11. April 2016, 09:05
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Trifft der Negativzins jetzt auch Privatanleger?

Die Debatte um die Negativzinspolitik hält an: Die Schweiz, Dänemark, Schweden, Japan und die Eurozone haben einen negativen Einlagezins eingeführt und damit eine erhebliche Diskussion über die relativen Kosten und Nutzen entfacht.

Zinsen-sinken-750-shutterstock 53504905 in Trifft der Negativzins jetzt auch Privatanleger?

Die Negativzinsen drohen sich immer mehr auf Privatanleger auszuwirken.

Maxime Alimi, Ökonom im Team für Research und Investmentstrategie bei AXA Investment Managers (AXA IM), befürchtet vor allem eins: „Sollten die negativen Zinsen weiter bestehen, werden die europäischen Banken sie an die Kunden weitergeben.“

Zuckerbrot und Peitsche – der Negativzins als Strafe

Da auch nach sieben Jahren Niedrigzinspolitik und nach quantitativen Lockerungsmaßnahmen (QE) das globale Wachstum träge und die Inflation in den meisten Ländern unter dem Zielwert blieb, greifen die Zentralbanken nun zu einem anderen Instrument – dem Negativzins. Die Europäische Zentralbank (EZB) will damit ein zentrales Problem lösen, sagt Alimi: „Mit den QE-Maßnahmen hat die Notenbank so viel billiges Geld bereitgestellt wie noch nie zuvor. Dennoch springt die Konjunktur in Europa nicht an, denn das Geld kommt nicht in den Wirtschaftskreislauf. Anstatt es als Kredit an Unternehmen und Privatleute weiterzureichen, legen die Banken überschüssiges Geld auf ihrem Konto bei der EZB an. Der Negativzins bestraft die Banken nun dafür und soll bewirken, dass sie das Geld in Form von Krediten weiterreichen und so die Wirtschaft wieder ankurbeln.“

Die Gesamtkosten tragen vorerst die Banken

Die Banken möchten die Privatanleger nicht belasten – das bedeutet, dass sie den Strafzins zahlen, der anfällt, wenn sie Geld bei der EZB parken. Das Ergebnis: Die Kosten der Negativzinspolitik werden durch die Banken getragen, nicht von der Gesamtwirtschaft. Dies wirkt sich jedoch negativ auf die Ertragslage der Banken aus – vor allem im Kontext von QE, das jeden Monat mehr Reserven in die Finanzinstitute zwingt. „Wie bereits die Finanzkrise gezeigt hat, führt eine schwache Rentabilität von Banken in der Regel zu niedriger Risikobereitschaft – das bedeutet, dass sich die Kreditbedingungen verschärfen“, so Alimi. „Um ihre Margen zu halten, werden Banken die niedrigen Zinsen nicht an Kreditnehmer weitergeben. Der Nutzen für die Realwirtschaft bleibt dann aus.“ Aus der Sicht der Zentralbanken sollten Banken die negativen Zinsen daher an ihre Kunden weiterreichen, um so den Anreiz zu erhöhen mehr Geld auszugeben. Da dies aber nicht geschehe und die daraus resultierenden Nebeneffekte problematisch seien, kommen einige zu dem Schluss, dass die Negativzinspolitik kontraproduktiv wirkt. Um den Nebenwirkungen entgegenzuwirken, greifen die Zentralbanken mit entsprechenden Maßnahmen ein, die verhindern sollen, dass negative Zinsen die Bankreserven zu stark angreifen. „Dennoch sind wir der Ansicht, dass die Banken die negativen Zinsen eventuell doch an ihre Kunden weiterreichen, wenn sich die Negativzinspolitik erst einmal etabliert hat“, erklärt Alimi.

Hat der Negativzins eine Zukunft?

Das Fazit des Investmentexperten: „Insgesamt präsentiert der Negativzins als unkonventionelles geldpolitisches Werkzeug zwar einige Vorteile, aber gleichzeitig zeichnen sich zwei große Probleme ab. Erstens, negative Zinsen entfalten ihre Wirkung nur, sofern auch Bargeld besteuert wird. Und zweitens, die Reaktion der Öffentlichkeit auf eine solche Politik ist noch ungewiss.“ Eines sei jedoch jetzt schon abzusehen: In einer Welt der dauerhaft niedrigen Zinsen, die immer wieder Richtung Null tendieren, seien negative Zinsen eine brauchbare politische Option. (tr)

Foto: Shutterstock

Ihre Meinung



 

Versicherungen

Zurich startet Erstattungen an Thomas Cook-Kunden

Zurich startet mit Erstattungen an Kunden der insolventen Thomas Cook Deutschland GmbH. Dem Versicherer liegen nun ausreichend Informationen vor, um mit hinreichender Genauigkeit eine vorläufige Berechnung der Gesamthöhe aller Ersatzansprüche vorzunehmen.

mehr ...

Immobilien

Mietendeckelgesetz missachtet Mieter- und Vermieterinteressen

Angesichts der heutigen Anhörung zum Mietendeckelgesetzentwurf und der 1. Lesung des Gesetzes am Donnerstag hat Dr. Andreas Mattner, Präsident des ZIA Zentraler Immobilien Ausschuss, Spitzenverband der Immobilienwirtschaft, eine eindeutige Meinung.

mehr ...

Investmentfonds

Wie Sie Ihre Finanzen im Griff behalten

Ob Single oder Familie mit Kindern, auch wenn jeder Haushalt anders strukturiert ist, geht es immer darum, mit einem bestimmten Budget auszukommen. Es ist nicht entscheidend, wieviel Geld zur Verfügung steht, sondern dass die Ausgaben an die Einnahmen angepasst sind, um nicht in eine finanzielle Schieflage zu rutschen.

mehr ...

Berater

Was bei Finanzgeschäften mit der Blockchain zu beachten ist

Die Blockchain-Technologie hat das Potenzial, die Finanzbranche grundlegend zu revolutionieren. Anbieter und Kunden sollten die Einsatzfelder, aber auch die rechtlichen Stolperfallen kennen, um frühzeitig dabei zu sein.

mehr ...

Sachwertanlagen

BaFin untersagt weiteres Baum-Direktinvestment

Die Finanzaufsicht BaFin hat der Nova Vita Trees d.o.o. das öffentliche Angebot des Direktinvestments in Paulownia Bäume in Deutschland untersagt. Der Grund ist der gleiche, wie zuvor schon bei einer Reihe anderer Emissionen.

mehr ...

Recht

FDP kritisiert Finanzhilfe des Bundes für Thomas-Cook-Kunden

Die FDP hat die Finanzhilfe der Bundesregierung für geschädigte Kunden des insolventen Reiseunternehmens Thomas Cook kritisiert. Der stellvertretende FDP-Fraktionschef Michael Theurer sagte: “Dass nun der Steuerzahler einspringen soll, ist ein Schuldeingeständnis der Großen Koalition. Sie hat die EU-Gesetzgebung offenbar mangelhaft umgesetzt. (…) Es kann nicht angehen, dass Risiken verstaatlicht und Gewinne privatisiert werden.”

mehr ...