EZB-Entscheidung: Zwischen Verzweiflung und Sinnhaftigkeit

Super Mario hat wieder zugeschlagen und die Märkte mit einem Bündel neuer Maßnahmen überrascht. Die jüngsten Entscheidungen des EZB-Rats rufen in der Finanzbranche ein gemischtes Bild hervor.

Mario Draghi unternimmt einen letzten Anlauf, die Ziele der EZB doch noch zu erreichen.

Der Leitzins fällt auf null Prozent, der Einlagenzins für Gelder, die von den Banken bei der EZB geparkt werden, wird von minus 0,3 Prozent auf minus 0,4 Prozent noch weiter ins Minus gedrückt und last but not least weitet die EZB ihr Anleihekaufprogramm auf ausgewählte Unternehmensanleihen und auf 80 Milliarden Euro pro Monat aus.

Der Dax quittierte das Maßnahmenbündel der EZB mit einer Achterbahnfahrt. Kurz nach Bekanntwerden der Entscheidungen gestern stieg der Leitindex zunächst bis nahe der 10.000er-Marke, um dann bis zum Handelsende mit 9.498 Punkten deutlich ins Minus zu rutschen. Bis Freitag zur Mittagszeit notierte das Frankfurter Börsenbarometer dann wieder bei knapp 9.800 Punkten.

„Märkte können noch eine Weile schlafwandeln“

Die Meinungen der Finanzbranche zu den Entscheidungen sind derweil durchaus unterschiedlich. Didier-Saint Georges, Mitglied des Investmentkommitees von Carmignac, versucht sich an einer Interpretation der Interpretation: „Wie von uns erwartet tut die EZB was sie kann, um die Finanzbedingungen in der Eurozone zu verbessern. Das könnte genügen, damit die Märkte noch eine Weile weiter schlafwandeln können. Aber Investoren lesen zwischen den Zeilen der EZB-Entscheidung drei Dinge heraus: 1. Die globale Weltwirtschaft verschlechtert sich weiter und auch die Eurozone ist hiervon betroffen. 2. Das Quantitative-Easing hat bisher nicht in dem Ausmaß funktioniert, wie beabsichtigt. 3. Die Nebenwirkungen von Negativzinsen können nicht ignoriert werden und begrenzen den weiteren Handlungsspielraum der EZB.“

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Patrick O’Donnell, Investmentmanager bei Aberdeen Asset Management, hofft, dass die getroffenen Maßnahmen schlussendlich doch noch dafür sorgen könnten, dass die Banken ihre Kreditvergabe ausweiten, warnt jedoch zugleich vor den Folgen der Ausweitung des Anleihekaufprogramms: „Draghis Paket läuft darauf hinaus, alles zur Verfügung stehende in die Waagschale zu werfen. Das neue TLTRO II Programm dürfte wohl die größte Auswirkung haben, weil es tatsächlich die Banken dazu veranlassen dürfte, die günstigere Refinanzierung, die sie von der Zentralbank erhalten, weiter zu verleihen. Die Maßnahme, Coroporate Bonds über den Bankensektor hinaus aufzukaufen, könnte interessant sein, aber wir wissen noch nicht genau was man kaufen wird und wie viel davon. Das Risiko besteht darin, dass die EZB sich dafür entscheidet, weniger aufzukaufen als der Markt von ihr erwartet. Es wäre jedoch vielleicht besser gewesen, der Frage, wie weit die EZB die Zinsen noch senken kann, auszuweichen. Er scheint zu sagen, dass die EZB die Zinsen nicht mehr weiter senken wird, wie sie es bis dato getan hat, wenngleich wir das schon zuvor gehört haben.“

Seite zwei: „Mehr Spielraum für eine Rallye bei Aktien und Corporate Bonds

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