Anzeige
23. Juni 2016, 10:01
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Drohender Brexit: Weg aus Europas Sackgasse – Deutschland vor der Gretchenfrage

Die Abstimmung über einen Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union (EU) ist ein Weckruf für Europa. „Die Brexit-Debatte zeigt einmal mehr, dass wir uns in einer tiefen institutionellen Krise befinden“, sagt Jens Wilhelm, im Vorstand von Union Investment zuständig für Portfoliomanagement und Immobilien.

Wilhelm Portrait in Drohender Brexit:  Weg aus Europas Sackgasse – Deutschland vor der Gretchenfrage

Jens Wilhelm analysiert den die politischen und wirtschaftlichen Gefahren der Europäischen Union.

„Gerade wir Deutschen müssen uns entscheiden, ob wir dem Auseinanderdriften weiter tatenlos zusehen wollen.“ Denn seiner Auffassung nach muss Deutschland mehr tun, wenn es diese Entwicklung stoppen möchte. „Dafür sind Kompromisse notwendig, die nicht zum Nulltarif zu haben sind“, erläutert er und verweist auf mögliche Schritte wie eine Europäisierung von Arbeitslosenversicherung oder der Körperschaftssteuer. Auch zweckgebundene Anleihen für die EU-Kommission sind ein Denkansatz. „Der deutsche Michel steht vor der Gretchenfrage: Wie hältst Du’s mit Europa?“, so Wilhelm.

Gesamtes europäisches Einigungsprojekt steht auf der Kippe

Mehr als fünf Jahre nach Ausbruch der Eurokrise droht die Schieflage des politischen Europas nicht mehr nur die Währungsunion, sondern das gesamte Einigungsprojekt zu erfassen. Sichtbare Zeichen dafür sind die Stimmenzuwächse antieuropäischer Gruppierungen von links und rechts in Nord (zum Beispiel AfD in Deutschland) und Süd (zum Beispiel Podemos in Spanien). Besonders gefährlich ist in dieser Hinsicht allerdings der drohende Brexit. „Hiervon könnte eine Sogwirkung auf andere Länder ausgehen“, analysiert Wilhelm.

„Ohne die Briten würde sich die innere Balance der EU ändern, da mit London ein Verfechter marktwirtschaftlicher Prinzipien wegfiele“, erläutert Wilhelm. „Außerdem würden die finanziellen Lasten auf noch weniger Schultern verteilt.“ Grundsätzlich droht der Zusammenhalt in der EU zu zerbröseln, ein Rückfall in ein „Europa der Nationalstaaten“ ist dann nicht ausgeschlossen. „Auch unser Wohlstand stünde auf dem Spiel“, gibt der Kapitalmarktstratege zu bedenken. Enorme negative Wirkungen auf Wachstum und Beschäftigung sowie auf das Vermögen der Deutschen wären die Folge. „Das gilt es jetzt zu verhindern. Der Schlüssel dafür liegt vor allem im politischen Berlin.“

Phantomdiskussion um EZB

Mit Blick auf die Institutionen Europas entzündet sich aktuell viel Kritik an der Europäischen Zentralbank (EZB). Das ist nach Einschätzung des Vorstands von Union Investment zwar nachvollziehbar, wenn man nur auf die Wirkungen der derzeitigen Politik schaut. „Tatsächlich nähern sich die EZB-Maßnahmen dem Punkt, wo sie mehr schaden als nützen. Die Schäden treffen zunehmend auch den normalen Bankkunden“, warnt Wilhelm. Gleichzeitig weist er jedoch eindringlich darauf hin, dass die EZB weder schuld am Zustand Europas sei, noch dass sie die Missstände lösen kann. „Letztlich ist das die falsche Diskussion“, erklärt er. „Über das Wohl und Wehe Europas wird nicht im Frankfurter EZB-Tower entschieden – sondern vor allem auch im Deutschen Bundestag.“

Seite zwei: Zeit für eine ehrliche Debatte

Weiter lesen: 1 2

Ihre Meinung



Cash.Aktuell

Cash. 11/2018

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Megatrend Demografie – Indizes – Naturgefahren – Maklerpools

Ab dem 16. Oktober im Handel.

Cash.Special 3/2018

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Riester-Rente – bAV – PKV – Bedarfsanalyse

Ab dem 22. Oktober im Handel.

Versicherungen

Urteil: Versicherer dürfen sich Vergleichsportalen nicht entziehen

Versicherer dürfen sich dem Kfz-Versicherungsvergleich von Check24 nicht entziehen. Das urteilte jetzt das Landgericht Köln (Aktenzeichen 31 O 376/17) und wies dahingehend die Klage der Huk-Coburg gegen das Münchner Vergleichsportal zurück.

mehr ...

Immobilien

Ab auf die Insel: Privatinsel in Irland steht zum Verkauf

Wer schon immer von einer eigenen Insel geträumt hat, könnte sich diesen Traum in Irland erfüllen – das nötige Kapital vorausgesetzt. Die Privatinsel “Horse Island” steht zum Verkauf, mitsamt einem gerämigen Anwesen. Sogar ein Hubschrauberlandeplatz steht zur Verfügung.

mehr ...

Investmentfonds

Was Bella Italia noch retten kann

Italien ist praktisch pleite und braucht eine europäische Lösung. Eine italienische und damit finale Euro-Krise ist aller Voraussicht nach nicht das, was Brüssel will. Die Halver-Kolumne 

mehr ...
18.10.2018

Aufstieg der ETFs

Berater

JDC bietet Webinare zur neuen DIN-Norm in der Finanzberatung

Die neue DIN 77230 “Basis-Finanzanalyse für Privathaushalte” ersetzt die bisherige DIN SPEC 77222. Die neue Norm nimmt sich, wie ihr SPEC-Vorläufer, die Basisanalyse der Finanzen von Privathaushalten vor. Jung, DMS & Cie. bietet deshalb Webinare für Vertriebspartner an, um auf die neue DIN-Norm zu schulen. 

mehr ...

Sachwertanlagen

P&R–Insolvenz: Über 4.500 Gläubiger in Münchner Olympiahalle

Für die ersten Gläubigerversammlungen der insolventen deutschen P&R-Gesellschaften fanden sich in dieser Woche 4.500 Gläubiger in der Münchner Olympiahalle ein. Was geschah dort?

mehr ...

Recht

Falling down: Wer haftet bei rutschigen Bürgersteigen?

Der Herbst und das liebe Laub. Was im Sonnenschein auf den Bäumen noch schön aussieht, kann am Boden schnell zur Gefahr werden. Wird Laub nicht beseitigt und führt zu Unfälle, kann’s teuer werden. Mal ganz abgesehen von dem drohenden Ärger mit der Justiz. Worauf Mieter und Hausbesitzer jetzt achten sollten.

 

mehr ...