Anzeige
30. August 2016, 11:31
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

US-Dollar kaum durch Zinserhöhungsdiskussion gestärkt

An den internationalen Währungsmärkten wurde das Notenbanktreffen im amerikanischen Ort Jackson Hole genau verfolgt. Die Kursbewegungen waren im Devisenhandel durchaus zu spüren. Gastkommentar von John J. Hardy, Saxo Bank

SaxoBank John Hardy-Kopie in US-Dollar kaum durch Zinserhöhungsdiskussion gestärkt

John J. Hardy von der Saxo Bank analysiert die aktuelle Lage an den Devisenmärkten.

Der US-Dollar ging nach der Ansprache der US-Notenbankpräsidentin Yellen bei einer Fed-Konferenz in Jackson Hole (Wyoming, USA) in Habachtstellung und hat sich zum Ende der letzten Handelswoche kräftig erholt. Die Bewegung am Markt war dabei deutlich bemerkenswerter als alles, was Yellen in ihrer Rede erwähnte. Überraschenderweise machte Yellen sich zu Beginn ihrer Ansprache die Mühe, die aktuelle US-amerikanische Wirtschaftssituation und die Wahrscheinlichkeit weiterer Zinserhöhungen anzusprechen, trotz der Erwartung, dass ihre Rede mit dem Titel „Entwurf belastbarer finanzpolitischer Rahmenwerke für die Zukunft“ sich lediglich mit der längerfristigen Finanzpolitikhaltung der Fed auseinandersetzen würde. Aber als die Rede über den Draht lief, erstarkte der US-Dollar zunächst aufgrund der aggressiv klingenden Schlagzeilen, wurde dann jedoch wieder schwächer, nachdem ihre Kommentare weniger ostentativ waren, als die Schlagzeilen erwarten ließen, und keine grundlegenden Schlüsse aus der Diskussion um die längerfristige Politik gezogen werden konnten.

Später zog der USD dann jedoch wieder deutlich an, und sein Schlusskurs für den Tag und die Woche lag auf dem höchsten Niveau seit nahezu zwei Wochen. Diese Bewegung wurde größtenteils Stanley Fischer zugeschrieben, dem stellvertretenden Vorsitzenden der US-Notenbank, der in einem Gespräch am Freitag andeutete, dass Yellens Bemerkungen auf nicht weniger als zwei Zinserhöhungen in diesem Jahr schließen lassen würden, wenn die Konjunkturdaten in den USA ausreichend stark seien.

Stärke könnte schnell verfliegen

Aber wenn die Stärke des USD ausschließlich auf den Gesprächen über kurzfristige Zinserhöhungen beruht, ist damit zu rechnen, dass diese Stärke binnen kurzem im Sande verlaufen wird. Im Großteil von Yellens Rede wiederholte sie letzten Endes nur zahlreiche Kommentare aus den letzten Äußerungen ihrer Kollegen bei der Fed. Yellen unterstrich insbesondere, dass mehrere Faktoren den sogenannten neutralen Zinssatz für die Geldpolitik der Fed nahe an null gebracht haben, was darauf hindeutet, dass der Spitzenzinssatz in diesem Zyklus deutlich niedriger liegen könnte als in früheren Spitzenzyklen. Jedwede Aggressivität seitens der Fed ist daher zwangsläufig nur kurzfristig, da die Fed nur eine geringe Gefahr einer Konjunkturüberhitzung oder unangenehmer Inflationsschübe sieht. Und hier liegt die Ironie: Die eigene Politikgestaltung der Fed verstärkt den Gegenwind für das Wirtschaftswachstum, insbesondere niedrige Produktivität.

Bei niedrigen Zinssätzen und Nullzinssätzen können Forderungsausfälle nicht ausgeglichen werden, und unproduktive Akteure werden in den Bankrott gedrängt, wo sie auch hingehören. Ermüdend kam hinzu, dass Yellen die Meinung vertrat, dass zukunftsgerichtete Hinweise und quantitative Lockerung – ggf. mit erweitertem Wertpapierkaufmandat – die besten Gegenmittel für künftige wirtschaftliche Verlangsamungen seien. Diese Rede in Jackson Hole bot der Fed eine fantastische Gelegenheit, ihr Politikversagen einzugestehen, doch Yellen versagte nahezu auf ganzer Linie; im Gegenteil, sie spielte den vermutlich wichtigsten finanzpolitischen Faktor in der gegenwärtigen Lage herunter: die steuerlichen Anreize.

Fixierungen auf Zinserhöhungen nutzlos

Aufgrund dieser kurzfristigen Fed-Aggressivität wurden am Markt erste USD-Ankäufe und erste Verkäufe von Risikoanlagen verzeichnet, doch diese Bewegung dürfte innerhalb einer Woche wieder abflauen, wenn der US-Dollar zum Ende der Woche schwächer ist, spätestens jedoch innerhalb eines Monats, selbst wenn der USD seine derzeitige Stärke behält. Aber vielleicht ist die Reaktion auf Yellen doch ganz anders gelagert und nur hinter der nutzlosen Fixierung auf die Frage versteckt, ob und wann zwei Fed-Zinserhöhungen eintreten.

Die Aufwärtsbewegung der US-amerikanischen Währung und die Abwärtsbewegung bei Risikoanlagen könnten stattdessen in der Erschöpfung des langdauernden ertragsfixierten Handels begründet sein, dieses Handels, der die Märkte seit der beängstigenden Marktkrise Anfang des Jahres beherrscht hat, bei dem der Zentralbankaktivismus der EZB, der BoJ und der BoE/Brexit die 10-Jahres-Renditen in Deutschland auf -7 Basispunkte gestürzt hat und der zahllose verzweifelte Renditesucher in die Arme von Aktien getrieben hat, was wiederum den US-Aktienindizes ein Allzeithoch beschert hat. Wenn dieses Szenario Wirklichkeit wird, dürften wir eine langwierige Talfahrt an den Anlagemärkten und einen steilen, nachhaltigen Anstieg des USD von dieser Stelle an zu erwarten haben, insbesondere im Vergleich zu den risikoreichsten Währungen in Wachstums- und Industriemärkten. In anderen Worten: Die Reaktion könnte darauf hinweisen, dass die Zentralbanken auch noch ihr letztes bisschen Glück einbüßen werden. John J. Hardy ist Head of FX Strategy bei der Saxo Bank, Dänemark

Foto: Saxo Bank

Ihre Meinung



Cash.Aktuell

Cash. 01/2019

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Fonds Finanz – Robotik – Moderne Klassik – Finanzanalyse

Ab dem 18. Dezember im Handel.

Cash. 12/2018

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Goldfonds – Rock’n’Roll – Fondspolicen – Nachrangdarlehen

Versicherungen

Incentives Zusatzkrankenversicherung – so bleiben sie steuerfrei

Viele Unternehmen sichern ihre Mitarbeiter mit sogenannten Zukunftssicherungsleistungen gegen allerlei Ungemach ab. Damit solche Gehaltsextras auch steuerfrei bleiben, kommt es auf die richtige vertragliche Gestaltung an.

mehr ...

Immobilien

Wohn-Riester: Das müssen Sie wissen

Bauherren und Käufer von selbstgenutztem Wohneigentum können sich bei einer Wohn-Riester geförderten Finanzierung oft Vorteile von mehreren Zehntausend Euro sichern. Dennoch lassen immer noch viele die staatliche Unterstützung ungenutzt. Oft aus purer Unwissenheit. Laut aktueller LBS-Riester-Umfrage haben sich mehr als 60 Prozent der Menschen noch nicht mit der Riester-Förderung beschäftigt, mehr als 40 Prozent wissen nicht, ob sie förderberechtigt sind.

mehr ...

Investmentfonds

Ende des Handelskriegs?

China wählt einen ungewöhnlichen Weg, um den Handelsstreit mit den USA zu beenden. Nach Berichten des Nachrichtenportals “Bloomberg” will das Land US-Waren kaufen, um das Defizit auszugleichen. Das Angebot sei bereits von Anfang Januar.

mehr ...

Berater

Recruiting: Mit Jobstory die Richtigen finden

Die Suche nach Mitarbeitern ist nichts anderes als die Suche nach einem Lebenspartner. Wie kann dieses Unterfangen erfolgreich gestaltet werden?

Gastbeitrag von Hans Steup, Versicherungskarrieren

mehr ...

Sachwertanlagen

Kapital in zehn Jahren fast verfünffacht

Die Paribus-Gruppe hat die Fondsimmobilie des SCM Capital GmbH & Co. KG Renditefonds V – Hamburg Wohnen sowie abgespaltene Grundstücksteile verkauft. Der Gesamtrückfluss an die Fondsanleger ist beachtlich.

mehr ...

Recht

BVI: Studie bestätigt Kostentransparenz bei Fonds

Der deutsche Fondsverband BVI bewertet die jüngste ESMA-Studie zu Kosten und Wertentwicklung von Finanzprodukten für Privatanleger positiv.

mehr ...