Anzeige
17. August 2016, 09:01
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Die EZB könnte ihr Kaufprogramm auf Aktien ausweiten

In der Vergangenheit hielten viele Experten es für unwahrscheinlich, dass die EZB in ihr Wertpapierkaufprogramm auch Aktien aufnimmt. Allerdings mehren sich jetzt die Anzeichen für dieses Szenario. Gastkommentar von Karsten Junius, Bank J. Safra Sarasin AG

JuniusSarasin in Die EZB könnte ihr Kaufprogramm auf Aktien ausweiten

Karsten Junius von der Bank J. Safra Sarasin befürwortet Aktienzukäufe der EZB.

Bereits bei den negativen Einlagezinsen ist die EZB der Schweizerischen Nationalbank (SNB) gefolgt. Könnte sie dies beim Thema Aktienkäufe wiederholen? Rund  100 Milliarden Franken hat die SNB inzwischen in Aktien investiert. Das sind 20 Prozent ihrer Bilanzsumme. Negative Auswirkungen davon sind für die Geldpolitik nicht auszumachen. Ganz im Gegenteil. Dies liegt an der langfristigen Ausrichtung des Aktienportfolios. Aktien mögen in der kurzen Frist riskant erscheinen, da sie höhere Kursschwankungen als andere Anlagen aufweisen können

EZB könnte auf den Geschmack von Aktien kommen

Daher kommen sie als Anlage für Zentralbanken kaum infrage, wenn diese ihre Bilanzsumme nur temporär ausweiten wollen. Die EZB wird aber inzwischen realisieren, dass die Inflationsdynamik in der Währungsunion so gering ist und die Inflationserwartungen weiterhin so niedrig, dass eine Verkürzung der Bilanz in den nächsten Jahren unwahrscheinlich ist. Die Zusammensetzung der EZB-Bilanz sollte daher anders betrachtet werden. Stabilität, Liquidität und Ertrag – und zwar genau in dieser Reihenfolge – sollten die ausschlaggebenden Kriterien bei der Auswahl von Anlageklassen der Zentralbankbilanz sein.

Eine Aktienbeimischung wäre nach allen drei Kriterien vorteilhaft. Aufgrund der geringen Korrelation zu Anleihen könnten Aktien die Stabilität der EZB-Bilanz erhöhen, indem sie die Wertschwankungen des Gesamtportfolios reduzieren. Sie könnten auch die Liquidität der EZB-Bilanz und der Euroland-Finanzmärkte erhöhen, da sie die europäischen Zentralbanken weniger dazu zwingen würde, einen immer größeren Anteil einzelner Anleiheemissionen zu halten. Die vor allem in Deutschland, Finnland, Irland und Portugal zu beobachtende Knappheit öffentlicher Anleihen, die von der EZB gekauft werden können, wäre dann nicht mehr ganz so dramatisch. Zudem werfen Aktien auch einen höheren Ertrag als Anleihen ab: So beträgt die Dividendenrendite beim deutschen DAX aktuell immerhin 3,0 Prozent und beim EuroStoxx 50 sogar 4,9 Prozent.

Aktienkäufe fördern die Wirtschaft

Selbst wenn man nur die geldpolitischen Wirkungskanäle betrachtet, kommen Aktienkäufe in der aktuellen Situation besser weg als manche intuitiv meinen könnten. Da der Kreditkanal in einigen Ländern des Währungsgebiets aus unterschiedlichen Gründen noch immer nicht störungsfrei funktioniert, würden Aktienkäufe der EZB dem Unternehmenssektor Eigenkapital zuführen, das er teilweise sonst nicht in der Lage wäre zu erhalten. Dies ist aktuell vor allem im Bankensektor der Fall. Ein EZB-Aktienkaufprogramm wäre daher komplementär zu den bisherigen geldpolitischen Maßnahmen. Diese hatten bislang die Verbesserung der Finanzierungsbedingungen mittels Fremdkapital anvisiert.

Da die öffentliche Akzeptanz eines Aktienkaufprogrammes in der Währungsunion zunächst gering sein könnte – vor allem wenn dieses als Quersubventionierung einzelner Länder angesehen würde – sollten Aktienkäufe von den nationalen Notenbanken und auf eigene Rechnung vorgenommen werden dürfen. Sie würden also ähnlich der Käufe von Staatsanleihen organisiert, bei denen beispielsweise die Bundesbank deutsche Anleihen kauft und die italienische Notenbank italienische Anleihen. Risiken würden dabei nur sehr begrenzt im Euroraum geteilt. Wenn es gleichzeitig den nationalen Notenbanken freigestellt wäre, ob sie innerhalb ihres Anteils am Wertpapierkaufprogramm der EZB statt Anleihen auch Aktien kaufen, dann könnten genau diese Notenbanken am nationalen Aktienmarkt investieren, in denen die Knappheit von Obligationen am stärksten ausgeprägt ist. Profitieren könnte in diesem Fall vor allem der deutsche Aktienmarkt. Karsten Junius ist Chefökonom der Bank J. Safra Sarasin AG, Schweiz

Foto: Bank J. Safra Sarasin AG

Ihre Meinung



Cash.Aktuell

Cash. 11/2018

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Megatrend Demografie – Indizes – Naturgefahren – Maklerpools

Ab dem 16. Oktober im Handel.

Cash.Special 3/2018

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Riester-Rente – bAV – PKV – Bedarfsanalyse

Ab dem 22. Oktober im Handel.

Versicherungen

Versicherungstipps: Die erste eigene Wohnung

Wann ist ein Mensch wirklich erwachsen? Mit der Volljährigkeit, einem Job, eigenen Kindern? Die Mehrheit der Bundesbürger sieht das Mieten der ersten eigenen Wohnung als einen der wichtigsten Meilensteine für das Erwachsenwerden.

mehr ...

Immobilien

Streit um Namen an Klingelschildern – Verstoß gegen die DSGVO?

Verstößt das Klingelschild eines Mieters an der Haustür gegen die Datenschutzgrundverordnung? Über diese Frage ist ein heftiger Streit entbrannt. Der Immobilien-Eigentümerverband Haus & Grund empfiehlt aktuell seinen Mitgliedern, vorsorglich die Namensschilder zu entfernen.

mehr ...

Investmentfonds

Aufstieg der ETFs

Exchange Traded Funds (ETF) werden bei den Deutschen immer beliebter. Das in ETFs verwaltete Kapital ist in zehn Jahren um über 560 Prozent gestiegen. Doch noch immer ist die Investitionsquote in Deutschland insgesamt sehr gering.

mehr ...

Berater

Kfz-Versicherung: Welche Merkmale den Tarif in die Höhe treiben

Was treibt den Preis einer Kfz-Versicherung in die Höhe? Und wie lässt sich der Preis am stärksten reduzieren? Die Antworten liefert ein aktueller Vergleich des Online-Portals Check24.

mehr ...

Sachwertanlagen

Beförderungs-Quartett bei ThomasLloyd

Das Geschäft der ThomasLloyd Gruppe wächst immer weiter. Das macht auch neue Führungskräfte notwendig. Gleich vier Mitarbeiter auf einmal konnten sich in dieser Woche über Beförderungen zum Managing Director freuen.

mehr ...

Recht

Wohin mit Nachbars Laub? Ab über die Hecke!

Der Indian Summer begeistert mit rot-, gold- und braungefärbten Blättern. Doch wenn die Laubmassen zusammengekehrt und entsorgt werden müssen, kommt schnell mal schlechte Laune auf – besonders, wenn es sich Nachbars Laubgut handelt. Muss man sich darum kümmern?

mehr ...