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8. Juni 2016, 12:20
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Trendwende an den Rentenmärkten braucht Zeit

Da die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Geldmarktpolitik nicht weiter lockern werde, könnte dies nach Ansicht der Investmentexperten von Santander Asset Management (SAM) Deutschland zu einem Perspektivwechsel auf den Finanzmärkten führen.

SAM - Dr Klaus Schruefer-Kopie in Trendwende an den Rentenmärkten braucht Zeit

Dr. Klaus Schrüfer meint, dass die EZB-Geldpolitik bald unter einer anderen Perspektive gesehen werden dürfte.

„Der Fokus wird zukünftig voraussichtlich wieder stärker auf möglichen Preisrisiken liegen“, sagt Dr. Klaus Schrüfer, Chefmarktstratege von SAM, in seinem jüngsten Investmentbericht. Dies könnte kurzfristig zwar zu einem leichten Renditeanstieg führen – an dem geringen Ertragspotenzial von als sicher angesehenen Rentenpapieren und dem langfristigen Abwärtstrend der Renditen von Bundesanleihen ändere sich jedoch nichts.

Die Märkte gingen derzeit nicht von einer weiteren Zinssenkung der EZB oder einer Ausweitung ihres bereits sehr umfangreichen Anleihekaufprogramms aus. Diese Schritte hatten sich zuletzt positiv auf die Aktienkurse im Euroraum ausgewirkt. „Die Bereitschaft vieler Anleger, wieder in risikoreichere Anlagen zu investieren, hält sich dennoch in engen Grenzen“, so Schrüfer.

Dies münde in einer verstärkten Nachfrage nach den als sicher geltenden Anleihen. Angesichts dieser Ausgangslage sollten die Renditen von Bundesanleihen nicht weiter fallen. Auch US-Anleihen mit langer Laufzeit legten zeitweise leicht zu, nachdem die amerikanische Notenbank Fed angedeutet hatte, dass sie die Leitzinsen in den nächsten Monaten weiter anheben könnte. Insgesamt dürften die Renditen von Anleihen unter Schwankungen also leicht stiegen.

Inflationsrisiko bleibt begrenzt

Allerdings reichten diese Anzeichen nicht aus, den Fall der Anleihen bald zu beenden. Seit nunmehr 35 Jahren befinden sich die Renditen von langlaufenden Bundesanleihen in einem stabilen Abwärtstrend, so der Experte. Anfang der 1980er-Jahre hatte die Inflationsrate in Deutschland noch bei sieben Prozent gelegen, in den USA sogar bei fast 15 Prozent. Eine starke Erhöhung des Leitzinses in den USA half jedoch, die Inflationsrate wieder merklich zu senken. Globalisierung, ein einheitlicher EU-Binnenmarkt und stärkerer Wettbewerb taten ihr Übriges, den Preisanstieg zu bremsen. Nach dem Ausbruch der Finanz- und Wirtschaftskrise ab 2008 erweiterten mehrere Notenbanken ihr Instrumentarium um Anleiheankäufe, was das Angebot verknappte und die Renditen drückte.

Wachstum hat sich abgeflacht

Aktuell gebe es wenig Anzeichen dafür, dass sich daran etwas ändern werde. So werde die Weltwirtschaft ihr moderates Wachstum von rund drei Prozent pro Jahr voraussichtlich beibehalten. Das sei weniger als in den 90er-Jahren des vergangenen und zu Beginn dieses Jahrhunderts, was vor allem auf eine langsamere Zunahme der Arbeitskräfte und eine geringere Investitionstätigkeit zurückzuführen sei. Zudem seien die Volkswirtschaften weltweit bereits stark verschuldet und könnten ihr Wachstum nicht durch noch mehr Schulden finanzieren. Schließlich sei das Inflationsrisiko insgesamt begrenzt, weil es in mehreren Ländern unausgelastete Kapazitäten und eine relativ hohe Arbeitslosigkeit gebe.

Auch wenn die Renditen von Anleihen angesichts dieser Lage leicht steigen dürften: „Der Zeitpunkt, an dem die EZB ihren Fuß vom geldpolitischen Gaspedal nehmen wird, liegt noch in ferner Zukunft“, sagt Schrüfer. „Die Trendwende an den Rentenmärkten braucht Zeit.“ (tr)

Foto: Santander Asset Management

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