EZB-Chefvolkswirt Praet sieht keinen Grund für weitere Zinssenkungen

Der Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank (EZB) hält weitere Zinssenkungen in der Eurozone für derzeit nicht angebracht. „Die Negativzinsen können nicht unbegrenzt weiter gesenkt werden“, sagte Peter Praet in einem am Freitag veröffentlichten Interview mit der spanischen Zeitung „Expansion“.

Der EZB-Chefvolkswirt Peter Praet sieht aktuell keine Gründe für eine weitere Zinssenkung.
Der EZB-Chefvolkswirt Peter Praet sieht aktuell keine Gründe für eine weitere Zinssenkung.

Voraussetzung für weitere Absenkungen wäre demnach eine ausgeprägte Verschlechterung des Inflationsausblicks. Damit sei aber in naher Zukunft nicht zu rechnen.

Es brauche noch Zeit, um die Wirkung zuletzt beschlossener Maßnahmen bewerten zu können, sagte Praet. Die EZB hatte im März alle wichtigen Leitzinsen gesenkt, das milliardenschwere Wertpapierkaufprogramm ausgeweitet und ein neues Kreditprogramm für Banken aufgelegt.

Kein Helikoptergeld realistisch

Es gebe derzeit keinen Grund, über neue Instrumente zu sprechen. Dem zuletzt viel diskutierten „Helikoptergeld“, also dem Verschenken von Notenbankgeld an Bürger oder Staaten, erteilte Praet eine Absage. Das Instrument wäre komplex, risikobehaftet und mit rechtlichen Schwierigkeiten verbunden. „Diese Option lag nie auf dem Tisch, nicht einmal informell.“

Praet verteidigte zudem den geldpolitischen Kurs der EZB gegen Kritik vor allem aus Deutschland. Die Kritiker hätten keine glaubwürdigen Alternativen anzubieten. Eine Zinsanhebung zum jetzigen Zeitpunkt würde dem Ökonom zufolge ohne Zweifel die wirtschaftliche Erholung abwürgen. Die Behauptung, dass Banken unter den Negativzinsen leiden, hält er für nicht zu Ende gedacht. Diese Kritik lasse unberücksichtigt, dass die lockere Geldpolitik insgesamt die Kreditnachfrage erhöhe und dadurch die Geschäfte der Banken stütze.

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Außerdem werde die Qualität der Kredite in den Büchern der Banken durch die robustere Konjunktur aufgrund der lockeren Geldpolitik verbessert, sagte Praet. Beispielsweise hätten spanische Banken zuletzt einen starken Rückgang fauler Kredite verzeichnen können, der im Falle höherer Zinsen undenkbar gewesen wäre. (Quelle: dpa-AFX).

Foto: Shutterstock

 

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