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4. April 2016, 12:20
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Vom Retter zum Risikofaktor

Immer mehr Analysen kommen zu dem Ergebnis, dass die Geldschwemme und Negativzinsen der EZB nicht geeignet sind, eine systemisch bedingte Wachstumsschwäche zu überwinden.

EZB in Vom Retter zum Risikofaktor

Die EZB-Geldpolitik stößt immer mehr auf Kritik.

„Vielmehr werden eine derartige Politik und die Ablehnung der notwendigen Reformen zu einem erheblichen Risikofaktor für die wirtschaftliche Stabilität und den sozialen Zusammenhalt“ konstatiert Thomas Böckelmann, Investmentchef der Euroswitch, in seiner aktuellen Einschätzung der Kapitalmärkte. Dabei sei unbestritten, dass Mario Draghi und sein beherzt handelnder EZB-Rat während der Finanzkrise Schlimmeres verhindert und somit das Euro-System gerettet haben. Dieser Verdienst gebühre aber definitiv nicht der europäischen Politik, die unverändert zwingende Reformen ablehnt.

Nach der jüngsten Ausweitung des Staatsanleihekaufprogrammes der EZB wurde von den Medien kaum wahrgenommen, dass Frankreich seine in den letzten Monaten vorsichtig vorbereitete Arbeitsmarktreform wieder weitgehend kassiert habe. Auch in anderen Euro-Ländern stehen die Zeichen eher auf Ablehnung, Aufweichung oder gar Aufhebung von Reformen. Die Japanisierung europäischen Verhaltens werde immer sichtbarer, teilweise bewusst propagiert. Dabei dürfe die japanische Geld- und Fiskalpolitik nach 25 Jahren als gescheitert bewertet werden.

„Aktuell finden die Bedenken aber wenig Gehör bei den Verantwortlichen“, warnt Thomas Böckelmann von Euroswitch. Zu attraktiv sei ein „weiter so“. Selbst die brandgefährliche, rein theoretische Idee eines Helikoptergeldes habe es aus akademischen Hinterzimmern in die Öffentlichkeit geschafft und sei Ausdruck der zunehmenden Überforderung der handelnden Akteure. Hier werde eine nicht zu rechtfertigende Panik erzeugt, die das Gegenteil von dem bewirkt, was erreicht werden soll: Vertrauen in die Handlungsfähigkeit und die Zukunft. Auch aus Deutschland kommen weder Ideen noch Impulse – hier sei man zu sehr mit der Einführung einer die zukünftigen Generationen belastenden „solidarischen Lebensleistungsrente“ beschäftigt.

Insbesondere die Aktienmärkte konnten sich auf breiter Front erholen und sich von den im Februar erreichten Tiefständen lösen. „Nach panikartigen Verkäufen zu Jahresbeginn scheint die aktuelle Marktsituation durch eine realistischere Einschätzung der Weltwirtschaftslage geprägt – aber die Stimmung bleibt angespannt“, fasst Thomas Böckelmann die derzeitige Lage an den Aktienmärkten zusammen. (tr)

Foto: Shutterstock

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