2. März 2016, 08:49
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Gipfel der Selbstverständlichkeiten

Es lässt sich vielleicht positiv vermerken, dass die Erwartungen an den G20-Gipfel auch dieses Mal nicht enttäuscht worden sind. Dies liegt allerdings eher daran, dass kaum jemand sich viel von diesen regelmäßigen und extrem reise- und vorbereitungsintensiven Treffen der Finanzminister und Notenbankchefs erhofft. Gastkommentar von Karsten Junius, Bank J. Safra Sarasin

JuniusSarasin in Gipfel der Selbstverständlichkeiten

Karsten Junius, Bank J. Safra Sarasin

Das wichtigste Ergebnis ist meist ein Communiqué, das bereits im Vorfeld weitgehend abgestimmt wurde und auch diesmal viel Richtiges, aber wenig Konkretes enthält. Allerdings soll sich die britische Regierung für die Aufnahme eines neuen Themas eingesetzt haben.

Neu im G20-Communique ist daher der Verweis auf die Gefahren, die von einem Brexit für die globale Wirtschaftserholung ausgehen könnten. Das mag richtig sein. Es stellt sich dann aber die Frage, warum die britische Regierung über die EU-Mitgliedschaft abstimmen lässt, wenn sie einen Austritt aus der EU nun als große Gefahr sieht. Ähnlichen Charakters sind viele der übrigen Themen. Richtig ist der Verweis, dass die Geldpolitik am Limit ihrer Effektivität ist und weitere monetäre Stimuli das Wachstumspotenzial wohl kaum zu erhöhen vermögen. Die Gefahr eines eskalierenden Währungskrieges ist sicherlich groß.

Aber würde diese Erkenntnis tatsächlich dazu führen, dass sich die EZB im März von einer weiteren Lockerung ihrer Geldpolitik abbringen lässt? Oder dass die SNB die Zinsen senkt, falls der Franken unter stärkeren Aufwertungsdruck gerät? Statt der Geldpolitik müsste der Finanz- und Strukturpolitik eine stärkere Rolle beigemessen werden. So lässt sich das Communiqué auch interpretieren. Konkrete Maßnahmen der Politik werden aber auch daraus nicht resultieren. So verweist der deutsche Finanzminister darauf, dass die Ausgaben für die Flüchtlinge bereits wie ein fiskalischer Impuls wirken würden.

Aktive Politikvorschläge und konkrete Vorschläge für die Ausweitung öffentlicher Investitionsprogramme sehen aber anders aus. Dabei besteht in Deutschland – anders als in manchen anderen Staaten – ein großer fiskalischer Spielraum. Statt diesen zu nutzen, wird die Bedeutung von Strukturreformen gerne immer wieder unterstrichen. Vor allem in den wirtschaftlich stabileren Ländern, die über so geringe Arbeitslosenquoten wie Deutschland verfügen, müsste die Umsetzbarkeit von strukturellen Reformen eigentlich gut möglich sein.

Vorschläge, wie eine verstärkte Öffnung des Dienstleistungssektors für ausländische Konkurrenz, gibt es auch genug; konkrete Maßnahmen dagegen wenige. Und so bleibt der Eindruck bestehen, dass G20-Gipfel vor allem Selbstverständlichkeiten und schöne Bilder produzieren. Der Zeitaufwand könnte besser genutzt werden, um der Bevölkerung zu erklären, warum und wo Strukturreformen notwendig sind und warum auch eine EU-Mitgliedschaft vorteilhaft ist. Denn wenn internationale Treffen immer so ergebnislos verbleiben, dann ist es auch klar, dass die Stimmung bezüglich der EU und anderer internationalen Kooperationen immer adverser wird.

Karsten Junius ist Chefökonom der Bank J. Safra Sarasin

Foto: Bank J. Safra Sarasin

Ihre Meinung



 

Versicherungen

Jungmakleraward: Ingo Schröder über „digitale Laufkundschaft“

Der Jungmakler Award dient dazu, junge Vermittler der Finanz- und Versicherungswirtschaft zu unterstützen. Ziel ist es, eine hochwertige Beratungskultur in der Branche aufzubauen. Cash.Online hat bei den Bewerbern nachgefragt und stellt diese im Interview vor. Als Nächster erzählt Ingo Schröder, Gesellschafter und Geschäftsführer bei Malwerk Finanzpartner über sein Unternehmen.

mehr ...

Immobilien

Temporäres Wohnen: Wann sich das Konzept für wen lohnt

Das Angebot am Markt für temporäres Wohnen wächst. Die Konzepte bieten Nutzern kleine, möblierte Apartments, die sich durch Komfort und Zugänglichkeit auchzeichnen. Savills zeigt am Beispiel Berlin, dass die Apartments günstiger als Ein-Raum-Wohnungen sind, insofern die Wohndauer nicht mehr als drei Jahre beträgt. 

mehr ...

Investmentfonds

Aquila Capitals nachhaltige Investment-Strategie bestätigt

Aquila Capital hat seinen Status als führender Anbieter nachhaltiger Investmentlösungen in einer aktuellen Analyse von GRESB bestätigt. Die Ergebnisse unterstreichen die weit überdurchschnittliche Leistung im Vergleich zu Wettbewerbern und das Engagement des Unternehmens im Bereich Nachhaltigkeit und Transparenz für Anleger.

mehr ...

Berater

Das Bankenmonopol auf Kontodaten endet – doch die Kunden sind ahnungslos

„PSD2? Nie gehört!“ Trotz anderthalb Jahren Vorlaufzeit und einer breiten Medienberichterstattung sind die neue EU-Zahlungsdienste-Richtlinie PSD2 und ihre Auswirkungen bei vielen deutschen Verbrauchern überhaupt nicht präsent.

mehr ...

Sachwertanlagen

Exporo überschreitet 500 Millionen-Euro-Schwelle

Gegründet von drei Schulfreunden aus Winsen an der Luhe hat sich Exporo von einem zunächst Cashflow-orientierten Startup zu einem skalierenden Unternehmen und weiter zur Nummer 1 für digitale Immobilien-Investments in Deutschland entwickelt. Simon Brunke, Björn Maronde und Julian Oertzen, bilden heute den Vorstand der Exporo AG mit einem Jahresumsatz im hohen zweistelligen Millionenbereich.

mehr ...

Recht

Gehwegsanierung: Wer muss was bezahlen?

Schön, wenn die Gemeinde den Bürgersteig vor dem Haus neu teert oder pflastert. Gar nicht schön, wenn dann eine Rechnung im fünfstelligen Bereich ins Haus flattert. Müssen die Hausbesitzer bzw. die Anwohner die Kosten übernehmen? 

mehr ...