Das Vertrauen zählt auch an der Börse

Michael Beck, Bankhaus Ellwanger & Geiger, beschäftigt sich in seinem Kommentar mit dem Thema Vertrauen an den Kapitalmärkten.

Michael Beck, Ellwanger & Geiger
Michael Beck, Ellwanger & Geiger

„Haben die Deutschen noch Vertrauen in die Regierungsfähigkeit unserer großen Koalition?“ – so lautete die Marktkommentar-Frage vergangene Woche nach der Berlin-Wahl. Noch ist diese Frage nicht abschließend beantwortet. Ein anderes Vertrauen scheint jedoch schon verloren gegangen zu sein – jenes in das Geschäftsmodell und die Kapitalausstattung der Deutschen Bank(en). Zuvorderst manifestiert sich dieser Vertrauensverlust in einem ungebremsten Kursverfall hiesiger Bankaktien.

Leider wächst das Vertrauen nach dem Überschlagen von vorhandenen Möglichkeiten der Krisenbewältigung in Form von Kapitalerhöhungen, Anleihebegebungen oder einfach auch nur Verbesserung des Geschäftsumfeldes oder Erleichterungen im Regulierungsumfeld kaum. Nichts dergleichen scheint derzeit möglich beziehungsweise einzutreten

Geschäftsklima reagiert kaum auf Aktienmarkt

So trübt die deutsche Banken-Malaise auch den Gesamtmarkt. Der Aktienmarkt war bereits etwas angeschlagen, da der jüngst veröffentlichte Einkaufsmanagerindex für Eurolands Industrie eine kleine Wachstumspause ankündigte, übrigens ebenfalls der Einkaufsmanagerindex für die US-Industrie.

Es verwundert dennoch etwas, dass sich der vielbeachtete ifo-Geschäftsklimaindex, der eine unerwartet deutlich aufgehellte Stimmung der deutschen Unternehmen verkündete, nicht stärker auf die Aktienmarktentwicklung auswirken konnte. Mit dem Anstieg von 106,3 auf 109,5 Punkte markierte der ifo-Geschäftsklimaindex die höchste Monatsverbesserung seit über sechs Jahren.

Aufgehellte Lage für die kommenden Monate

Zudem hellte sich nicht nur die Erwartung hinsichtlich der kommenden Monate auf, sondern auch die aktuelle Lage der Unternehmen wurde positiver beurteilt als vor einem Monat. Dennoch verflacht die Wachstumskurve in Europa etwas, was die Investoren vorsichtiger agieren lässt.

Vielleicht beruhigt die stabilere Wirtschaftsentwicklung Chinas die Märkte, sollten die nächsten Wirtschaftsdaten diesen Trend betätigen. Bis dahin schweben die Damoklesschwerter des Italien-Referendums sowie die Unfähigkeit, eine Regierung in Spanien zu bilden, und der ungewisse Ausgang der US-Präsidentschaftswahl über den Märkten.

Autor Michael Beck ist Leiter Asset Management beim Bankhaus Ellwanger & Geiger in Stuttgart.

Foto: Thomas Bernhardt

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