Anzeige
2. August 2016, 14:01
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Für die Schwellenländer hellen sich die Aussichten auf

Nach schwierigen Zeiten zeichnet sich bei den Emerging Markets eine spürbare Verbesserung der wirtschaftlichen Lage ab. Darauf deuten vor allem jüngste Konjunkturdaten aus Brasilien, Russland, Mexiko und Chile hin. Die Chancen sind gut, dass der Aufwärtstrend kein Strohfeuer ist. Gastkommentar von Axel Angermann, Feri

Portrait-Axel-Angermann-Kopie in Für die Schwellenländer hellen sich die Aussichten auf

Wirtschaftsexperte Axel Angermann findet, dass die Schwellenländer besser als ihr Ruf sind.

Zur Stabilisierung beigetragen haben vor allem zwei Faktoren: Erstens hat der wieder etwas höhere Ölpreis die Ängste vor einer Negativ-Spirale besonders in den rohstoffexportierenden Ländern gedämpft. Zweitens hat die massive geld- und fiskalpolitische Stimulierung der chinesischen Volkswirtschaft durch die dortige Regierung die Erwartung geschaffen, dass Chinas Wirtschaft vorerst stabil wachsen und die Nachfrage nach Gütern aus anderen (Schwellen-) Ländern nicht weiter sinken wird. Letzteres wird inzwischen auch in den Daten zum Welthandel sichtbar: Die Exporte der Schwellenländer, die zum Jahresbeginn noch um fünf Prozent niedriger als in den jeweiligen Vorjahresmonaten gewesen waren, lagen zuletzt wieder höher als im Vorjahr.

Veränderte Vorzeichen in Brasilien

Insgesamt positiv, aber in der Wirkung auf die Konjunktur zweischneidig, ist die in einigen Ländern gewachsene politische Bereitschaft, strukturelle Wachstumshemmnisse aktiv anzugehen. Dies lässt sich beispielhaft anhand von Brasilien zeigen: Die Übernahme der Regierungsgeschäfte durch einen Präsidenten, der als wirtschaftsfreundlicher wahrgenommen wird als seine Vorgängerin, und dessen Ankündigung, etwa die gravierenden Haushaltsprobleme lösen zu wollen, haben sich unmittelbar in deutlich besseren Stimmungswerten niedergeschlagen. Da sich zudem das weltwirtschaftliche Umfeld zuletzt stabiler gezeigt hat, konnten auch die Talfahrt bei der Industrieproduktion und bei den Exporten gestoppt werden. Gleichzeitig sinkt die Beschäftigung weiter, Einkommenszuwächse werden von der hohen Inflation aufgefressen, und entsprechend schrumpft der private Verbrauch.

Die angestrebte Begrenzung des Haushaltsdefizits bringt in dieser Hinsicht kurzfristig keine Entlastung, weil sie mit Steuererhöhungen und geringeren Staatsausgaben einhergehen wird. Deshalb ist mit einer schnellen Rückkehr zu nachhaltig positiven Wachstumsraten nicht zu rechnen. Im ersten Quartal sank die Wirtschaftsleistung Brasiliens mit -0,4 Prozent gegenüber dem Vorquartal aber deutlich weniger als in den Quartalen davor. Mittelfristig wird der Stabilisierungskurs der neuen Regierung jedoch den Grundstein für eine wieder positive wirtschaftliche Entwicklung legen (vorausgesetzt, die Regierung hält diesen Kurs gegen Widerstände durch). Die absehbare Stabilisierung der Wirtschaft im Jahr 2017 (wir rechnen mit einem leichten Plus des BIP von +0,4 Prozent) stellt entsprechend einen ersten Fortschritt dar.

Damoklesschwert Zins

Trotz aller positiven Faktoren bleiben zwei wesentliche Risiken für die Schwellenländer bestehen: Erstens birgt die nach wie vor sehr hohe Verschuldung des privaten Sektors weiterhin die Gefahr von Kapitalabflüssen, einer daraus resultierenden neuerlichen Abwertung der lokalen Währungen und die Möglichkeit, dass notwendige Zinserhöhungen zur Stabilisierung der Währung negativ auf die Wirtschaft wirken. Verstärkt wird dieser Effekt zweitens durch eine anhaltende Tendenz zur Dollar-Stärke, die in den kommenden Monaten erneut an Relevanz gewinnen könnte. Dies wäre insbesondere dann der Fall, wenn die derzeitigen Erwartungen an eine längerfristige Beibehaltung der aktuellen Zinsen durch die Fed enttäuscht werden sollten. Falls die Fed im Laufe der kommenden Monate doch mehr als einen Zinsschritt vornehmen sollte, könnte dies erneut Kapitalabflüsse in erheblichem Umfang auslösen und damit den oben beschriebenen Negativ-Kreislauf wieder in Gang setzen.

Länderdifferenzierung wird wichtiger

Für eine generelle Entwarnung ist es deshalb noch zu früh. Dennoch lohnt es sich, die zarten Aussichten auf eine Verbesserung der Lage im Auge zu behalten. Dabei muss allerdings stärker nach Ländern differenziert werden: Während in Brasilien und Russland eine Stabilisierung wahrscheinlich und positive Überraschungen möglich sind, bleiben etwa die Türkei und Südafrika vorerst auf der Liste jener Risiko-Länder, in denen sich infolge politischer Fehlsteuerung und sich verstärkender Ungleichgewichte eine Abwärtsspirale entwickeln könnte. Axel D. Angermann ist Chef-Volkswirt bei Feri, Bad Homburg

Foto: Feri

 

 

Ihre Meinung



Cash.Aktuell

Cash. 01/2019

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Fonds Finanz – Robotik – Moderne Klassik – Finanzanalyse

Ab dem 18. Dezember im Handel.

Cash. 12/2018

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Goldfonds – Rock’n’Roll – Fondspolicen – Nachrangdarlehen

Versicherungen

Wintereinbruch: Diese Pflichten haben Eigentümer und Mieter

Der Winter ganz Deutschland im Griff: Selbst in schneearmen Regionen und Städten wie Köln bleibt die weiße Pracht auf Straßen und Gehsteigen liegen. Die Winterlandschaft bringt Verpflichtungen für Hauseigentümer oder Mieter mit sich – zum Beispiel die gesetzliche Pflicht zum Schneeräumen. Auch versicherungstechnisch ist das Räumen und Streuen des Gehwegs relevant.

mehr ...

Immobilien

Zwölf Städte vereinen 30 Prozent des Gewerbeimmobilienumsatzes

London ist 2018 der Top-Performer für globale gewerbliche Immobilien-Investitionen. Investoren bevorzugen weiterhin Städte, mit denen sie vertraut sind und die über gut etablierte Investment-Märkte und hohe Transparenz verfügen. Dazu gehören mit Frankfurt, Berlin, Hamburg und München vier deutsche Städte.

mehr ...

Investmentfonds

Tim Bröning: Worte statt Taten

Viele Menschen starten mit guten Vorsätzen ins neue Jahr. Sie möchten häufiger ins Fitnessstudio gehen, weniger Süßigkeiten essen und sich generell einen gesünderen Lebenswandel zulegen.

Die Bröning-Kolumne

mehr ...

Berater

Hat die Finanzbranche #MeToo verschlafen?

Auf Branchenmessen begegnet man auch in Zeiten der “Me-too”-Debatte noch immer vielen Hostessen. “Nett aussehen, während die Männer Geschäfte machen: Der Beruf der Hostess ist so aus der Zeit gefallen wie kaum ein anderer”, schrieb kürzlich die “Süddeutsche Zeitung”. Hat die Branche eine wichtige gesellschaftliche Entwicklung verschlafen?

mehr ...

Sachwertanlagen

RWB steigert das Platzierungsvolumen kräftig

Die auf Private-Equity-Konzepte für Privatanleger spezialisierte RWB Group hat im vergangenen Jahr insgesamt mehr als 76 Millionen Euro platziert und damit ein Umsatzplus von 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr erreicht (2017: etwa 59 Millionen Euro).

mehr ...

Recht

Kartellwächter: Mastercard muss Millionenstrafe zahlen

Der Kreditkartenanbieter Mastercard muss wegen Verstößen gegen EU-Kartellvorschriften 570 Millionen Euro bezahlen. Das teilte die EU-Kommission am Dienstag in Brüssel mit. Auf den US-Konzern könnten zudem Schadenersatzklagen zukommen.

mehr ...