.

Foto: Shutterstock

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