Anzeige
4. August 2016, 08:05
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Minuszinsen gehen alle an!

Wann kommen die Minuszinsen auf dem privaten Sparkonto? Diese Frage treibt auch immer mehr Kleinanleger um. Ein Kommentar von Dr. Marc-Oliver Lux, Geschäftsführer der Dr. Lux & Präuner GmbH, München

Zinsen-sinken-750-shutterstock 53504905 in Minuszinsen gehen alle an!

Indirekt leiden auch Kleinanleger darunter, dass Großkunden Negativzinsen auf Guthaben zahlen müssen.

Noch scheuen sich Banken davor, von Privatkunden Geld für Guthaben auf kleinere Anlagesummen zu nehmen. Es ist aber ein Trugschluss davon auszugehen, dass Kleinanleger von den Minuszinsen nicht betroffen sind. Indirekt leiden auch sie darunter, dass die Banken und Sparkassen bei Großkunden zunehmend Negativzinsen auf Cash-Guthaben erheben. Zu diesen Großkunden zählen Fonds und Versicherer. Wer eine Lebensversicherung oder einen Fonds hat, ist von Minuszins, der an der Rendite der Anlegerprodukte zehrt, also durchaus mit betroffen. Die Schmerzen dürften zunehmen, wenn die Europäische Zentralbank (EZB) es für Banken noch teurer macht, kurzfristig Geld bei der Notenbank anzulegen. Analysten und Investoren erwarten, dass die EZB den dafür relevanten Einlagenzins weiter auf minus 0,50 Prozent absenkt.

Minuszinsen haben kompletten Anleihemarkt infiziert 

Das große Problem ist, dass die Minuszinsen nicht auf Strafgebühren bei den Banken beschränkt sind, sondern den kompletten Anleihemarkt infiziert haben. Mittlerweile rentieren im Euroraum gut die Hälfte aller Staatsanleihen unter null Prozent.

In Deutschland gibt es für Laufzeiten bis einschließlich zehn Jahren nur noch negative Renditen. Bonds vieler Förderbanken sowie Pfandbriefe liegen ebenfalls schon länger im Minus und dank des erweiterten Anleihekaufprogramms der EZB zunehmend auch die von Unternehmen.

Am meisten trifft die Minuswelt natürlich Finanzinstrumente mit hoher Cashhaltung, also Geldmarktfonds, Fonds für kurzfristige Staatsanleihen und offene Immobilienfonds. Aber nicht nur sie: Im Grunde ist jeder Fonds betroffen, der Liquidität oder kurz laufende Staatsanleihen im Portfolio hält, also auch Aktienfonds. Die Anlagehäuser müssen Barbestände halten, um Anleger auszuzahlen, die Geld aus Fonds abziehen. Zu den Barbeständen zählen vor allem Zinspapiere wie Bundesanleihen, die gut handelbar sind und sich schnell flüssigmachen lassen.

Wirrwarr im Marktgefüge

Unsere Einschätzung: Die Minuszinsen der EZB werfen das Marktgefüge komplett durcheinander: ein Staat, der bei der Schuldenaufnahme auch noch Geld verdient, Privatanleger und Versorgungsträger, die aufgrund fehlender Grundverzinsung in sicheren Anlagen widerwillig in risikobehaftete Investments gedrängt werden oder langfristige Sparverträge aufgrund von Kosten und Inflation ad absurdum führen.

Frustrierend dabei ist, dass es erst mal so bleiben wird. EZB-Chef Mario Draghi hält stur an seiner Niedrigzinspolitik fest und meint zu Kritikern, „man könne ja in Aktien investieren”. Einziger Trost für alle Anleihebesitzer: Solange die Zinsen weiter tendenziell fallen, steigen die Anleihekurse. Seit Jahresanfang sind die Kurse gerade von Euro-Staatsanleihen erneut gestiegen. Trotz der Minusrenditen auf Endfälligkeit haben Anleger also einen Gewinn gemacht. Doch die Profis wissen: Sollte der Trend mal drehen, sind herbe Verluste vorprogrammiert.

Foto: Shutterstock

Ihre Meinung



Cash.Aktuell

Cash. 01/2019

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Fonds Finanz – Robotik – Moderne Klassik – Finanzanalyse

Ab dem 18. Dezember im Handel.

Cash. 12/2018

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Goldfonds – Rock’n’Roll – Fondspolicen – Nachrangdarlehen

Versicherungen

Wintereinbruch: Diese Pflichten haben Eigentümer und Mieter

Der Winter ganz Deutschland im Griff: Selbst in schneearmen Regionen und Städten wie Köln bleibt die weiße Pracht auf Straßen und Gehsteigen liegen. Die Winterlandschaft bringt Verpflichtungen für Hauseigentümer oder Mieter mit sich – zum Beispiel die gesetzliche Pflicht zum Schneeräumen. Auch versicherungstechnisch ist das Räumen und Streuen des Gehwegs relevant.

mehr ...

Immobilien

Zwölf Städte vereinen 30 Prozent des Gewerbeimmobilienumsatzes

London ist 2018 der Top-Performer für globale gewerbliche Immobilien-Investitionen. Investoren bevorzugen weiterhin Städte, mit denen sie vertraut sind und die über gut etablierte Investment-Märkte und hohe Transparenz verfügen. Dazu gehören mit Frankfurt, Berlin, Hamburg und München vier deutsche Städte.

mehr ...

Investmentfonds

Die hartnäckigsten Vorurteile gegen aktive Fonds

Aktive Fonds schaffen es selten, langfristig ihren Index zu schlagen und sind zudem noch teurer als Indexfonds (ETFs). Dieses Argument für passives Investieren wurde von zahlreichen Studien bestätigt. Doch so einfach ist es nicht. Welche aktiven Fonds überlegen sind: Gastbeitrag von Thomas Romig, Assenagon Teil 1

mehr ...

Berater

Hat die Finanzbranche #MeToo verschlafen?

Auf Branchenmessen begegnet man auch in Zeiten der “Me-too”-Debatte noch immer vielen Hostessen. “Nett aussehen, während die Männer Geschäfte machen: Der Beruf der Hostess ist so aus der Zeit gefallen wie kaum ein anderer”, schrieb kürzlich die “Süddeutsche Zeitung”. Hat die Branche eine wichtige gesellschaftliche Entwicklung verschlafen?

mehr ...

Sachwertanlagen

RWB steigert das Platzierungsvolumen kräftig

Die auf Private-Equity-Konzepte für Privatanleger spezialisierte RWB Group hat im vergangenen Jahr insgesamt mehr als 76 Millionen Euro platziert und damit ein Umsatzplus von 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr erreicht (2017: etwa 59 Millionen Euro).

mehr ...

Recht

Kartellwächter: Mastercard muss Millionenstrafe zahlen

Der Kreditkartenanbieter Mastercard muss wegen Verstößen gegen EU-Kartellvorschriften 570 Millionen Euro bezahlen. Das teilte die EU-Kommission am Dienstag in Brüssel mit. Auf den US-Konzern könnten zudem Schadenersatzklagen zukommen.

mehr ...